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    Die Jagd nach dem „weißen Gold“

    Savannen-Idylle wie aus dem Bilderbuch: Eine Elefantenfamilie drängt sich um ein Wasserloch, es wird geprustet und nassgespritzt. Im Serengeti Nationalpark, Tansanias ältestem und bekanntesten Park, noch ein ganz alltäglicher Anblick. Wie lange noch? Die Zahl der Elefanten in Afrika geht vor allem wegen der Wilderei, der Jagd auf Elfenbein, stark zurück. Heute leben dem dem jüngsten Elefanten-Zensus zufolge nur noch rund 352 000 Elefanten in 18 afrikanischen Staaten.

    Zur Abschreckung haben Kenias Behörden im April diesen Jahres 105 Tonnen Elefantenhörner verbrannt. Foto: dpa

    Savannen-Idylle wie aus dem Bilderbuch: Eine Elefantenfamilie drängt sich um ein Wasserloch, es wird geprustet und nassgespritzt. Im Serengeti Nationalpark, Tansanias ältestem und bekanntesten Park, noch ein ganz alltäglicher Anblick. Wie lange noch? Die Zahl der Elefanten in Afrika geht vor allem wegen der Wilderei, der Jagd auf Elfenbein, stark zurück. Heute leben dem dem jüngsten Elefanten-Zensus zufolge nur noch rund 352 000 Elefanten in 18 afrikanischen Staaten.

    Wissenschaftler hatten mit viel Aufwand Elefanten in Afrika gezählt. Dafür waren sie in verschiedenen Teams rund 463 000 Kilometer über den Kontinent geflogen – möglichst tief. Alle Elefanten, die sie gesehen hatten, wurden dann nach einem bestimmten Verfahren zusammengerechnet, um möglichst Mehrfachzählungen zu vermeiden. Der Bestand der Elefanten hat demnach in den vergangenen sieben Jahren um ein Drittel abgenommen. Aktuell sinkt die Zahl der Elefanten jedes Jahr um acht Prozent. In ein paar Jahren könnte Afrika tatsächlich ohne Elefanten sein.

    Im Serengeti Ökosystem leben der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt zufolge achttausend Elefanten sowie 90 Spitzmaulnashörner. Sie sind ebenso gefährdet wie die Afrikanischen Elefanten und die kleineren Waldelefanten. Nach Angaben der Tier- und Naturschutzorganisatin Pro Wildlife wurden seit 2008 in Afrika sechstausend Nashörner gewildert – meist Breitmaulnashörner, von denen es noch etwa 20 000 Exemplare gibt. Zudem sei die Wilderei in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen und erreichte 2015 ein Rekordniveau mit über 1 300 getöteten Nashörnern.

    Hörner und Elfenbein, das „weiße Gold“, werden illegal vor allem nach Asien exportiert. Dabei ist die explosionshafte Zunahme der Wilderei eine Folge der ständig zunehmenden Nachfrage. Die Nashornprodukte gelten etwa in Vietnam als Wundermittel. Das zermahlene Horn soll fiebersenkend, entgiftend und krampflösend sein. Es soll bei Masern, Schlaganfall und Epilepsie helfen. In der jüngeren Vergangenheit tauchte zudem das Gerücht auf, Nashornpulver heile sogar Krebserkrankungen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dies Humbug. Das Horn besteht aus Keratin, der gleichen Substanz wie Fingernägel oder Haare des Menschen. „Der tatsächliche Effekt ist derselbe, wie wenn man an den Fingernägeln kaut“, erläuterte Manfred Niekisch, seit März 2008 Direktor des Frankfurter Zoos, gegenüber tagesschau.de.

    Die Stoßzähne eines Elefanten bringen mehrere zehntausend Euro. Ein Kilogramm Nashorn dürfte zwischen 20 000 und 50 000 Dollar wert sein. Bei dem blutigen Geschäft mit Nashorn und Elfenbein sind inzwischen internationale Verbrechersyndikate beteiligt. Mit dem Geld finanzieren diese Organisationen sogar lokale Konflikte, vor allem in Zentralafrika.

    Auch Deutschland fungiert als Drehscheibe für den illegalen Handel mit Roh-Elfenbein. Der mit 1,2 Tonnen bislang größte deutsche Elfenbeinfund wurde kürzlich in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu sehen waren zahlreiche Stoßzähne, aber auch Deko-Objekte aus Elfenbein wie Figuren, Schmuckdosen und Salatbesteck. Kistenweise hatte der Zoll zudem Abfälle der Elfenbeinbearbeitung gesichert. Den Fund der illegalen Ware mit einem Marktwert von mehr als einer Million Euro hatte die Cottbusser Staatsanwaltschaft bekannt gegeben.

    Hoffnung, Elfenbeinhandel in Deutschland zu verbieten

    Das Elfenbein wurde an zwei Orten entdeckt: Zunächst flog im Mai beim Hauptzollamt Potsdam eine Menge von 625 Kilogramm Elfenbein auf, die – deklariert als Kaminuhren aus Marmor – über den Flughafen Berlin-Schönefeld nach Vietnam geschmuggelt werden sollte. Bei weiteren Ermittlungen stießen Zollbeamte Ende August auf ein Gebäude in Rheinland-Pfalz, wo Roh-Elfenbein verarbeitet wurde. Dort sicherten sie 570 Kilogramm, darunter 40 Stoßzähne.

    Die Grünen im Bundestag fordern deswegen, den gesamten Elfenbeinhandel in Deutschland zu verbieten. Steffi Lemke, Parlamentarische Geschäftsführerin und Sprecherin für Naturschutz, forderte die Bundesregierung auf, die deutschen Elfenbeinbestände öffentlichkeitswirksam zu zerstören, um ein Zeichen gegen den illegalen Wildtierhandel zu setzen und das öffentliche Bewusstsein zu schärfen. „Wenn Elfenbein öffentlichkeitswirksam zerstört wird, trägt dies dazu bei, die Nachfrage zu drosseln, Absatzmärkte zu schließen und so die Wilderei einzudämmen.“ Zufrieden äußerte sich Lemke mit den Ergebnissen der Artenschutzkonferenz, die im Oktober 2016 in Johannesburg stattgefunden hatte. Das seit 1989 wirksame internationale Handelsverbot mit Elfenbein bleibt bestehen. Damit bleibt der Handel mit Elfenbein und mit Nashorn international und national verboten. Bei der 17. Welt-Artenschutzkonferenz in Südafrika hatten Namibia und Simbabwe Anträge zur Lockerung des Verbots eingereicht. Sie wurden von einer überwältigenden Mehrheit der 183 Mitgliedstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites) abgelehnt. Gleichzeitig scheiterten jedoch Anträge für einen strengeren Schutz von Elefanten in Südafrika, Botswana, Namibia und Simbabwe.

    Investitionen in den Schutz der Tiere sind nicht nur eine ethische Frage. Die Tourismusbranche hat längst erkannt, dass Wildtiere viel Geld einbringen können – und dass die Tiere lebendig mehr wert sind als tot. Der Schutz von Tier und Natur kann gerade in ökonomisch schwachen Ländern wie etwa Kenia oder Botswana die wirtschaftliche Entwicklung fördern und das Leben der Bevölkerung in den Nationalparks verbessern.