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    Die Katholische Kirche am Scheideweg

    Möchte man "Nachlassverwalter" oder "Wegbereiter" sein? Die Antwort ist eigentlich einfach. Zum Jahresanfang ein Plädoyer für eine neue katholische Bekenntniskultur. Von Professor Elmar Nass

    Wohin führt der Weg der Katholischen Kirche? Foto: David Ebener (dpa)

    Es geht ein Gespenst um in Theologie und Kirche: Das Gespenst der Angst. Angst, sich öffentlich zu Jesus Christus, zu christlichen Werten und Traditionen zu bekennen, wo Widerspruch zu erwarten ist. Sicher: Der auch selbst verschuldete Verlust an Glaubwürdigkeit hat lange nachgewirkt. Doch nun ist es an der Zeit, das Gespenst der Angst zu vertreiben. Der Weg dahin führt über eine nüchterne Standortbestimmung und die Suche möglicher Ursachen hin zu einer Perspektive, wieder Mut und Mission an diese Stelle treten zu lassen.

    In den Medien wird Kirche fast nur noch mit Skandalen erwähnt

    Das Gespenst hat viele Gesichter. Angriffe von außen schüchtern ein: In den Medien wird Kirche fast nur noch mit Skandalen erwähnt. In Unterhaltungssendungen sind Christen meist skurril und weltfremd. Lebensschützer werden öffentlich als Feinde der Frauenrechte diffamiert, Abtreibung bis zur Geburt als Menschenrecht propagiert, Menschen mit Behinderung werden kaum noch geboren, die „Ehe für alle“ öffnet Türen zur Beliebigkeit der Familie, die Genderideologie hat den Gang durch die Instanzen geschafft und zwingt der Gesellschaft ihr familien- und kinderfeindliches Menschenbild auf. Regenbogen-Pädagogik, Versuche an Embryonen, die Enttabuisierung der ‚Euthanasie' und des Klonens schreiten voran. Das Recht auf Religionsunterricht wird ausgehöhlt. Steuerberater müssen den Kirchenaustritt empfehlen, Kreuze verschwinden aus der Öffentlichkeit, kirchliche Feste werden säkular entkernt, laizistische Vereinigungen hofiert. Weltweit und auch unter Flüchtlingen erleben wir eine nie dagewesene Christenverfolgung.

    Mehr als 200.000 Menschen treten jährlich aus den großen Kirchen in Deutschland aus

    Ein zweites Gesicht des Gespenstes zeigt sich in Re-Aktionen von innen: Wer meint, als Antwort werde mit christlichen Argumenten laut widersprochen und die Stimme zum Schutz der Schwachen erhoben, die antikirchliche Propaganda mit ihren inhumanen Folgen entlarvt oder gar eine missionarische Offensive ausgerufen, der sieht sich weitgehend getäuscht. Stattdessen sehen wir: Jahr für Jahr treten mehr als 200.000 Menschen aus den großen Kirchen in Deutschland aus. Das wird scheinbar als Normalität hingenommen.

    Welche Forderungen an die Kirche Professor Elmar Nass stellt und welche Lösungsvorschläge er für die Kirche in seinem Vier-Punkte-Plan formuliert, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der "Tagespost" vom 3. Januar 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

    Elmar Nass / DT (mee, jobo)

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