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    Eridanous-Produkte ohne Kreuz

    Die wunderschönen Bilder der Kykladeninsel Santorin mit dem tiefblauen Meer und den weißen Häusern, deren azurfarbene Türen oder Fensterrahmen dem Himmel und der Ägäis eine malerische Antwort zu geben scheinen, bei diesen ikonischen Abbildungen werden die meisten denken: Typisch griechisch! Darum war es werbetechnisch gesehen ein ebenso naheliegender wie hervorragender Gedanke, die griechische Lebensmittelproduktlinie „Eridanous“ des deutschen Discountgiganten LIDL mit der berühmtesten Ansicht Santorins, einem Ensemble von Kirchengebäuden mit strahlend blauen Kuppeln vor weißen Fassaden und dem tief darunterliegenden kobaltfarbenen Meer, zu kennzeichnen.

    Prozess-Auftakt gegen Lidl-Erpresser
    Auf dem Dach eines LIDL-Supermarkts muss kein Kreuz stehen. Bei Produktverpackungen muss man es nicht entfernen. Foto: dpa

    Die wunderschönen Bilder der Kykladeninsel Santorin mit dem tiefblauen Meer und den weißen Häusern, deren azurfarbene Türen oder Fensterrahmen dem Himmel und der Ägäis eine malerische Antwort zu geben scheinen, bei diesen ikonischen Abbildungen werden die meisten denken: Typisch griechisch! Darum war es werbetechnisch gesehen ein ebenso naheliegender wie hervorragender Gedanke, die griechische Lebensmittelproduktlinie „Eridanous“ des deutschen Discountgiganten LIDL mit der berühmtesten Ansicht Santorins, einem Ensemble von Kirchengebäuden mit strahlend blauen Kuppeln vor weißen Fassaden und dem tief darunterliegenden kobaltfarbenen Meer, zu kennzeichnen.

    In regelmäßigen Abständen gibt es die Eridanous-Produktlinie im Angebot und sie umfasst typisch griechische Lebensmittel wie Kalamata-Oliven, Moussaka, Tzaziki, gefüllte Weinblätter, eingelegten Feta-Käse, Halva (eine Süßspeise) und natürlich Olivenöl und ein Sortiment klassischer griechischer Spirituosen wie Ouzo, Metaxa oder Dessertweine. Das Angebot kommt bei vielen mitteleuropäischen LIDL-Kunden sehr gut an, die schönen, stimmungsvollen Bilder machen Lust darauf, einmal „kretischen Honig“ oder „Käse-Spinatschnecken“ zu probieren – und außerdem erinnern sie viele Käufer auch an den letzten Urlaub an der Ägäis oder auf dem griechischen Festland. Perfektes Marketing also.

    Bis verschiedenen Leuten auffiel, dass bei der Abbildung des genannten Kirchen-Ensemble etwas fehlte – nämlich das jeweilige Kreuz, das diese Kirchlein auf Santorin am Scheitelpunkt ihrer blauen Kuppen krönt. Was war geschehen? Nun, die Verantwortlichen bei LIDL bestätigten auf Anfrage, die Kuppelkreuze einfach wegretuschiert zu haben. Auf der Facebookseite des Konzerns klang die offizielle Begründung dafür so: „Für LIDL Deutschland ist beim Einkauf seiner Produkte eine politische oder religiöse Parteinahme in keiner Weise relevant. Wir überarbeiten unsere Produktverpackung regelmäßig hinsichtlich der Gestaltung. Wir bedauern, dass in diesem Fall zu einer Beanstandung von dir bezüglich dem Eridanous-Verpackungsdesign gekommen ist. Viele Grüße, dein LIDL-Facebookteam.“ [Satzbau und Grammatik unkorrigiert.]

    Ins Rollen kam der Fall aber scheinbar zuerst durch einen Bericht von RTL Belgien. Dort hatte ein Kunde sich beschwert und Bilder eingesendet, was RTL Belgien veranlasst, beim Discounter nachzufragen. Die Antwort lautete, dass man bei LIDL religiöse Symbole vermeiden wolle, um nicht Andersgläubige auszuschließen. Man sei ein Unternehmen, welches Diversität – also „Vielfalt“ „respektieren“ würde. Viele bislang zufriedene LIDL-Kunden fragten sich daraufhin, welcher Zusammenhang denn zwischen „Vielfalt“ und dem Verändern der Wirklichkeit mittels Photoshop, also dem Entfernen tatsächlich vorhandener Kreuze bestehen könne. Andere Facebook-Nutzer wiederum schlugen vor, doch dann konsequenterweise erst gar nicht mit Kirchengebäuden Werbung zu betreiben respektive Geld verdienen zu wollen. Ein Unternehmenssprecher sah sich schließlich zu einer zweiten Stellungnahme veranlasst, weil der Vorfall mittlerweile viral geworden war – also in den sozialen Medien von immer mehr Nutzern weiterverbreitet wurde.

    Deutsche mit griechischen Wurzeln sind auch empört

    Im deutschsprachigen Bereich waren es vor allem Deutsche mit griechischen Wurzeln, die sich empört äußerten. Die meisten Griechen und griechischstämmigen Deutschen besitzen ein starkes Traditionsbewusstsein und sind stolz auf ihre kulturellen Eigenheiten, zu denen selbstverständlich auch der christliche, also griechisch-orthodoxe Glaube gehört. Seit einigen Tagen steht deshalb vor allem die deutsche Facebook-Seite des Discountriesen im Fokus kritischer Kunden und katholischer wie orthodoxer Christen. Daran konnte auch die am letzten Donnerstag erfolgte Entschuldigung eines Pressesprechers des Konzerns nichts ändern, die RTL info veröffentlichte. In Bezug auf die Produktverpackung wolle man weitgehend religiöse Neutralität waren, dies sei so nicht wahrgenommen worden und deshalb wolle man sich bei jenen entschuldigen, die sich nun verletzt fühlten.

    Die Kritik der Facebook-Nutzer und Kunden geht indes weiter. Der bekannte katholische Autor Michael Hesemann kommentierte beispielsweise direkt bei LIDL Deutschland auf Facebook in Bezug auf den Vorfall: „LIDL führt damit einen Dschihad gegen unsere christliche Identität, gegen das Zeichen unseres Heils.“ Von „Täuschung und Fälschung“ spricht der katholische Journalist Peter Winnemöller. Kunden drohen den Boykott der Geschäfte an. Inwieweit sich die Lage für LIDL beruhigen wird, ob weitere Erklärungen folgen werden oder gar eine wirklichkeitsgetreue Wiedergabe der Kirchengebäude von Santorin auf den „Eridanous“-Produkten angedacht wird, steht zur Zeit noch abzuwarten.