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    Fürsorge in einer ungewöhnlichen Familie

    Eigenwillige Gesellschaftskritik mit einfachen Menschen im „Keller“ der Gesellschaft: „Shoplifters – Familienbande“. Von José García

    Die kleine Yuri (Miyu Sasaki, Mitte) erlebt eine glückliche Zeit, nachdem sie von Osamu (Lily Franky) und seiner Frau No...

    Irgendwo in Tokio versucht eine Familie mit dem mageren Einkommen von Osamus  (Lily Franky) Aushilfsarbeiten und den Gelegenheitsjobs seiner Frau Nobuyo (Sakura Ando) sowie mit der Rente der Großmutter Hatsue (Kilin Kiki) über die Runden zu kommen.

    Ladendiebstahl, um über die Runden zu kommen

    Da dies kaum zum Leben reicht, stehlen Vater und Sohn Shota (Kairi Jyo) Lebensmittel. Nach einem solchen Ladendiebstahl entdecken die beiden ein kleines, verwahrlostes Mädchen, das in eisiger Kälte auf einem Balkon sitzt. Sie nehmen die kleine Yuri (Miyu Sasaki) mit nach Hause. Als sie an Yuris Arm Brandflecken entdecken, beschließen sie, die Kleine nicht zu ihrer Familie zurückzubringen, sondern sie zu behalten. Nach und nach lebt Yuri in ihrer Ersatzfamilie auf, die sozusagen im „Keller“ der Gesellschaft lebt. Schnell wird es aber auch deutlich, dass die Familie etliche Geheimnisse hütet.

    Den Trailer zum Film sehen Sie hier.

    Auch wenn der Zuschauer die Familie als Betrüger und Kleinkriminelle erlebt, gestaltet sie der Regisseur als so herzliche Menschen, dass man schnell für sie Partei ergreift. Insbesondere die Fürsorge für die kleine Yuri, die außerdem als Einzige kein Geld in die Familienkasse bringt, rührt an. So erlebt sie ungeahnte Freuden, etwa bei ihrem ersten Strandbesuch.

    Weniger Alternative zum "konventionellen" Familienbegriff als vielmehr Hinweis auf Heuchelei

    Vielleicht geht es Hirokazu Kore-eda nicht so sehr darum, eine Alternative zum „konventionellen“ Familienbegriff zu liefern, als vielmehr auf eine gesellschaftliche Heuchelei hinzuweisen, wie er selbst ausführt: „In Japan werden Straftaten wie Rentenbetrügereien und Eltern, die ihre Kinder zu Ladendieben machen, heftig kritisiert. Natürlich ist diese Kritik berechtigt. Dennoch frage ich mich, warum Menschen wegen solch geringfügiger Verstöße so wütend werden, obwohl es viele Kriminelle gibt, die weitaus schlimmere Verbrechen begehen, ohne dafür verurteilt zu werden.“

    „Shoplifters – Familienbande“ gewann die diesjährige Goldene Palme auf dem Filmfestival Cannes. Der Film wurde kürzlich in die „Short-List“ für den nichtenglischsprachigen Oscar gewählt.

    DT

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