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    Höhenflieger mit Jesus

    Berlin (DT) Hotel oder Fluggesellschaft – für Jan-Philipp Görtz stand früh fest, wo es beruflich mit ihm hingehen sollte. Möglichst weit nach oben, möglichst weit hinaus in die große weite Welt. Dazu studierte der Solinger zunächst Jura in Heidelberg; dann hing er noch ein Studium in Internationalem Management in Paris an der Ecole Nationale des Ponts et Chaussees dran sowie Internationale Beziehungen an der Fletcher School in Boston.

    International unterwegs im Auftrag des Herrn: Jan-Philipp Görtz (r.) mit dem Bischof von Udupi, Gerald Isaac Lobo (m.). Foto: Archiv.

    Berlin (DT) Hotel oder Fluggesellschaft – für Jan-Philipp Görtz stand früh fest, wo es beruflich mit ihm hingehen sollte. Möglichst weit nach oben, möglichst weit hinaus in die große weite Welt. Dazu studierte der Solinger zunächst Jura in Heidelberg; dann hing er noch ein Studium in Internationalem Management in Paris an der Ecole Nationale des Ponts et Chaussees dran sowie Internationale Beziehungen an der Fletcher School in Boston.

    1999 war es soweit: Der weltoffene Frauenverehrer und American-Football-Spieler trat seine erste Stelle bei der Deutschen Lufthansa AG an, ein Unternehmen, das er 18 Jahre nicht verlassen sollte. Zunächst als Leiter der Europäischen Niederlassung in Brüssel, später dann in Berlin. Die vergangene Dekade als stellvertretender Leiter des Vorstandsstabes für Konzernpolitik und internationale Beziehungen in Berlin. Ein verantwortungsvoller und herausfordernder Job, wie Görtz im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt: „Als Dax-30-Unternehmen herrscht bei Lufthansa ein hochprofessioneller Anspruch – bis hin zum einzelnen Komma. Wir tragen Deutschland in die Welt und die Welt nach Deutschland.“ Top-Einsatz-Bereitschaft – dank Smartphone nonstop. Doch Görtz entging die menschliche Zerbrechlichkeit in den fast ständigen Konflikt- und Krisen-Situationen nicht. „Es geht bei Interessensvertretung eben meist um Interessenskonflikte. Und dahinter steht immer viel Geld. Ob bei Übernahmegefechten, Streiks oder Umweltregulierung. Das geht fast allen Beteiligten an Nerven und die Substanz. Berlin verbrennt Menschen wie ein Körper Kalorien.“

    Es half Görtz, dass er fordernden Wettbewerb vom Football kannte. Dort trennt man auch Spiel von persönlicher Beziehung. „Oft haben wir anschließend mit denselben Leuten ein Bier getrunken, die wir eine Stunde vorher auf dem Platz noch umgehauen haben. Das ist hier nicht anders.“ Letztlich ging es ja auch um Vorteile für Kunden, Mitarbeiter und den Standort. „Menschen und Räume zu verbinden, das ist mein Thema“, sagt er weiter. Was ihm aber schließlich zur zentralen Stütze wurde: die lebendige Beziehung mit Jesus, der Draht zu Gott. Kaum war er bei der Lufthansa, wurde dies für ihn zu einer lebendigen persönlichen Erfahrung. „Meine damalige Freundin, ein dänisches Modell, trennte sich eines Tages plötzlich von mir. Eine Situation extremer Einsamkeit! Mir ging auf, dass Jesus wirklich da war. Ja, Er war wirklich da ... und verwandelte meine Tränen in Freudentränen.“

    Um den Glauben seiner Kindheit nun auf kräftigere Füße zu stellen, verordnete er sich eine herausfordernde Schule des Glaubens. Auch dies eine Parallele zum Kampf und Ernst des Footballs: „Bestimmte Bücher haben mich gefordert und an der Ehre gepackt wie ein Trainer. Mit Anfang 30 habe ich quasi meine Erstbildung bekommen: C.S. Lewis, G.K. Chesterton, Franz von Sales, Augustinus und andere, die mir nicht nur die Logik und Schönheit des Glaubens einsichtig machten, sondern mir auch die Grundwerte unserer westlichen Zivilisation auf neue Weise erklärten. Seltsamerweise waren mir diese zentralen Werke an keiner Elite-Uni begegnet.“

    Es geht um Bücher und um ein neues Denken

    Dann entdeckte Görtz in unmittelbarer Nähe zu seinem Berliner Büro die von indischen Vinzentiner-Patres geleitete St. Clemens-Kirche, oder besser: Sie entdeckte ihn. In dieser, nur durch Spenden und freiwillige Mitarbeiter erhaltenen Kirche findet der 46-Jährige Wachstum, Gemeinschaft und Freude: „Weil man dort Gottes Liebe und Barmherzigkeit erfahren kann.“ Lebendige Charismen ohne übertriebenen Leistungsanspruch. Ein heilendes Angebot für ihn, wie Jan-Philipp Görtz zugibt. Das ist eine Erfahrung, die er auch in seiner zukünftigen Funktion einbringt als internationaler Botschafter für die YOUCAT Foundation, die sich der Neuevangelisierung verschrieben hat. „Das ist ein fantastisches, weltweites Projekt, bei dem ganz eindeutig das Wirken von Gottes Geist zu spüren ist. Ein paar couragierte Leute haben mit bescheidenen Mitteln etwas im Glauben angefangen, haben Jugendliche dabei mitgenommen. Und sie erfahren Segen ohne Ende. Wichtig ist nach wie vor die betende Beziehung zu Gott. Ein Masterplan existiert ebenso wenig wie der Zugriff auf Kirchensteuermittel. Dafür gibt es ganz viel Leben und Begeisterung für die Reform und den Neuaufbruch der Kirche, für den auch Papst Franziskus steht.“ Es geht nicht nur um Bücher, die in allen wichtigen Sprachen der Welt parallel verlegt werden, aber sie sind die Basis eines neuen Denkens.

    Nicht nur junge Leute will Jan-Philipp Görtz für den modernen Jugendkatechismus YOUCAT und den Sozial-Katechismus DOCAT, die Y-Bibel und den im kommenden Jahr erscheinenden KIDS'CAT ansprechen – auch Politiker und Nicht-Regierungsorganisationen, Unternehmen und Universitäten, Bischöfe und kirchliche Organisationen will er zusammenbringen und mit den Möglichkeiten vertraut machen: „Wir haben eine Krise der Inhalte. Wir wissen nicht mehr, wofür wir stehen, was unsere Wurzeln sind, und wofür freiheitliche Gesellschaften kämpfen müssen, wollen sie nicht im Chaos der dramatischen Entwicklungen versinken.“

    Nach wie vor ist die Kirche ein global player. Weshalb das vom Lufthansa-Unternehmen großzügig gewährte Herumfliegen der Vergangenheit, das ihn in 70 Länder der Welt gebracht hat und mit vielen positiven Eindrücken verbunden war („Gott hat mir viele schöne Sonnenaufgänge gemalt“), wohl nicht weniger, sondern eher sinnvoller werden dürfte. Fliegen für den Herrn – auch ein „spannendes Spiel“.

    Wichtig sind Inkulturation und Partizipation

    Als Experte für Internationales Management weiß Görtz sehr wohl, dass es nicht darum gehen kann, dass die deutsch-österreichischen Erfinder des YOUCAT anderen Ländern und Kulturen ihren theologischen Stempel aufzwingen. „Inkulturation und Partizipation“ sind die Schlüsselwörter der modernen Mission. Görtz ist optimistisch, dass sich alles weiterhin gut fügen wird. „Gott führt die Menschen zusammen, die er braucht, damit die Evangelisation gelingen kann.“ Dass dabei oft durch die personellen Verknüpfungen auch menschliche Wunden geheilt werden, empfindet er als einen angenehmen Nebeneffekt der göttlichen Barmherzigkeit. Gottes Humor, sozusagen.

    Doch natürlich ist nicht alles immer nur lustig. Auch das weiß Jan-Philipp Görtz: „Vor einem Jahr, beim Germanwings-Absturz, war die Betroffenheit groß. Es war sogar in dem hochprofessionellen Dax-30-Unternehmen Lufthansa zu spüren, dass es Lebensbereiche gibt, die der Mensch nicht kontrollieren kann, wo er an seine Grenzen kommt.“ Und doch gibt es gerade in der Krise und der Not Gelegenheit zur tiefsten menschlichen Begegnung. Sich dafür vorzubereiten und bereitzuhalten, ist ein besonderer Auftrag für Christen.

    Jan-Philipp Görtz, der früh nach oben wollte, früh die internationalen Räume der Macht kennengelernt hat, weiß inzwischen, wo seine Grenzen liegen und ist gerade deshalb zuversichtlich, dass Jesus sie neu weiten wird. Denn: „Noch höher und weiter als beim Fliegen kommt man, wenn man mit den Engeln unterwegs ist.“ Das ist sein Wunsch für die neue Tätigkeit, mit der er im Januar 2018 beginnen will. Sein neues berufliches Abenteuer – mit dem Heiligen Geist als Flottenchef.