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    Der Fußball und seine falschen Freunde

    Die These vom Fußball als Religionsersatz ist alles andere als neu. Wer sich ihrer bedient kann mit wohlfeiler Zustimmung rechnen. Dennoch sind Zweifel an ihrer Stichhaltigkeit angebracht. Zumindest wenn die Ersatzreligionsthese aufs Christliche zielt. Denn im Christlichen steht die Feindesliebe im Zentrum. „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen“, sagt Jesus in der Bergpredigt und fährt fort: „Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“

    Klassenkampf statt Sportsgeist: Hass-Plakate der Fans von Borussia Dortmund. Foto: dpa

    Die These vom Fußball als Religionsersatz ist alles andere als neu. Wer sich ihrer bedient kann mit wohlfeiler Zustimmung rechnen. Dennoch sind Zweifel an ihrer Stichhaltigkeit angebracht. Zumindest wenn die Ersatzreligionsthese aufs Christliche zielt. Denn im Christlichen steht die Feindesliebe im Zentrum. „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen“, sagt Jesus in der Bergpredigt und fährt fort: „Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“

    Wer also als praktizierender Fußballfan Spieltag für Spieltag mit seinen Kumpels die Stadionkurven mit Schlachtgesängen die eigene Mannschaft anfeuert und gleichzeitig die Gegenmannschaft aus tiefster Seele hasst, der kann kein guter Christ sein. Neuerdings wird der Hass gegen die Träger der anderen Farben auch mit wiederbelebten Klassenkampfparolen aufgefrischt. Sie richten sich deshalb gegen den 2016 in die 1. Fußballbundesliga aufgestiegenen RB Leipzig, weil dieser Verein ein Glied in der Marketingkette des Red Bull Konzerns ist, der seine Gewinne hauptsächlich aus einem Energydrink generiert.

    Während in Leipzig der RB allerhöchste Wertschätzung genießt und bei den Heimspielen ganze Familienverbände das stets ausverkaufte Stadion bevölkern, schlägt der Mannschaft auswärts blanker Hass entgegen. Der aktuelle Tiefpunkt war am vergangenen Samstag erreicht, als der RB bei Borussia Dortmund antreten musste. Tiefpunkt deshalb, weil nicht nur die Spruchbänder im Stadion Hass und Verachtung massiv zum Ausdruck brachten, sondern weil vor dem Stadion die RB-Anhänger bespuckt und mit Steinen beworfen wurden und die Dortmunder Angreifer selbst Frauen und Kinder nicht schonten.

    Das erfolgreiche Modell von RB Leipzig wird abgelehnt

    Naturgemäß werden die Vorfälle jetzt allseits „verurteilt“. Auch die einschlägigen Medien haben ihren Anteil daran. Aber nicht alle: „Doch die Plakataktion beim Spiel gegen Leipzig war weit von dem entfernt, was die Dortmunder Fanszene eigentlich zu leisten in der Lage ist. Sie war stumpf, pubertär und in Teilen gar gewaltverherrlichend. Und damit ein Schuss ins Knie für jene Protestbewegung, die sich seit Anfang der Saison nahezu durch die ganze Liga zieht und gegen den Verein RB Leipzig richtet. Weil diese Protestform eben nicht die Struktur und Idee von RB angriff, sondern reale Menschen.“ Dies konnte man online im Fußballfachblatt „11freunde“ lesen. Und weiter hieß es dort: „Dass zudem einige Hohlköpfe rund um das Spiel eine Hetzjagd auf Leipzig-Anhänger veranstalteten, sie mit Steinen und Flaschen bewarfen – egal ob es Halbstarke, Frauen oder Kinder waren – ist ein weiterer Tiefpunkt dieses, aus Fanperspektive, unsäglichen Abends.“ Waren mithin die gewaltsamen Übergriffe auf die Leipziger Anhänger und die widerlichen Sprüche nur die falschen Mittel eines an sich richtigen „Klassenkampfes“ gegen den RB Leipzig? Wer als Journalist so denkt hat vom wahren Geist des Fußballsports nichts verstanden. Er gleicht eher jenen lächerlichen Salonkommunisten, die zu anderen Zeiten revolutionäre Gewalt solange beklatschten, bis sie selbst zu den Opfern der Revolution wurden.