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    Berlin

    Kinder, Behinderung und Phantasie

    Ein Film über Scheidungskinder, über Anderssein und die Kraft der Phantasie: „Die kleinen Hexenjäger“. Von José García

    Das Leben des zehnjährigen, an Zerebralparese leidenden Jovan (Mihajlo Milavic) erfährt eine ganz neue Wendung, als er d... Foto: Der Filmverleih

    Der zehnjährige Jovan (Mihajlo Milavic) führt aufgrund einer angeborenen Zerebralparese ein ziemlich eingeschränktes Leben. Die Störungen des Nervensystems und der Muskulatur zwingen ihn dazu, in der Schule die Pausen im Unterrichtsraum zu verbringen statt mit den andern auf dem Schulhof zu tollen, sowie regelmäßig eine physiotherapeutische Praxis zu besuchen. Jovan zieht sich in seine eigene Fantasiewelt zurück, wo er als Superheld brilliert, Schurken in die Schranken weist, und dabei seine körperliche Beeinträchtigung überwindet.

    Jovan soll helfen, den Vater aus dem Bann der Hexe zu befreien

    Jovans Leben erfährt aber eine grundlegende Wendung, als eine neue Schülerin in seine Klasse kommt: Milica (Silma Mahmuti) ist umgezogen, weil ihr Vater eine neue Freundin hat, und sie deshalb mit ihrer Mutter zur Großmutter gezogen ist. Die Oma nennt die „Neue“ abfällig „die Hexe“. Milica nimmt die Bezeichnung ernst, denn sie ist davon überzeugt, dass die Frau ihren Vater verhext hat. Jovan soll ihr helfen, ihren Vater aus dem Zauberbann der Hexe zu befreien.

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    Basierend auf der gleichnamigen Erzählung von Jasminka Petrovic weist der erst 28-jährige Regisseur Rasko Miljkovic in seinem Spielfilmdebüt auf die Gefühlsverwirrungen bei Scheidungskindern hin. Miljkovic gelingt es, die durchaus ernste Haupthandlung mit einem Nebenstrang zu verknüpfen, die sich an die aktuell beliebten Superhelden-Filme anlehnt – so hat Jovan in seinem Kinderzimmer eine Modellstadt zusammengestellt, die an solche Szenarien erinnert. Der Junge trägt Superhelden-Kostüm und -Maske gern, weil er darin seine Phantasie auslebt.

    Der Film plädiert für einen entspannten Umgang mit Menschen mit Behinderung

    Dieser Nebenstrang bleibt aber angenehm im Hintergrund, fern von Effekthascherei. Darüber hinaus plädiert „Die kleinen Hexenjäger“ für einen entspannten Umgang mit Menschen mit Behinderungen: Jovan muss lernen, mit seiner Krankheit zu leben, und dennoch ein normales Leben zu führen. Die beiden Protagonisten sind eindeutig Jovan und Milica. Sie spielen in ihren ersten Kinorollen mit entwaffnender Natürlichkeit. Ihnen gegenüber bleiben die Erwachsenen ganz klar im Hintergrund.

    DT

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