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    Den deutschen Glauben erkundet

    Paderborn (DT/KNA) Blauer Himmel, strahlende Sonne, eisiger Wind – doch am Kleinbus von Johannes Schäfers ist eine Menge los. Auf dem großen Parkplatz zwischen Baumarkt und Einkaufszentrum halten viele an, stellen neugierig den Einkaufswagen zur Seite und versammeln sich um den 29-Jährigen mit dem blonden Wuschelkopf und der markanten Brille. Er ist auch nicht zu übersehen mit seinen knallgelben „GlaubensMobil“. Insgesamt 14 Monate tourt er damit quer durch Deutschland. Sein Ziel: der Katholikentag im Mai in Mannheim. Bis dahin will der Religionspädagoge mit möglichst vielen und verschiedenen Menschen über Glauben und Christsein reden.

    „Deutschland ist Missionsland“: Johannes Schäfers war 14 Monate von Nordsee bis Alpen mit dem Glaubensmobil des Bonifati... Foto: KNA

    Paderborn (DT/KNA) Blauer Himmel, strahlende Sonne, eisiger Wind – doch am Kleinbus von Johannes Schäfers ist eine Menge los. Auf dem großen Parkplatz zwischen Baumarkt und Einkaufszentrum halten viele an, stellen neugierig den Einkaufswagen zur Seite und versammeln sich um den 29-Jährigen mit dem blonden Wuschelkopf und der markanten Brille. Er ist auch nicht zu übersehen mit seinen knallgelben „GlaubensMobil“. Insgesamt 14 Monate tourt er damit quer durch Deutschland. Sein Ziel: der Katholikentag im Mai in Mannheim. Bis dahin will der Religionspädagoge mit möglichst vielen und verschiedenen Menschen über Glauben und Christsein reden.

    Mit viel Neugier hatte er sich beworben, als das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken einen Fahrer und Projektreferenten für die ungewöhnliche Aktion suchte. Seine etwas andere Pilgerfahrt soll „missionarische Initiativen ankurbeln und den Glauben neu ins Gespräch bringen“. Und das fand Schäfers so spannend, dass er dafür sogar seinen Job als Gemeindereferent an den Nagel gehängt hat – zumindest vorläufig. Seit März 2011 hat der rollende Glaubensbote mit seinem knallgelben Kleinbus schon fast 50 000 Kilometer zurückgelegt – von Rügen bis Freiburg, von Görlitz bis Trier: „Ich habe mit rund 15 000 Menschen geredet, ungefähr 100 Schulklassen besucht, etwa 25 Mal auf dem Wochenmarkt gestanden, 80 Vorträge gehalten, 60 Gottesdienste mitgestaltet und bei 40 Familien am Küchentisch über Gott und die Welt geredet, vor allem natürlich über Gott.“

    Der Blondschopf mit dem Schalk im Nacken ist längst so etwas wie das fleischgewordene Motto der Aktion: „Zeig draußen, was Du drinnen glaubst!“ Und hat noch nie Angst gehabt vor den Reaktionen, wenn er das „Tabuthema persönlicher Glaube“ offen anspricht, auch auf Marktplätzen und in Fußgängerzonen: „Manche sind skeptisch, andere gehen schnell weiter, aber viele sind sogar positiv überrascht und zum Gespräch bereit“, schildert Schäfers die Bandbreite seiner Erfahrungen. Natürlich hatte er bestimmte Erwartungen, doch die warf er schnell über Bord: „Mit einer so bunten und vielfältigen Glaubenslandschaft habe ich nicht gerechnet“, räumt der moderne Missionar ein. So hat er ganz unterschiedlich geprägte Regionen erlebt – vor allem im Süden und auf dem Land, in denen die Kirche noch stark Kultur und Gesellschaft prägt. In den Diaspora-Gebieten im Norden und Osten, in denen Katholiken nur eine kleine Minderheit sind, hat er dafür häufiger einen stärkeren Zusammenhalt beobachtet innerhalb der Gemeinden und Gruppen.

    Nicht unbedingt erwartet hat er auch die Generationen-Unterschiede: „Am schwierigsten sind die 30- bis 50-Jährigen: Die glauben oft, sie managen alles ganz alleine. Und Gott brauchen viele nur, wenn Krankheit, Tod, Arbeitslosigkeit oder andere unvorhergesehene Schicksalsschläge sie aus der Bahn werfen.“ Die Älteren dagegen haben Kirche und Glauben oft noch als „ganz normalen Teil der Gesellschaft“ erlebt. Und die Jüngeren? „Sie sind neugierig und offen für Glaubensthemen. Aber mit der Institution Kirche hat das oft nur ganz am Rande zu tun“, fasst Schäfers viele Gespräche zusammen. Sein Kurzfazit auf der Zielgeraden: „Ganz Deutschland ist längst ein Missionsland.“

    Aber ein Land, in dem die Menschen offen und ansprechbar sind für religiöse Fragen. „Viele haben eine Sehnsucht nach Glauben. Oft fehlt ihnen aber eine Deutungshilfe und jemand, der ihnen sagt, dass ihr Leben etwas mit Gott zu tun hat.“ Und hier ist die Kirche herausgefordert, glaubt Schäfers: „Entscheidend ist das lebendige Zeugnis, also Christen, die andere mitreißen und überzeugen können mit ihren eigenen Glaubenserfahrungen.“

    Er selbst hat sein Bestes getan in den vergangenen Monaten. Das „GlaubensMobil“ wird jetzt nicht verschrottet, sondern an eine Pfarrgemeinde weitergegeben. Und Schäfers freut sich erst mal auf ein bisschen Urlaub – ganz ohne Auto. Dann aber will er seine unzähligen Gespräche, Begegnungen, Eindrücke und Beobachtungen nochmals genauer unter die Lupe nehmen und zu einem Buch verarbeiten.