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    Polen: Der kirchenkritische Spielfilm „Kler“ spaltet die Gesellschaft

    Säkulare Medien feiern den Film als großen Tabubruch, katholische Kritiker sehen ihn als Teil der anti-polnischen Propaganda.

    Der kirchenkritische Spielfilm „Kler“ spaltet die polnische Gesellschaft. Foto: dpa

    Es ist ein Film, der wohl kaum jemand in Polen kalt lässt: „Kler“ („Klerus“) von Regisseur Wojtek Smarzowski (55), der seit Ende September in den großen Kinos läuft und am Beispiel von drei fiktiven Geistlichen und einem fiktiven Bischof zeigt, wie er selbst die polnische Kirche wahrnimmt – nämlich als eine Institution, deren Priester allzu fehlerhaft sind. Sei es, weil ihnen Geld und Luxus, die eigene Karriere oder die Sexualität wichtiger sind, als es die Gebote eigentlich erlauben. Nicht zu reden vom sexuellen Missbrauch, das in Smarzowskis Film, der durchaus auch lustig-groteske Szenen beinhaltet, als Pädophilie-Problem dargestellt wird. Homosexuelle Netzwerke werden in dem Film nicht thematisiert.

    Ein filmisches Aufdeckungsinstrument?

    Viele säkulare Medien Polens feiern den Film als großen Tabubruch, als filmisches Aufdeckungsinstrument, als künstlerisches Druckmittel für den gesellschaftlichen Wandel, was „Kler“, wenn man den Machern glauben darf, denn wohl auch sein soll. So hofft Smarzowski laut Medienberichten, dass Polen den Weg Irlands gehen wird – etwa bei der Legalisierung der Abtreibung. Bei solchen Visionen überrascht es nicht, dass Katholiken hinter dem Film einen größeren Plan wittern. Der Bund der katholischen Journalisten des Landes hat den Film bereits als „antikatholisch“ eingestuft.

    Kardinal Müller: Film ist Teil der Strategie der vorbereiteten Propaganda gegen Polen

    Auch Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der zurzeit an der Katholischen Universität Lublin eine Vorlesungsreihe über christliche Werte hält, hat sich zu dem Film, der inzwischen auch im deutschsprachigen Raum zu sehen ist, zu Wort gemeldet. Der Film „Kler“, so Müller, sei ein Teil der Strategie der vorbereiteten Propaganda gegen Polen. „Diese Propaganda“, die jetzt in einigen Medien durch den Film „Kler“ präsent sei, treffe eigentlich „alle Polen“. Auf diese Weise, so Müller, versuche man, die „geistige Substanz Polens“ zu zerstören oder zu bedrohen. Der deutsche Kardinal, der unter Polens Katholiken sehr beliebt ist, bittet die Gläubigen deshalb, hinter den „Priestern zu stehen, die Euch getauft haben, die Euch zum Glauben geführt haben, die Euch die Sakramente gaben, damit wir dieser falschen Propaganda nicht nachgeben.“


    Was andere Kritiker zu dem umstrittenen Film „Kler“ meinen, etwa der bekannte polnische Dominikanerpater Maciej Zieba, legt Stefan Meetschen in der aktuellen Ausgabe der Tagespost vom 25. Oktober 2018 ausführlich dar. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

    DT (ari/jbj)

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