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    Vatikanstadt

    Bendedikt XVI.: Poet, Priester, Prophet und Papst

    Im emeritierten Papst Benedikt XVI. verbinden sich vier Ps zu einer außerordentlichen Persönlichkeit der Kirche, aber auch der Zeitgeschichte. Heute wird Joseph Ratzinger 92 Jahre alt.

    Der emeritierte Papst Benedikt XVI. bei einer Messe im Petersdom. Foto: Gregorio Borgia (AP)

    Entweder man ist Prophet oder Priester oder Poet. Selten treffen sich alle drei Begabungen in einer Person. Doch es gibt sie, diese mehrfach beschenkten Persönlichkeiten, zu denen sich eventuell gar noch ein viertes „P“ zu den drei PPP hinzugibt: Papst. Bei Benedikt XVI. treffen alle vier „P“ zu – und verbinden sich zu einer außerordentlichen Persönlichkeit der Kirche, aber auch der Zeitgeschichte.

    Als Emeritus in den Gärten des Vatikans

    Wenn Joseph Ratzinger am 16. April 2019 sein 92. Lebensjahr vollendet, dann ist das der Geburtstag eines Theologen von Weltrang, eines Kirchenvaters der Neuzeit und eines sensiblen Menschen aus Bayern, der das Papstamt wie kaum ein anderer durch seinen Rücktritt vom Petrusdienst veränderte und als Emeritus in den Gärten des Vatikans durch Gebet und Wort gegenwärtig ist. Joseph Ratzinger und Benedikt XVI. ist ein PPPP: Poet, Priester, Prophet und Papst.

    Theologe und praktizierender Musikliebhaber

    Poeten zeichnet eine besondere Liebe zur Sprache aus, die ja mehr ist als ein Instrument der schnellen Kommunikation, sondern das Sein selbst zum Ausdruck bringen will und als Medium Wahres, Richtiges und Wichtiges zur Mitteilung bringen möchte. In der Sprache geschieht – bestenfalls – Begegnung, Erkenntnis und Leben. Der Theologe und praktizierende Musikliebhaber Joseph Ratzinger, den man später den Mozart der Theologie nannte, kultivierte schon früh wieder seinen Umgang mit Wörtern, mit Begriffen und deren Zuordnung mit jener edlen Materie, die man Sprache nennt.

    Innige und respektvolle Liebe im Umgang mit Sprache

    Wörter und Worte zeichnen sich durch sein ganzes und wahrlich umfangreiches Schriftwerk dadurch aus, dass sie eine innige und respektvolle Liebe im Umgang verraten, um, ja um anderen die Schönheit dessen anzubieten und auch möglich zu machen, was in der Sprache und dem Wort sich erschließen soll und kann: Wahrheit. Der Beginn des Johannesevangeliums scheint dem späteren Papst eine stets Mahnung gewesen zu sein, den Anspruch Gottes gegenüber dem Wort nicht zu vergessen und ihm in menschlicher Gebrechlichkeit so edel wie möglich gerecht zu werden. Immerhin heißt es dort, dass im Anfang das Wort, der Logos, war, und dass der Logos Gott war – und dass aus dem Wort alles geworden ist. Was für ein Anspruch!

    Wie sehr der Poet seine Gabe mit der Mission des Priesters zu verbinden versteht, erfahren Sie in der ausführlichen Würdigung Papst Benedikts XVI. von Martin Lohmann in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 11. April 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

    DT/mlu (jobo)

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