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    "Styx"

    Vor ein moralisches Dilemma gestellt: „Styx“ stellt moralische Fragen im Zusammenhang mit der Rettung von Flüchtlingen auf hoher See, für die es keine einfachen Antworten gibt. Von José García

    Die Notärztin Rike (Susanne Wolff) tritt in Gibraltar ihren Urlaub an: Auf der Jacht „Styx“ will sie zur Ascension Islan... Foto: Zorro Film

    Ein Verkehrsunfall auf nächtlicher Straße. Als Notärztin ist die etwa 40-jährige Rike (Susanne Wolff) schnell zur Stelle. Sie ist daran gewöhnt, Menschen in Not zu helfen. Für ihren Urlaub hat sich Rike einen Segeltörn von Gibraltar zu der Atlantikinsel Ascension Island ausgesucht. Mit ihrer modernen, vollausgestatteten Jacht kann sie ohne größere Schäden einen Sturm überstehen.

    Als nach Stunden keine Hilfe in Sicht ist, wird Rike gezwungen zu handeln

    Als sich aber der Sturm legt, erscheint in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ein havariertes, mit Flüchtlingen überfülltes Fischerboot. Mehrere Dutzende Menschen springen verzweifelt ins Wasser in der Hoffnung, Rikes Segelboot zu erreichen. Die Ärztin fordert per Funk Unterstützung. Die Küstenwache versichert, dass Hilfe unterwegs sei. Sie verbietet ihr, eigenmächtig zu handeln. Als aber die Hilfe nach langen Stunden immer noch nicht in Sicht ist, wird Rike gezwungen zu handeln. Wie viele Menschen könnte allerdings ihre kleine Jacht überhaupt tragen? Diese Gedanken muss sie vorerst zur Seite schieben, als ein etwa 14-jähriger Junge (Gedion Oudor Wekesa) es tatsächlich schafft, zu ihr herüberzuschwimmen.

    "Styx" führt den Zuschauer unmittelbar ins Geschehen

    Drehbuchautorin Ika Künzel und Regisseur Wolfgang Fischer inszenieren ihren Film mit dokumentarischer Anmutung und so gut wie ohne Dialoge. Die Tonspur besteht aus Originalgeräuschen und minimalem Musikeinsatz. Dadurch führt „Styx“ den Zuschauer unmittelbar ins Geschehen. Eine selbstbewusste, starke Frau, die eine westliche Vorstellung von Glück und Erfolg verkörpert, die sich plötzlich mit einem der größten weltweiten Probleme unserer Zeit konfrontiert sieht. Denn der als Eröffnungsfilm der Berlinale-Sektion „Panorama Special“ uraufgeführte Spielfilm „Styx“ verdeutlicht nicht nur das Drama von Menschen, die ihr Leben in die Hand von skrupellosen Schleppern legen.

    Sehen Sie hier den Trailer zum Film.

    Darüber hinaus spricht der Film in dem Mikrokosmos ein Dilemma an, das sich im größeren politischen Zusammenhang ähnlich stellt: Soll Rike die „Rettung“ den offiziellen Stellen überlassen, oder selbst eingreifen? Alle Flüchtlinge kann sie jedoch unmöglich aufnehmen. Nach welchen Kriterien soll sie sich für einige wenige von ihnen entscheiden? Fragen, für die es, wenn überhaupt, keine einfachen Lösungen gibt.

    DT

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