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    „Diese Frau ist Humor pur“

    Aachen (Nis/dpa) Als „Powerfrau“ in emanzipatorischer Mission hat Gloria Fürstin von Thurn und Taxis am Samstag den Orden wider den tierischen Ernst in Aachen entgegengenommen. Die Fürstin im naiv-schönen Märchenprinzessinnen-Kostüm entpuppte sich in ihrer Antrittsrede als temperamentvolle und bodenständige Kämpferin für die Gleichberechtigung. Nach einer bis dahin das Saalpublikum wenig mitreißenden Sitzung riss die erfolgreiche Unternehmerin die festliche Gesellschaft zu Begeisterungsstürmen hin.

    Aachen (Nis/dpa) Als „Powerfrau“ in emanzipatorischer Mission hat Gloria Fürstin von Thurn und Taxis am Samstag den Orden wider den tierischen Ernst in Aachen entgegengenommen. Die Fürstin im naiv-schönen Märchenprinzessinnen-Kostüm entpuppte sich in ihrer Antrittsrede als temperamentvolle und bodenständige Kämpferin für die Gleichberechtigung. Nach einer bis dahin das Saalpublikum wenig mitreißenden Sitzung riss die erfolgreiche Unternehmerin die festliche Gesellschaft zu Begeisterungsstürmen hin.

    „Diese Frau ist Humor pur“, sagte der Präsident des Aachener Karnevalsvereins (AKV), Horst Wollgarten. Er würdigte die 47-Jährige als moderne Powerfrau mit dem Lebensmotto: „Mit Humor lebt es sich besser.“ Sie sei couragiert, authentisch und habe den Wandel vom „Enfant terrible“ zur engagierten Mutter vollzogen.

    Trotz ihrer Seriosität riss Fürstin Gloria sich während ihrer Antrittsrede den wallenden Rock ihres Prinzessinnen-Kleides vom Leib, um plötzlich im fescheren Röckchen auf der Bühne zu stehen. Dabei hielt sie ein humorvolles und flammendes Plädoyer für die Gleichberechtigung von Mann und Frau, bei dem sie den anwesenden 1 350 Gästen im Saal und den Zuschauern vor den Bildschirmen mehr als einmal den Spiegel vorhielt.

    Die als „papsttreue Katholikin“ bekannte Fürstin versäumte es dabei auch nicht, den immer wiederkehrenden Forderungen nach dem Weihepriestertum der Frau eine klare Absage zu erteilen: „Auch in der Kirche, das weiß ich genau, stehen die Frauen schon lang ihre Frau. Der Satz ist gefährlich, ja fast diabolisch, mit Kirche meine ich hier: katholisch, Ministrantin, predigen, Referentinnen Hilfe, nein jetzt auch noch Priesterin, muss das denn sein?“ Ihre humoristisch-gönnerhafte Erläuterung in Mundart folgte auf den Fuß. „Lass doch den Männern die letzte Bastion, alles Übrige haben wir doch schon! Man muss doch auch jönne könne den Männern im Land. Dann ist Kirche erst interessant.“ Als Paradebeispiel berief die Fürstin sich auf ihren „erzkatholischen“ geistlichen Beistand Prälat Wilhelm Imkamp, „original aus Aachen in der Tat. Nach Maria Versperbild zog es ihn fort, seitdem boomt dort der Wallfahrtsort.“

    Auch dürfte so mancher diözesane Finanzchef aufmerksam nach Aachen geblickt haben, als die Unternehmerin einen originellen Vorschlag zur Lösung ihrer Haushaltsprobleme unterbreitete: „Und um die Finanzen der Diözese zu sanieren müssen sie nur den Ablass wieder einführen. Ich muss nicht Papst sein ob Benedikt oder Leo es heißt ja schon: Gloria in Excelsis Deo.“

    Der Air-Berlin-Chef und letztjährige Ritter Joachim Hunold, der als Postillon verkleidet war, beschrieb in seiner im Vergleich zur Rede der Fürstin wenig spritzigen Laudatio ihre Wandlung von „Pippi Langstrumpf unter den Blaublütern“ zur anerkannten Managerin, mit einer in der Öffentlichkeit wenig bekannten sozialen Ader.

    Der „Orden wider den tierischen Ernst“ wird seit 1950 für Humor und Menschlichkeit im Amt verliehen. Von den drei bisherigen Ordensträgerinnen – Literaturprofessorin Gertrud Höhler (1988), die frühere Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (1994) und Schleswig-Holsteins ehemalige Ministerpräsidentin Heide Simonis (1998) – zeigte einzig Simonis Frauensolidarität. Die anderen beiden waren der Verleihung in Aachen ferngeblieben.