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    Würzburg

    Auf dem Weg zur Staatsdoktrin

    Wie die Homo-Lobby und die Grünen eine neue Leitkultur verankern wollen: Ein bundesweiter Aktionsplan für sexuelle Vielfalt kommt in den Bundestag.

    Ein Hutträger mit Regenbogenfähnchen beim Christopher-Street-Day. Rot-Grün will die sexuelle Vielfalt als Leitkultur dur... Foto: dpa

    Dieser Satz traf den Nerv: RotGrün will Homosexualität und sexuelle Diversität als Leitkultur in Europa durchsetzen. Geäußert hatte ihn vor einigen Jahren der Sekretär der damaligen fraktionsübergreifenden Arbeitsgruppe Frauen und Familie im Europa-Parlament und zwar in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Ein digitaler Sturm der Entrüstung, neudeutsch shitstorm, brach los. Aber er richtete sich nicht gegen die Aussage, sondern gegen den Redakteur, der diese Aussage zugelassen und nur nach Belegen für diese These nachgefragt hatte. Die Chefredaktion distanzierte sich eilends von dem Interview, aber auch ohne die Aussage als solche infrage zu stellen.

    Die Demaskierung kam zu früh

    Der Satz kam ein paar Jahre zu früh. Offenbar war die ideologische Stoßtruppe der Lesbisch-Schwul-Bi-/Trans-/Intersexuellen-Bewegung (LSBTI), man könnte auch sagen der Anti-Hetero-Normal-Menschen-Bewegung, noch nicht soweit. Sie hatte schon etliche Resolutionen im Europa-Parlament mit Hilfe linker, grüner und auch konservativer Fraktionen durchgepaukt. Aber der Durchbruch, die Homo-Ehe einzuführen und das Verbot, geschlechtlich gestörte Menschen zu therapieren, in Gesetzesform zu gießen, sowie das Adoptionsrecht zu reformieren, damit auch gleichgeschlechtliche Paare und Gruppen von mehr als zwei Menschen Kinder adoptieren können, war noch nicht gelungen. Da kam diese Demaskierung zu früh und der mediale, personalisierte Angriff auf den Redakteur war das probate Mittel, potenzielle Kritiker zum Schweigen zu bringen.

    Heute ist die Bewegung mit den vielen Versalien deutlich weiter. Die Homo-Ehe ist mit Hilfe der Bundeskanzlerin durchgewunken, das Therapieverbot wird diskutiert. Und das Wichtigste: Die Anerkennung geschlechtlich nicht-heterogener Menschen als nicht anomaler, vielleicht sogar als die besseren Menschen, ist in der politischen Klasse eine Selbstverständlichkeit und auch in Teilen der katholischen Kirche auf dem Wege, es zu werden. Dafür spricht nicht nur, dass vermutlich mehr als der eine Bischof zur Segnung homosexueller Paare bereit ist und in Köln gerade eine Kampagne gegen Kardinal Woelki und seinen Priesterausbilder Romano Christen läuft, sondern mehr noch das Hissen der Regenbogenflagge in der Pfarrei St. Theodor in Vingst als Zeichen gegen Homophobie, mithin als Sympathiekundgebung für die Versal-Bewegung und die Propagierung multipler geschlechtlicher Mutationen und ihrer dazugehörigen Handhabung.

    Denn die von dem homosexuellen Aktivist Gilbert Baker entworfene Flagge ist das Symbol der Bewegung. Sie ist gerade mal vierzig Jahre alt und zeigt die Beschleunigung, mit der die Bewegung die Gesellschaft durchdringt beziehungsweise wie schwach der Widerstand gegen diese Ideologie ist. Und damit keine Missverständnisse konstruiert werden: Es geht dabei nicht um die Achtung der Würde von Menschen, deren Sexualität ungeklärt ist oder die vom gleichen Geschlecht angezogen werden – diese Achtung ist eine Selbstverständlichkeit, die auch die Kirche mehrfach gefordert hat –, sondern um die ideologische Wucht, mit der die Bewegung die naturgegebene Dualität der Geschlechter relativiert und de facto aufheben will.

    Grüne fordern Diskriminierungsverbot im Grundgesetz

    Mittlerweile verfügt die Bewegung über etliche Mittel und Unterstützung staatlicher Stellen. Die Bundestagsfraktion der Grünen will jetzt einen „bundesweiten Aktionsplan für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ durchsetzen und zwar unter „enger Beteiligung der LSBTI-Verbände“. Kostenpunkt: 35 Millionen Euro, zu finanzieren aus Steuermitteln. Der Antrag dazu soll noch diese Woche, am 7. Juni im Bundestag diskutiert werden. Ziel des Aktionsplans ist, wie es im Antrag heißt, „dass staatliche und zivilgesellschaftliche Institutionen sich für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt engagieren“. Ein Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität soll ins Grundgesetz aufgenommen werden. LSBTI-Vereine sollen finanziell gefördert und Medien dazu verpflichtet werden, sexuelle Vielfalt zu unterstützen: „Die Gesellschaft sollte dabei in ihrer Vielfalt abgebildet sein, sowohl in allen Redaktionen als auch bei der Besetzung von Aufsichtsgremien.“

    "Natürlich soll das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen,
    Mitarbeiter nach eigenen Grundsätzen einstellen oder ablehnen
    zu können, abgeschafft werden."
    Jürgen Liminski

    Das zielt insbesondere auf die öffentlich-rechtlichen Medien und ihre Gremien ab. Auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen wie Forschung und Wissenschaft, der Arbeitswelt, Sportvereinen, der Altenhilfe und in Beratungsstellen sollen „unterschiedliche sexuelle und geschlechtliche Identitäten und Lebensweisen“ mehr Berücksichtigung finden. Und natürlich soll das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen, Mitarbeiter nach eigenen Grundsätzen einstellen oder ablehnen zu können, abgeschafft werden. Lehrpläne sollen an diese Vorstellungen angepasst, in der Ausbildung von Pädagogen, Psychologen und Sozialarbeitern soll das Thema integriert werden.

    Familienministerium startet Regenbogenportal

    Das Bundesfamilienministerium hat bereits ein eigenes Internet-Regenbogenportal eingerichtet. In dem Portal werden auch Zahlen angegeben. Da es keine offizielle Statistik über den Anteil intergeschlechtlicher Menschen an der Gesamtbevölkerung gibt, werden „wissenschaftliche Schätzungen“ herangezogen, die „zwischen 0,02 und 1,7 Prozent variieren – je nachdem, wie viele Formen von Intergeschlechtlichkeit berücksichtigt werden“. Intergeschlechtlichkeit sei, so heißt es, keine Krankheit. Eingeräumt wird immerhin, dass es in der Medizin Diagnosen für die verschiedenen Formen von Intergeschlechtlichkeit gebe. Sie werden als „Disorders of Sex Development“ (DSD; dt.: Störungen/Varianten der Geschlechtsentwicklung) zusammengefasst. Aber viele intergeschlechtliche Menschen lehnten es ab, „dass ihre Geschlechtlichkeit als ,Syndrom‘ oder ,Störung‘ bezeichnet wird. So entstehe nämlich der Eindruck, ihre Körper seien nicht in Ordnung und müssten behandelt werden“.

    Das Portal weist darauf hin, dass Internationale Menschenrechtsorgane in der Behandlung vor allem von Kindern „eine Verletzung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung“ sähen. Man ist nicht mehr weit von einer Staatsdoktrin im Sinne des Genderismus. Der Durchmarsch nimmt weiter Fahrt auf.

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