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    Esthers Reisen: Beichten auf Afrikanisch

    Auf die Frage, wo genau in Afrika ich lebe, sage ich einfach: „Rechts von Madagaskar.“ Mitten im Indischen Ozean, auf dem 20. südlichen Breitengrad, liegt die Inselgruppe der Maskarenen – Mauritius, Reunion und Rodrigues. Sie wirken neben dem gigantischen Madagaskar wie drei Krümel, die der liebe Gott in übermütiger Laune einst ins Meer geworfen hat. Die geringe Größe der Inseln wurde durch landschaftliche Schönheit ausgeglichen – Mark Twain soll bewundernd geäußert haben, dass zuerst Mauritius und dann erst das Paradies, quasi als Kopie, geschaffen wurde.

    Viel unterwegs: Esther v. Krosigk. Foto: Archiv

    Auf die Frage, wo genau in Afrika ich lebe, sage ich einfach: „Rechts von Madagaskar.“ Mitten im Indischen Ozean, auf dem 20. südlichen Breitengrad, liegt die Inselgruppe der Maskarenen – Mauritius, Reunion und Rodrigues. Sie wirken neben dem gigantischen Madagaskar wie drei Krümel, die der liebe Gott in übermütiger Laune einst ins Meer geworfen hat. Die geringe Größe der Inseln wurde durch landschaftliche Schönheit ausgeglichen – Mark Twain soll bewundernd geäußert haben, dass zuerst Mauritius und dann erst das Paradies, quasi als Kopie, geschaffen wurde.

    Nun ja, das war vor der Industrialisierung und dem großen Touristen- und Bauboom, durch den Mauritius nun zu einem afrikanischen Mallorca zu werden droht. Seit geraumer Zeit setzt die Regierung auch auf Finanzdienstleistungen. Das kleine Land ist nach Südafrika die stärkste Volkswirtschaft des gesamten Kontinents.

    Als wir hier vor zwölf Jahren erstmalig landeten, starteten wir unser Leben in einer post-kolonialen Ära, obgleich Mauritius schon seit 1968 unabhängig ist. Die weiße Oberschicht mit zumeist französischen Wurzeln hat ihren gepflegten Lebensstil nie aufgegeben: Mindestens ein Wohnsitz im Landesinnern und einer am Meer. Großflächig angelegt, mit einer Auffahrtsallee zu den von breiten Terrassen umrandeten Häusern. Ein Stab an Angestellten in properen Uniformen, die Maids in gestärkten Schürzenkleidern. Bei einer englischstämmigen Freundin von mir wurde täglich die britische Fahne im Garten gehisst. Der Chauffeur, ein Hindu, brachte sie in ihrer Kindheit am Sonntag zur Kirche. Und nahm zuweilen am Gottesdienst teil. Auch das ist typisch auf Mauritius: Alle Religionen sind in diesem ethnisch stark gemischten Land vertreten und tolerieren einander.

    Dafür sorgt vor allem der „Conseil des religions“ unter Vorsitz von Father Goupille. Dem Rat der Religionen gehören 18 Vertreter verschiedener Glaubensrichtungen an, die sich monatlich treffen, um eventuelle Streitigkeiten zu schlichten. Erfolgreich – denn Terrorakte gab es bislang nicht. Father Goupille, früher enger Mitarbeitet von Kardinal Margeot, ist hier mein Beichtvater. Und beichten auf afrikanisch geht so: Nach der Heiligen Messe zerren wir zwei Plastikstühle von einem Stapel und setzen uns vor die Kirche nahe an das türkisene Meer. Das Wasser reflektiert das Morgenlicht, der alte Priester hält meine Hand. Das Paradies – doch nur eine Kopie?