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    Paris

    Chef-Architekt: Notre-Dame noch immer einsturzgefährdet

    Man könne nicht mit absoluter Sicherheit garantieren, dass die Pariser Kathedrale Notre-Dame stehenbleibe, so der Chef-Architekt des berühmten Bauwerks, Philippe Villeneuve. Er äußert sich auch zum geplanten schnellen Wiederaufbau.

    Bisher habe man Glück gehabt, die Kirche sei stabil, so Villeneuve. „Aber das Gewölbe könnte genauso gut nächste Woche e... Foto: Marcel Kusch (dpa)

    Die berühmte Pariser Kathedrale Notre-Dame ist offensichtlich auch mehr als sieben Wochen nach dem verheerenden Brand noch immer einsturzgefährdet. Darauf weist der Chef-Architekt des Gotteshauses, Philippe Villeneuve, im Gespräch mit der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ hin. „Heute kann man nicht mit absoluter Sicherheit garantieren, dass das Monument stehenbleiben wird.“ Bisher habe man Glück gehabt, die Kirche sei stabil, so der 56-Jährige. „Aber das Gewölbe könnte genauso gut nächste Woche einstürzen.“

    Villeneuve will sich nicht an Spekulationen zur Brandursache beteiligen

    Während 150 Arbeiter an der Baustelle Notre-Dame beschäftigt sind, um den Wiederaufbau vorzubereiten, gehen die Untersuchungen der Brandursache weiter, wie auch die Spekulationen. Auf die Frage, ob er selbst eine Vermutung hinsichtlich des Ursprungs des Feuers habe, antwortete Villeneuve, dass er sich an Spekulationen nicht beteiligen wolle. „Ich werde nicht den Fehler begehen, Schuldige zu benennen.“ Zum jetzigen Zeitpunkt wisse man noch nichts.

    Die Pläne des französischen Präsidenten Macron, die Kathedrale innerhalb von fünf Jahren wieder zu errichten, hält Villeneuve nicht für unrealistisch. „Wenn man methodisch vorgeht, wenn man sich nicht in Zweifeln verliert, dann ist es durchaus möglich, Notre-Dame in fünf Jahren wieder aufzubauen.“

    Wenn man methodisch vorgeht, wenn man sich nicht
    in Zweifeln verliert, dann ist es durchaus möglich,
    Notre-Dame in fünf Jahren wieder aufzubauen
    Philippe Villeneuve, Chef-Architekt von Notre-Dame

    Darüber hinaus müsse man die Kathedrale jedoch weiter restaurieren, etwa die Sakristei, den Chorraum sowie das nördliche und südliche Querschiff. „Ein Arbeitsprozess ist im Begriff, in Gang gesetzt zu werden, der wird aber mit Sicherheit über fünf Jahre hinausgehen.“

    Was den Wiederaufbau des Dachstuhls betrifft, so wies Villeneuve darauf hin, dass ein schweres Material verwendet werden müsse, dass die Standfestigkeit der Kathedrale garantiere. Auch die Rekonstruktion des hölzernen Dachstuhls, „la forêt“ genannt“, wäre denkbar. Man habe das Holz, die technischen Mittel und das Know-How. Villeneuve beklagte, dass jeder seine Meinung habe, wie man mit dem Dachstuhl verfahren solle. „Aber man muss die sprechen lassen, die sich auskennen, zur Bescheidenheit zurückkehren.“

    Ganzes Leben dem Einsatz für den Erhalt der Kathedrale widmen

    Darüber hinaus sprach der Chef-Architekt auch vom persönlichen Verlust, der ihn durch den Brand Notre-Dames getroffen habe. „Am Tag des Brandes bin ich gestorben“, so Villeneuve. Jemand anderes habe die Oberhand gewonnen. Sein ganzes Leben sei nur eine Art Vorbereitung darauf gewesen, sich eines Tages für den Erhalt der Kathedrale einzusetzen. „Sie hat mein Interesse daran geweckt, Architekt zu werden. Der einzige Grund, warum ich existiere, ist es, das Gebäude wieder in den Zustand zu bringen, in dem es vor sieben Wochen war.“

    DT/mlu

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