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    Auf dem gläsernen Kräuterhof

    Unter der selbst gewählten Bezeichnung „Kräuterbäuerin“ ist Brigitte Dinser in Wengen nicht nur im gesamten Allgäu bekannt und für jeden Besucher eine geduldige, ihr Wissen um Kräuter weiterreichende Gesprächspartnerin. „Immer wieder kreisen meine Gedanken von früh bis spät um die abwechslungsreiche Tätigkeit im Zusammenhang mit unterschiedlichsten Handarbeiten im Umgang mit frischen, aber auch mit den nach der Ernte getrockneten, konservierten und behutsam verarbeiteten heimischen Kräuterpflanzen“, umreißt die liebenswürdige „Kräuterfee“ ihren Alltag. „Aus den Anfängen der Betriebsgründung vor 16 Jahren hat sich die angesehene Kräutermanufaktur ,Prokräuter‘ entwickelt“, in der man sich nicht über zu wenig Besucher, Seminarteilnehmer oder Kunden beklagen kann.

    Kräuter beim Trocknen: Dann werden sie für Tee und Gewürze verwendet. Foto: Mechthild Wiedner

    Unter der selbst gewählten Bezeichnung „Kräuterbäuerin“ ist Brigitte Dinser in Wengen nicht nur im gesamten Allgäu bekannt und für jeden Besucher eine geduldige, ihr Wissen um Kräuter weiterreichende Gesprächspartnerin. „Immer wieder kreisen meine Gedanken von früh bis spät um die abwechslungsreiche Tätigkeit im Zusammenhang mit unterschiedlichsten Handarbeiten im Umgang mit frischen, aber auch mit den nach der Ernte getrockneten, konservierten und behutsam verarbeiteten heimischen Kräuterpflanzen“, umreißt die liebenswürdige „Kräuterfee“ ihren Alltag. „Aus den Anfängen der Betriebsgründung vor 16 Jahren hat sich die angesehene Kräutermanufaktur ,Prokräuter‘ entwickelt“, in der man sich nicht über zu wenig Besucher, Seminarteilnehmer oder Kunden beklagen kann.

    Auf dem Hofgelände, wo sich einst das typische Allgäuer Braunvieh an saftigen Bergblumen und schmackhaften Kräutern des Alpenvorlandes labte, grasen längst schon keine Kühe mehr. „Was das Vieh mochte, das erfreut nun immer wieder auch den Menschen“, betont Brigitte Dinser. Durch den gezielten Anbau und die sorgsame Ernte von mehr als 80 Kräuterarten nur in Handarbeit auf dem einstigen Ackerland des elterlichen Bauernhofes durch das „ProKräuter“-Team entstehen nach behutsamer Verarbeitung der Rohstoffe bis zu 120 verschiedene Lebensmittel, darunter auch „lukullische Gewürzmischungen“ für die Hausfrau und die Köche in der Gastronomie.

    „Im ,gläsernen‘ Betriebsgelände sind wir auf rund 12 000 Quadratmetern unbelasteter Anbauflächen bestrebt“, so betont die Kräuterbäuerin, „den Verbrauchern wieder mehr Bewusstsein für die Natur und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte aus dem Allgäu zu vermitteln.“ Ständig unterliegen daher die Verarbeitung der Rohstoffe und die Erweiterung der Angebote aus Kräuterprodukten, wie etwa Getränke, Schönheitscremes, ätherische Öle und Essenzen der eingehenden Prüfung.

    „Bereits länger als 10 Jahre besteht die Möglichkeit, sich als wissbegieriger Kräuterliebhaber durch unseren ,gläsernen Anbaubetrieb‘ führen zu lassen“, erklärt die Kräuterexpertin. Mit „gläsern“ umschreibt Frau Dinser die anschauliche Kräutergewinnung, Verarbeitung und Verkostung der Produkte. Hinzu kommen die vielen Einblicke in das Geschehen auf dem Hof in allen Herstellungsstationen und die ständig wechselnde Arbeit vom frühen Morgen bis zum späten Abend, was der Bäuerin und ihrem Mann Peter wie auch dem Helferteam von „ProKräuter“ aber großen Spaß bereitet. „Auf diese Weise wird unser besonderer Kräuterhof, der im Allgäu nur einen ,Mitbewerber‘ hat, bei der Besichtigung im übertragenen Sinn regelrecht für jeden Besucher zu einem ,durchsichtigen‘ Betrieb, der Kräutererzeugnisse regional aus der Heimat und frisch vom Acker anbietet.“

    An Seminaren zu Kräuterthemen kann jeder teilnehmen oder bei einer kleinen Wanderung die heimischen Wildkräutlein am Wegesrand bestaunen. „Kräuter mit allen Sinnen erleben zu können und vor allem die reine Handarbeit ohne Erntemaschinen trugen dazu bei, dass wir wegen unserer außergewöhnlichen Tätigkeit, die nachhaltig Werte schafft, gemäß dem Leitmotiv des bekannten Vereins ,LandHand Allgäu e.V.‘ als Mitglied aufgenommen sowie zertifiziert wurden“, verrät Brigitte nicht ohne Stolz.

    Je nach Reife der Pflanzenarten und nur bei entsprechender Witterung bücken sich weithin sichtbar auf dem Anbaugelände vom Frühjahr bis in den Herbst hinein täglich bis zu 20 Helferinnen zu den unnachahmlich intensiv duftenden Kräuterbeeten und Pflanzenreihen. Wenn es nicht regnet, werden beispielsweise Kamille, Dost, Johanniskraut, Moschus-Malve, Minze, Melisse, Oregano, Ringelblumen, Basilikum, Rosmarin oder Estragon und Thymian, um nur einige zu nennen, vorsichtig über dem Boden geschnitten, an den Stielen gesäubert und dann mit Bändchen gebündelt oder in Säckchen gefüllt, bevor jede Pflanze entweder frisch in die Küche kommt oder in die weitere Verarbeitung geht.

    Die Kräuterbäuerin Dinser, so erfährt man von ihr, hatte ursprünglich den Beruf einer Buchhalterin gelernt und über Jahre hin ausgeübt. Jeden Tag nach der Büroarbeit aber sehnte sie sich bei der Ankunft auf dem elterlichen Hof im Grünen nach viel Freizeit, in der sie sich autodidaktisch fundierte Kenntnisse über alle Kräuterarten aneignete. Ausbildung und Tätigkeit als Buchhalterin kamen ihr aber eines Tages, als Not am Mann war, äußerst gelegen.

    „Eine notwendige, schwere Herzoperation meines Vaters machte die Stilllegung des landwirtschaftlichen Anwesens von einem Augenblick zum anderen erforderlich“, sagt die inzwischen zur kundigen Kräuterexpertin avancierte Betriebsleiterin. „Das letzte Milchvieh haben wir im Jahr 2003 verkauft. Nach langen vergeblichen Debatten mit den beiden nicht am Hof interessierten Brüdern und anfänglichen Zweifeln meines arbeitsunfähigen Vaters, vertraute man mir die Umwandlung des Hofes in ein Kräuterparadies an. Vor der Hofübernahme hatte ich längst neben meiner speziellen Ausbildung bei ,Kräuterland‘ mein Steckenpferd mit fundiertem botanischen und pharmazeutischen Wissen über Allgäuer Kräuter und deren Wirkweisen gesattelt“, plaudert die Kräuterliebhaberin munter zu Beginn des Rundgangs durch den „gläsernen Kräuterhof“.

    Brücke zu modernem Kräuterwissen

    Die Kenntnisse über Anbau, Pflege, Ernte, Wertgehalt sowie die schonende Weiterverarbeitung insbesondere der Gewürz- und Aromakräuter unter absoluter Ausklammerung der kosmetischen und medizinischen Bereiche kamen ihr zugute.

    Die Restaurantküche ist das Reich von Brigittes Ehemann Peter, von Beruf ein leidenschaftlicher Koch, der als begeisterter Bergwanderer und „Westfälischer Allgäuer“ in der bayerischen Region hängengeblieben ist. Seine botanischen Kenntnisse, Erfahrungen und Vorstellungen im Umgang mit lukullischen Kräutern für fast jedes Gericht oder als essbare Tellerdekorationen aus Kapuzinerkresse, Gänseblümchen oder der Indianernessel kamen vor vielen Jahren der Kräuterbäuerin bei der Umgestaltung des Hofes gerade recht.

    Die aufwendig zum optimalen Zeitpunkt geernteten Kräuter kommen ohne großen Zeitverlust bei „ProKräuter“ in den eigens für diesen Zweck gebauten Trockenraum. Auf schonendste Art und Weise werden die sauberen Pflanzen auf der letzten Fertigungsstation unter Erhalt ihres Aromas, der ätherischen Öle und der Blütenfarbe getrocknet. Jeder Besucher kann zuschauen, wie in mehreren Arbeitsgängen beispielsweise die als Bündel von Leisten herabhängenden Doststengel getrocknet und in einem speziellen Mixer, dem sogenannten „Kutter“, von den Dinsers mit anderen passenden italienischen Kräutern vermengt, in Tüten abgefüllt, etikettiert, nach Vorschrift mit Inhaltsangaben versehen und im Hofladen neben unzähligen anderen Kräuterprodukten angeboten werden, wenn sie nicht gar von Bestellern wegen der herausragenden Qualität in größerer Menge abgenommen werden.

    Rückblickend bestätigt Brigitte Dinser, dass sich ihre Erwartungen bei der Umwandlung des Bauernhofes in eine Kräutermanufaktur mit anfangs ungeahnter Vielfältigkeit der Pflanzenverwendung in jeder Hinsicht voll erfüllt haben. Ihre Freude im Umgang mit Kräutern basiert darauf, dass sie ihr Wissen an andere Menschen weitergeben kann. Die Kräuterbäuerin betrachtet die Bedeutung der Kräuter für den Menschen als „von Gott gegeben“ und führt weiter aus: „Der liebe Herrgott hat uns diese Natur geschenkt, damit wir sie nutzen können. Wenn ich am Tag mal eine Stunde Freizeit habe und mit den Kräutern spreche, Blüten bestaune, zupfe oder koste, staune ich immer, wie die Natur beim Menschen zur inneren Ruhe und einem Stück Erholung beiträgt. Mit gutem Wachstum danken mir die Kräuter für meine enge Beziehung zu ihnen.“ Diese innerliche Verbundenheit trifft für die Kräuterbäuerin besonders auf lukullische Küchenkräuter zu. „Im Alpenvorland wurden sie vor noch nicht so langer Zeit wiederentdeckt und trugen zur Rückbesinnung auf das als verloren geglaubte Wissen der wilden, weisen Frauen der Allgäuer Berge bei“, meint Brigitte Dinser, die ihre Arbeit mit Kräutern „als Brücke zum modernen Kräuterwissen“ ansieht.

    Kontakt zum Kräuterhof in Weitnau-Wengen: 083 75/97 46 23, oder unter www.prokraeuter.de