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    Ein Paukenschlag Gottes

    Der kubanische Kardinal Jaime Ortega hat in dieser Woche ein Manuskript des vormaligen Kardinals Jorge Mario Bergoglio veröffentlicht. Darin fasst Bergoglio eigenhändig seine Rede zusammen, die er während der Generalkongregationen der Kardinäle gehalten hat. Diese Ansprache hat zahlreiche Kardinäle tief beeindruckt und offenbar erheblich zu ihrer Entscheidung bei der Papstwahl beigetragen. Wir veröffentlichen diesen programmatischen Text in einer eigenen Übersetzung. Die Übersetzung besorgte Jose Garcia.

    Als Kardinal ging Jorge Mario Bergoglio in die Generalkongregationen als Papst Franziskus verließ er am 13. März das Kon... Foto: dpa

    Der kubanische Kardinal Jaime Ortega hat in dieser Woche ein Manuskript des vormaligen Kardinals Jorge Mario Bergoglio veröffentlicht. Darin fasst Bergoglio eigenhändig seine Rede zusammen, die er während der Generalkongregationen der Kardinäle gehalten hat. Diese Ansprache hat zahlreiche Kardinäle tief beeindruckt und offenbar erheblich zu ihrer Entscheidung bei der Papstwahl beigetragen. Wir veröffentlichen diesen programmatischen Text in einer eigenen Übersetzung. Die Übersetzung besorgte Jose Garcia.

    Es wurde auf die Verkündigung des Evangeliums Bezug genommen. Dies ist der Daseinszweck der Kirche.

    – „Die innige und tröstliche Freude der Verkündigung des Evangeliums“ (Paul VI.)

    – Christus selbst spornt uns aus dem Innern heraus an.

    1. Evangelisierung bedeutet apostolischer Eifer.

    Evangelisierung bedeutet, mit Parrhesia [offen, glaubwürdig und ohne Angst] zu sprechen, um aus sich herauszugehen.

    Die Kirche ist aufgerufen, aus sich herauszugehen und sich bis an die Grenzen vorzuwagen. Grenzen nicht nur in geografischem Sinne, sondern auch an die Grenzen der menschlichen Existenz: an die Grenzen des Geheimnisses der Sünde, des Schmerzes, der Ungerechtigkeit, der Unwissenheit und der religiösen Gleichgültigkeit, des Denkens, des ganzen Elends.

    2. Wenn die Kirche nicht aus sich herausgeht, um das Evangelium zu verkünden, wird sie selbstbezüglich und dann wird sie krank (vgl. die gekrümmte Frau aus dem Evangelium). Die Wurzeln der Übel, die zu allen Zeiten kirchliche Einrichtungen heimgesucht haben, liegen in der Selbstbezüglichkeit, in einer Art theologischem Narzissmus. In der Offenbarung des Johannes sagt Jesus, er stehe vor der Tür und klopfe an. Offensichtlich meint der Text, dass er von außerhalb an die Tür klopft, um hineinzugehen... Aber ich denke daran, dass Jesus häufig von innen her anklopft, damit wir ihn herauslassen. Die selbstbezügliche Kirche sucht, Jesus in ihrem Innern festzuhalten. Sie lässt ihn nicht herauskommen.

    3. Ohne es zu merken, glaubt eine selbstbezügliche Kirche daran, dass sie ein eigenes Licht hat. Sie ist nicht mehr das mysterium lunae und lässt das schwerwiegende Übel der geistlichen Verweltlichung zu (laut De Lubac das schlimmste Übel, das der Kirche zustoßen kann), dieses Leben, um sich gegenseitig die Ehre zu erweisen. Um es zu vereinfachen: Es gibt nur zwei Kirchenbilder, die Kirche, die das Evangelium verkündet und aus sich herausgeht, die Dei Verbum religiose audiens et fidenter proclamans [die Gottes Wort in religiöser Ergebenheit hört und treu verkündet] oder die verweltlichte Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt. In diesem Licht sollten mögliche Veränderungen und Reformen gesehen werden, die für die Rettung der Seelen notwendig sind.

    4. Beim Denken an den nächsten Papst: Ein Mann, der aus der Betrachtung Jesu Christi und der Anbetung Jesu Christi heraus der Kirche hilft, aus sich herauszugehen und bis an die Grenzen der menschlichen Existenz vorzudringen. Der ihr hilft, die fruchtbare Mutter zu sein, die von der „innigen und tröstlichen Freude der Verkündigung des Evangeliums“ lebt.