Zur laufenden Debatte um das „C“ in der CDU: Kritik an Merkel bald unerträglich

Das Maß der Selbstzerfleischung tiefgläubiger katholischer Christen, wenn es um das „C“ der Unionsparteien und Frau Merkel geht, wird allmählich unerträglich. „Selbst die in der Kraft des Heiligen Geistes lebende Kirche, ... die niemals aufgehört hat, das Zeichen des Heils in der Welt zu sein, ... weiß ..., wie groß der Abstand ist zwischen der von ihr verkündeten Botschaft und der menschlichen Armseligkeit derer, denen das Evangelium anvertraut ist“ (Gaudium et spes, 43).

Keinem wirklich Gläubigen würde es jetzt einfallen, der Kirche den Rücken zu kehren, jedoch zur Erneuerung beizutragen, in jedem Fall! Ecclesia semper reformanda! Die Kirche bedarf immer der Erneuerung. Um wieviel mehr aber gilt das für eine staatstragende politische Partei, die einzige immerhin, die sich programmatisch christlich nennt, nach dem Urteil vieler Strenggläubigen offenbar jedoch nicht übermäßig den Heiligen Geist für sich bemühte. Deutlich sei gesagt, dass ich vielen der „Bekenner“ von heute, „Frau Merkel, nein danke“ oder „Zweitstimme ist Merkelstimme, und die muss weg“ nicht abnehme, sie hätten Angela Merkel 2005 gewählt. Dann wäre ein Ergebnis, das die Kanzlerin in eine Große Koalition zwang und ihr die Gestaltungsmacht für eine sichtbar christliche Politik kläglich beschnitt, gar nicht erst zustande gekommen. Nein, viele „aufrichtige“ Christen, Katholiken, versagten offensichtlich gerade ihr, „Pastorentochter“, „Kohls Mädchen“, der „von Drüben“, und welche unfreundlichen Vorurteile man noch zitieren mag, von vornherein die Gefolgschaft. Waschen sie sich nicht jetzt mit den angeblich unchristlichen Inhalten der Merkelpolitik rein?

Nein, Angela Merkel bekam keine Chance, bereits 2005 nicht, doch sarkastisch fahre ich fort: Die hat sie genutzt! Einmal zeigte sie souverän ihre Führungskraft als Kanzlerin in einer diametral ausgerichteten Regierungskoalition, und das mit durchaus vorzeigbaren Ergebnissen. Zum anderen vertrat sie bravourös Deutschland in der Welt, wie höchstens noch der zweite Ehrenbürger Europas, Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, das fertigbrachte. Sie hat eine hohe Reputation, wird geachtet und verehrt. So sollten jetzt endlich auch die „tiefschwarz-katholischen Eifeler“, zu denen ich gehöre, und alle „strenggläubigen“ Christen bedenken, was sie dem „C“ schulden: Zum einen hingehen und wählen, damit überhaupt nach christlicher Wertordnung gestaltet werden kann! Zum anderen massiert und unermüdlich die Zentralen von CDU und CSU „bombardieren“ und buchstabieren, was „Christlich Demokratische Union“ und „Christlich Soziale Union“ nach dem Willen der Gründungsväter und -mütter im Anschluss an den Trümmerhaufen und das unermessliche Gräberfeld des „Heil Hitler“, auf dem auch mein Vater bei Ljubljana liegt, bedeuten: Christus und seine Wertordnung bleiben die Mitte Deutschlands und Europas, wenn die Union sich nicht selbst zerstören will. „Reformanda“, christliches Einmischen ist die Maxime, nicht unchristliches Verweigern!