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    Beten vor dem Wettkampf

    Rio (DT/CNA) Mit ihrem strahlenden Lächeln und der überschäumenden Energie, die sie an den Tag legte, war Simone Biles der Publikumsliebling aus dem US-amerikanischen Turnerteam. Der Weg zu Gold führte nur über sie. Insgesamt viermal konnte sie das begehrteste Edelmetall in Rio gewinnen. „Biles zeigte eine Freude und Hingabe, die man in den vergangenen Jahren im weiblichen Turnsport vermisste“, schrieb Liz Clarke in der „Washington Post“. Sie lege wahre Freude an den Tag, und zeigt eine Leistung, als wäre der zehn Zentimeter breite Schwebebalken der Bürgersteig vor ihrem Haus.

    Rio 2016 - Schwimmen
    Viermal konnte Katie Ledecky in Rio über Gold jubeln. Vor dem Wettkampf ein „Ave Maria“ zu beten, übe eine beruhigende W... Foto: dpa

    Rio (DT/CNA) Mit ihrem strahlenden Lächeln und der überschäumenden Energie, die sie an den Tag legte, war Simone Biles der Publikumsliebling aus dem US-amerikanischen Turnerteam. Der Weg zu Gold führte nur über sie. Insgesamt viermal konnte sie das begehrteste Edelmetall in Rio gewinnen. „Biles zeigte eine Freude und Hingabe, die man in den vergangenen Jahren im weiblichen Turnsport vermisste“, schrieb Liz Clarke in der „Washington Post“. Sie lege wahre Freude an den Tag, und zeigt eine Leistung, als wäre der zehn Zentimeter breite Schwebebalken der Bürgersteig vor ihrem Haus.

    Die 19-jährige Teenagerin aus Texas ist vierfache US-Meisterin und die erste weibliche Turnerin in der Geschichte, die dreimal hintereinander den Weltmeistertitel im Mehrkampf gewann. In Rio bekam die Welt auch „The Biles“ zu sehen: Ein nach ihr benanntes Element im Turnen, das aus mehreren Sprüngen besteht. Doch hinter ihrer atemberaubenden Leistung steht ein starkes Familien- und Glaubensleben, das Biles im wahrsten Sinne des Wortes immer bei sich trägt.

    Jüngst enthüllte die Athletin in einem Interview mit der Zeitschrift „US-Magazine“ den Inhalt ihrer olympischen Sporttasche und erklärte die Bedeutung eines jeden Objektes, das sich darin befindet. Neben Wasserflaschen, Haarklammern, Kopfhörern der Marke Beats und einem Regenschirm mit Leopardenmuster befindet sich darin ein Rosenkranz.

    „Meine Mutter Nellie schenkte mir in der Kirche einen Rosenkranz“, erklärte sie dem Magazin. „Ich bete damit nicht vor einem Wettkampf. Da bete ich ganz normal, zu mir selber, aber er ist da, wenn ich ihn brauche.“

    Im Alter von fünf Jahren wurde Biles von ihren Großeltern, Ron und Nellie Biles, adoptiert. Ihre drogenabhängige Mutter hatte es nicht geschafft, sich um Simone und ihre Geschwister zu kümmern. Seit der Adoption nennt Simone ihre Großeltern „Mum und Dad“. Zusammen mit ihren Eltern besucht sie sonntags die heilige Messe und zündet regelmäßig vor sportlichen Großereignissen im Gedenken an den heiligen Sebastian, den Schutzpatron der Athleten, eine Kerze an.

    Doch Simone Biles ist nicht die einzige Top-Athletin der diesjährigen Sommerspiele, die fest im christlichen Glauben verwurzelt ist. Ein weiteres prominentes Beispiel ist die 19-jährige Schwimmerin Katie Ledecky. Zwei olympische Goldmedaillen und neun Weltmeistertitel hatte sie vor den Spielen in Rio bereits gewonnen, bei den Spielen in London vor vier Jahren gewann sie mit nur 15 Jahren Gold über die 800 Meter Freistil. In Brasilien fügte sie jetzt noch vier weitere Goldmedaillen und eine Silbermedaille ihrer Sammlung hinzu.

    Die junge Frau aus Bethesda im Bundesstaat Maryland hat keine besonderen physiologischen Vorteile. Sie ist 1,80 Meter groß – unter Profi-Schwimmern eher klein – und ihre Hände und Füße sind normal groß. Das lakonische Urteil des US Olympic Training Center nach einer eingehenden Untersuchung? Ledecky sei „bemerkenswert unbemerkenswert“. Bemerkenswert an Katie Ledecky ist ihr innerer Antrieb. Eine junge Frau, die freundlich und geradezu sanft auftritt außerhalb des Pools – bei Wettkämpfen im Wasser aber mit einer „Aggression und einer Art Wut“ antritt. Ihr Schwimmstil ähnelt dem „galoppierenden“ Rhythmus, den männliche Schwimmer wie Michael Phelps verwenden. Und ihre Trainer bescheinigen ihr, „hart wie Stahl und zäh wie Leder“ um ihr Ziel zu kämpfen, die Beste zu sein.

    „Sie ist die mit Abstand beste Athletin der Welt heute“, so der auf Leistungsphysiologie spezialisierte Forscher und Anästhesist Michael J. Joyner in einem Artikel der „Washington Post“. „Sie dominiert mit weitem Vorsprung im internationalen Sport, um ein oder zwei Prozent. Wenn ein Läufer ein 10 000 Meter Rennen mit einem vergleichbaren Abstand gewinnen würde, hätten sie 100 Meter Vorsprung vor dem zweiten. In der Tour de France wären ein oder zwei Prozent, gerechnet auf etwa 80 Stunden Radrennen, ein Vorsprung von 30 oder 40 Minuten. Es ist absolut bemerkenswert.“ Genauso wie Simone Biles hat auch Katie Ledecky Weltrekorde gebrochen. Sie hält die Weltrekorde über die 400, 800 und 1500 Meter Freistil. Eine weitere Parallele zu Biles ist ihr katholischer Glaube, ein prägendes Element ihres Charakters.

    Ledecky besuchte ihr ganzes Leben lang katholische Schulen. „Mein katholischer Glaube ist sehr wichtig für mich. So war es schon immer, so wird es auch immer sein. Der Glaube ist ein Teil von dem, was ich bin. Ich fühle mich wohl dabei, meinen Glauben zu praktizieren. Das eröffnet mir die richtige Sicht auf die Dinge“, erklärte Ledecky vor kurzem in einem Interview mit der Zeitschrift „Catholic Standard“.

    Sie bestätigte auch, vor jedem Wettkampf ein „Ave Maria“ zu beten. „Vor jedem Rennen spreche ich ein oder zwei Gebete. Das ,Ave Maria? ist ein wunderbares Gebet und übt eine beruhigende Wirkung auf mich aus“, so Ledecky gegenüber dem „Catholic Standard“.

    Und noch ein Star des Schwimmbeckens bezieht seine Kraft durch den Glauben: Ryan Murphy, der dreimalige Goldmedaillengewinner will immer nach Gottes Willen leben. Der 21-Jährige, der ebenfalls eine katholische Erziehung genoss, erzählte der amerikanischen Zeitschrift „National Catholic Register“, dass die katholische Lehre schon immer einen bedeutenden Platz im Leben von ihm und seiner Familie eingenommen habe.

    Ruhig, etwas schüchtern, aber doch fokussiert und vom Glauben erfüllt – so ließe sich der in Florida aufgewachsene Murphy beschreiben. Von sich selbst sagt Murphy: „Ich glaube fest an Gott. Mein Glaube ist mir wichtig.“ Neben dem Besuch der heiligen Messe bete er stets vor dem Zubettgehen. „Ich glaube auch, dass es wichtig ist, zusätzlich zu meinem Gebetsleben meinen Glauben auch aktiv zu leben – zum Beispiel indem ich ein guter Sohn, Bruder, Teamkollege und Freund bin.“

    Ryan Murphy sieht eine enge Verbindung zwischen seinem Glauben und seiner Karriere als Sportler – beides ist für ihn nicht selbstverständlich: „Ich glaube, Gott hat mich mit einem großartigen Talent gesegnet, dafür werde ich ihm auf ewig dankbar sein. Egal wie ein Rennen ausgeht, mein Glaube verleiht mir Zuversicht. Letztendlich weiß ich, dass Gott einen größeren Plan für mich hat.“

    Mit freundlicher Genehmigung von CNA