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    Wiesbaden

    Abtreibungen sinken nach starkem Anstieg leicht um 0,2 Prozent

    2018 wurden rund 101.000 vorgeburtliche Kindstötungen gemeldet, geringfügig weniger als im Vorjahr. Der Anteil der Fälle, bei denen die Abtreibungspille Mifegyne zum Einsatz kommt, steigt. Von Stefan Rehder

    Die Abtreibungspille Mifegyne kommt immer öfter zum Einsatz. Foto: Rolf Vennenbernd (dpa)

    Im Zuge der Debatte um das Werbeverbot für Abtreibungen (§ 219a Strafgesetzbuch) habe verschiedene Medien behauptet, in Deutschland werde es für Frauen immer schwieriger, überhaupt noch einen Arzt zu finden, der bereit sei, Abtreibungen vorzunehmen. Dies gälte vor allem für ländliche Regionen. Suggeriert wurde dabei auch, die Suche nach einem solchen Arzt müsse allein deshalb unkompliziert sein und schnell zum gewünschten Erfolg führen, weil die gesetzlichen Bestimmungen eine straffreie Abtreibung nur nach erfolgter Beratung und für eine Zeitraum von 12 Wochen vorsähe.

    Rund 101.000 Abtreibung im Jahr 2018

    Glaubt man den Zahlen, die das Statistische Bundesamt heute bekannt gab, dann kann es dabei zumindest nicht um allgemeines oder flächendeckendes Problem handeln. Denn wäre es anders, müssten die Anzahl der dem Statistischen Bundesamt gemeldeten Abtreibungen ja signifikant zurückgehen. Dies ist aber nicht der Fall.

    Denn auch 2018 wurden dem Statistischen Bundesamt rund 101.000 vorgeburtliche Kindstötungen gemeldet. Das sind nur 0,2 Prozent weniger als im Jahr davor. 2017 war die Zahl der dem Amt gemeldeten Abtreibungen sogar von 98.721 (2016) um statte 2.488 auf insgesamt 101.209 gestiegen.

    Fast ein Viertel der Abtreibungen erfolgt mittels Mifegyne

    Und noch ein Befund ist interessant. Wie das Amt mitteilte, betrug der Anteil der pharmakologischen Abtreibungen im vergangenen Jahr 23 Prozent. Seit 2007 ist der Anteil der vorgeburtlichen Kindstötungen, bei denen die Abtreibungspille Mifegyne zum Einsatz kam, kontinuierlich von acht um 15 auf 23 Prozent gestiegen. Das heißt: Inzwischen wird fast ein Viertel aller vorgeburtlichen Kindstötungen von den Schwangeren selbst zuhause durchgeführt. Da die Abtreibungspille als für die Schwangere „schonendere“ Methode beworben wird, spricht viel dafür, dass deren Zunahme nicht etwa dem behaupteten Rückgang von Ärzten geschuldet ist, die noch Abtreibungen vornehmen, sondern dafür, dass es sich genau umgekehrt verhält: Weil immer mehr Frauen die Abtreibungspille verwenden, konzentriert sich – wenn es denn so ist – die Zahl der Ärzte, die noch vorgeburtliche Kindstötungen durchführen, zunehmend auf Ballungsräume.

    DT/reh (jobo)

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    Stefan Rehder

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