• aktualisiert:

    Esthers Reisen: Das Kreuz mit Schweden

    Bereits im Flieger zurück Richtung Europas Mitte bemerke ich die kritischen Blicke auf mein Kreuz, das mir an einer überlangen Kette am Hals hängt. Ich störe mich aber nicht weiter daran und switche nach der Landung nur meine Redeweise etwas um. So bestelle ich beispielsweise seltener einen „Negerkuss“ am Kiosk, weil dieser Ausdruck seit längerem verpönt ist. Kreuz und „Negerkuss“ – was haben die denn miteinander zu tun? Ganz einfach: Bei ersterem hört die Toleranz vieler Zeitgenossen anscheinend bald auf. Und bei letzterem wird der verkrampfte Versuch einer übergroßen Toleranz deutlich, die alle Menschen gleich behandeln will. Auch im Sprachgebrauch. In Schweden wird derzeit heftig diskutiert, ob Bücher der beliebten Kinderbuchautorin Astrid Lindgren verbrannt werden sollen, weil das Wort „Negerkönig“ bei Pippi Langstrumpf vorkommt. Das berichtet die schwedische Zeitung „Expressen“. Die liberalen Skandinavier wollen solch rassistische Tendenzen in Büchern aus öffentlichen Bibliotheken nicht länger akzeptieren. Also: verbannt und verbrannt. Eine derartig drastische Methode weckt unschöne Erinnerungen: Das Abfackeln von Kulturgut geschah nicht nur im Jahre 1933 während der Nazizeit, als Werke verfemter Autoren wie Erich Kästner oder Heinrich Mann in Flammen aufgingen. Das Auslöschen von geistlichem Gedankengut geschah auch, als napoleonische Truppen zu Beginn des 19. Jahr- hunderts die wertvollen Folianten aus Klosterbibliotheken auf den Scheiterhaufen warfen.

    Bereits im Flieger zurück Richtung Europas Mitte bemerke ich die kritischen Blicke auf mein Kreuz, das mir an einer überlangen Kette am Hals hängt. Ich störe mich aber nicht weiter daran und switche nach der Landung nur meine Redeweise etwas um. So bestelle ich beispielsweise seltener einen „Negerkuss“ am Kiosk, weil dieser Ausdruck seit längerem verpönt ist. Kreuz und „Negerkuss“ – was haben die denn miteinander zu tun? Ganz einfach: Bei ersterem hört die Toleranz vieler Zeitgenossen anscheinend bald auf. Und bei letzterem wird der verkrampfte Versuch einer übergroßen Toleranz deutlich, die alle Menschen gleich behandeln will. Auch im Sprachgebrauch. In Schweden wird derzeit heftig diskutiert, ob Bücher der beliebten Kinderbuchautorin Astrid Lindgren verbrannt werden sollen, weil das Wort „Negerkönig“ bei Pippi Langstrumpf vorkommt. Das berichtet die schwedische Zeitung „Expressen“. Die liberalen Skandinavier wollen solch rassistische Tendenzen in Büchern aus öffentlichen Bibliotheken nicht länger akzeptieren. Also: verbannt und verbrannt. Eine derartig drastische Methode weckt unschöne Erinnerungen: Das Abfackeln von Kulturgut geschah nicht nur im Jahre 1933 während der Nazizeit, als Werke verfemter Autoren wie Erich Kästner oder Heinrich Mann in Flammen aufgingen. Das Auslöschen von geistlichem Gedankengut geschah auch, als napoleonische Truppen zu Beginn des 19. Jahr- hunderts die wertvollen Folianten aus Klosterbibliotheken auf den Scheiterhaufen warfen.

    Jetzt also Schweden. Als ich am Pfingstsamstag 2016 in Stockholm ein- traf, umtobte mich eine verkleidete Meute von Menschen. Es war der Tag der Austragung des Eurovision Song Contests – ich hatte das bei meiner Reiseplanung übersehen und ergatterte zum Über- nachten nur noch eine Kajüte auf einem ausrangierten Kahn. Als Lichtblick erwies sich, dass die Domkirche St. Erik fußläufig 20 Minuten entfernt lag. Am Sonntagmorgen, Pfingsten, war die Stadt nach dem Schlagerfestival menschenleer – ich konnte in Ruhe die Straßen und Häuser in Augenschein nehmen, wo sich einst die Abenteuer von Karlsson vom Dach und vieler anderer Figuren aus den Büchern Astrid Lindgrens abgespielt hatten. Die Helden meiner Kindheit. Negerkönig hin oder her.

    Von Esther v. Krosigk