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    Auf einen Pilgerkaffee ins „Kwartier Latäng“

    Köln (DT) Nein, mit diesem ganzen Kirchenbrimborium wolle er nichts zu tun haben, sagt der etwa 50 Jahre alte Mann und bringt seine leere Tasse und den Teller zurück an die Theke. „Aber der Kaffee und der Kuchen waren richtig gut, und dass ihr dieses Angebot hier mitten in der Stadt macht, finde ich klasse und auch ein bisschen mutig“, erklärt er beim Hinausgehen. Ist das „Café Herz-Jesu“ wirklich mutig? „Es ist zumindest eine anspruchsvolle Sache, dass an einem so lebhaften Ort die Kirche mit einem solchen Angebot präsent ist“, sagt Rudolf Bauer, ein Geistlicher aus einer Gemeinde in Friedrichshafen am Bodensee. „Bei uns ließe sich so etwas nicht in dieser Form umsetzen, hier spürt man den Puls der Großstadt.“ Auf dem Weg zu der Fotoausstellung „Geheimnis des Brotes“ war er auf die Bierbänke mit den Blumentöpfen, davor die Fahne des Eucharistischen Kongresses, aufmerksam geworden.

    Köln (DT) Nein, mit diesem ganzen Kirchenbrimborium wolle er nichts zu tun haben, sagt der etwa 50 Jahre alte Mann und bringt seine leere Tasse und den Teller zurück an die Theke. „Aber der Kaffee und der Kuchen waren richtig gut, und dass ihr dieses Angebot hier mitten in der Stadt macht, finde ich klasse und auch ein bisschen mutig“, erklärt er beim Hinausgehen. Ist das „Café Herz-Jesu“ wirklich mutig? „Es ist zumindest eine anspruchsvolle Sache, dass an einem so lebhaften Ort die Kirche mit einem solchen Angebot präsent ist“, sagt Rudolf Bauer, ein Geistlicher aus einer Gemeinde in Friedrichshafen am Bodensee. „Bei uns ließe sich so etwas nicht in dieser Form umsetzen, hier spürt man den Puls der Großstadt.“ Auf dem Weg zu der Fotoausstellung „Geheimnis des Brotes“ war er auf die Bierbänke mit den Blumentöpfen, davor die Fahne des Eucharistischen Kongresses, aufmerksam geworden.

    „Venite“, Treffpunkt, ist der offizielle Name des kleinen Gebäudes, das an die Herz-Jesu-Kirche angebaut ist. In diesen Tagen beherbergt der schlichte Raum unweit der Innenstadt das „Herz-Jesu-Café“. Tafeln weisen darauf hin, dass es dieser Tage dort günstig Kaffee und Kuchen gibt – und natürlich die Gelegenheit zu Gespräch und Begegnung. „Wir richten uns damit nicht nur an die Tagespilger oder Dauerteilnehmer des Eucharistischen Kongresses“, sagt der hiesige Pfarrer Dionysius Jahn: „Bei den vielen Programmangeboten ist eher damit zu rechnen, dass nur wenige Teilnehmer bei uns vorbeikommen.“ Die Kirchengemeinde wolle daher auch diejenigen erreichen oder gar überraschen, die nicht unbedingt damit rechneten, auf diese Weise mit Kirche in Berührung zu kommen. Erfahrungen, wie das gelingen kann, wenn zwei oder drei in Christi Namen versammelt sind, auch wenn nicht jeder von ihnen im Namen des Herrn unterwegs ist, hat die Pfarrei in dem dichten Großstadtgetümmel immer wieder gemacht. Ein Ehepaar, das auf ein Taxi wartete, überbrückte die Wartezeit bei einem Stück Kuchen und gab der ehrenamtlichen Helferin abschließend „noch etwas für die Kirchenkasse“ mit. Aus einem der umliegenden Bürogebäude kam zwischendurch eine Reinigungskraft vorbei, um sich einfach in aller Ruhe zu stärken. Ein 40 Jahre alter Bauingenieur kam für eine kurze Pause aus seinem Büro und freute sich darüber, mit netten Menschen ins Gespräch zu kommen. „Dialog hat für mich einen ganz hohen Stellenwert“, sagt er. „Ich finde es sehr bemerkenswert, dass die katholische Gemeinde in unserem Stadtviertel eine solch unkomplizierte Gelegenheit dafür schafft.“

    Während ein Gemeindemitglied zwei Schwestern bewirtet, eilt eine Passantin vorüber und ruft ihm freundlich zu: „Herr Nachbar, sin Se janz fromm jeworden?“ Die Schwestern müssen lachen, und der Pfarrangehörige sagt fast entschuldigend: „So ist das halt in diesem Viertel, sehr spontan und rheinisch.“ Pfarrer Bauer betont: „Diese offene und leicht zugängliche Rückzugsmöglichkeit durch das Kirchencafe zeigt ganz praktisch etwas von missionarischer Kirche, die für die Menschen da ist.“

    Wegen seiner über 40 Nationalitäten und hohen Bevölkerungsdichte mit vielen Künstlern und Studenten auf engstem Raum sprechen die Kölner liebevoll vom „Kwartier Latäng“, in dem die neugotische Kirche die weithin sichtbare Koordinate darstellt. „Kwartier Latäng ohne Herz-Jesu ist wie Köln ohne Dom“, sagt ein Kirchenvorstandsmitglied, und der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Marcel Buckan unterstreicht: „Schon beim Weltjugendtag 2005 konnten wir uns in die Veranstaltung einbringen, aber gleichzeitig auch das Viertel beleben sowie andererseits vielfältige Resonanz aus dem Viertel bekommen.“ Es gibt viele, die sich irgendwie mit ,ihrer Kirche im Veedel‘ verbunden fühlen. Für die Helfer im „Café Herz-Jesu“ eine weitere Gelegenheit, um Pilgern, Passanten und Neugierigen zu begegnen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Auch wenn regelmäßig die Straßenbahn vorüberrumpelt.