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    Esthers Reisen: Ein Lied ohne Töne

    Ein ganz großer Hit ist derzeit „Nichts“. Es dauert neun Minuten und 58 Sekunden und heißt „Aaaaa Very Good Song“ – auf Deutsch also „Eiiiin Sehr Gutes Lied“. Das Gute dabei ist, dass das Lied keine Melodie und keinen gesungenen Text hat, wie es überhaupt keinen einzigen Ton von sich gibt. Um es gleich klarzustellen: Diese minutenlange, tiefe Stille wurde nicht in einem Trappisten- oder Zen-Kloster aufgenommen, um überdrehte Manager zu therapieren. Vielmehr befindet sich das Lied seit Wochen in den iTunes-Charts, gleich vor einem Hit von Frank Sinatra – der Bedarf nach Ruhe scheint also groß zu sein.

    Ein ganz großer Hit ist derzeit „Nichts“. Es dauert neun Minuten und 58 Sekunden und heißt „Aaaaa Very Good Song“ – auf Deutsch also „Eiiiin Sehr Gutes Lied“. Das Gute dabei ist, dass das Lied keine Melodie und keinen gesungenen Text hat, wie es überhaupt keinen einzigen Ton von sich gibt. Um es gleich klarzustellen: Diese minutenlange, tiefe Stille wurde nicht in einem Trappisten- oder Zen-Kloster aufgenommen, um überdrehte Manager zu therapieren. Vielmehr befindet sich das Lied seit Wochen in den iTunes-Charts, gleich vor einem Hit von Frank Sinatra – der Bedarf nach Ruhe scheint also groß zu sein.

    Es bringt mich dazu, darüber nachzudenken, wo absolute Ruhe auf dieser Welt noch gegeben ist. Einmal war ich tatsächlich in einem Trappistinnen-Kloster in der Eifel zu Gast. Wohlgemerkt: ein strikter Schweige-Orden. Leider ging mein Zimmer nach vorne raus – auf dem Parkplatz hielten und fuhren Autos an. Der Rasen wurde gemäht, zwei Besucherinnen schwatzten ungeniert. Nach wenigen Stunden suchte ich das Weite. „War es Ihnen bei uns zu leise?“ fragte die Äbtissin besorgt. „Nein, zu laut“, antwortete ich ehrlich. Sie blickte mich verständnislos an und sagte, das habe noch niemand geäußert. Gott sei Dank nahm sie mir meine Flucht nicht übel – ich schreibe ihr, sie betet für mich, hoffentlich in Ruhe.

    Keine absolute, aber wenigstens teilweise herrschte Stille über Europa, als 2010 der isländische Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach und für Tage kein Flugzeug mehr flog. Der Himmel war seltsam und ungewohnt ruhig. Allerdings nahm die Unruhe auf Erden zu, denn alle stiegen auf Busse und Leihwagen um. Auch ich ließ mich vom lettischen Riga quer durch Polen in 26 Stunden ins Rheinland kutschieren. Ich freute mich am Anblick des Himmels, fühlte mich aber durch die Umstände gestresst.

    Der Song „Aaaa...“ ohne Sound wurde übrigens von einem New Yorker komponiert und ist ein Renner in den USA. Gedacht ist er für gestresste iPhone-Besitzer, die beim Abdudeln ihrer Playlist nun erstmal Ruhe haben und ihren Wunschsong mit Bedacht auswählen können. Das Ganze hat einen ganz profanen Hintergrund.

    Neulich sagte mir ein Hindu: Stille ist ein anderes Wort für Gott. Neun Minuten 58 Sekunden. So lang die Stille, so groß unser Gott auf der aktuellen Hitliste.