Zur Rücknahme der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe: Ein Schlag ins Geschicht: Warum hat man nicht gewartet?: Gefährliches Spiel mit dem Feuer: Alte Aversionen brechen wieder auf: Wer hat die Panne zu verantworten?

Die vier Bischöfe der „Priesterbruderschaft Pius X.“ sind also nicht mehr exkommuniziert (DT vom 27. Januar). Diese Entscheidung des Papstes lässt mich etwas ratlos zurück. Die Sorge um die Überwindung eines Schismas ist sicherlich hoch anzurechnen. Doch sind die Anhänger Lefebvres – gesamtkirchlich betrachtet – nicht mehr als eine Splittergruppe. Wes Geistes Kind diese Leute aber sind, das zeigen die Äußerungen ihres Bischofs Williamson überdeutlich. Die Priesterbruderschaft ist ein Sammelbecken für den äußersten rechten Rand – nicht nur kirchlich, sondern auch politisch.

Der Umstand, dass die Exkommunikation ohne jede Bedingung aufgehoben wurde, ist aber nichts anderes als ein Schlag ins Gesicht für den „normalen“ Gemeindeklerus, der von den Lefebvrianern mit Verachtung und Hohn übergossen wird; aber auch für die Mitglieder der „Petrus-Bruderschaft“, die sich wegen ihrer Treue zum Papst vor zwanzig Jahren unter großen persönlichen Opfern von der Priesterbruderschaft getrennt hatten; letztlich für „progressive“ Theologen, die von so einer Großherzigkeit und Milde Roms nur träumen können – hier aber werden Schismatiker, die immerhin ein ganzes Konzil in Bausch und Bogen verdammen, ohne große Umstände wieder in Gnaden aufgenommen.

Heute, am Holocaust-Gedenktag, bekunde ich mein Unverständnis darüber, dass ausgerechnet ein Traditionalistenbischof wiederaufgenommen werden soll, der den Holocaust leugnet! Ist das nötig? Hat diese Wiederaufnahme nicht Zeit, bis Williamson seine Lüge widerruft? Ich bin traurig, dass immer wieder das jüdisch-katholische Verhältnis, was mühsam aufgebaut wurde, so gestört wird. Ich kenne inzwischen einige Juden und bin froh darüber und weiß, wie sensibel ihre Reaktionen sind, aus gutem Grunde. Im Übrigen erwarte ich von einem Bischof, gleich welcher Richtung, dass er das achte Gebot kennt: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“!

Das Gefährliche und Strafwürdige an der Leugnung der Judenvergasung durch die Nazis ist die volksverhetzerische Dynamik, die solchen Behauptungen innewohnt. Deshalb kann man Bischof Williamsons Einlassung auch nicht als abwegige historische Minderheitenmeinung einordnen, sondern muss sie als ein unverantwortliches Spiel mit dem rechtsextremen Feuer ansehen. Seine Befähigung zum Amt eines bischöflichen Seelsorgers dürfte er damit selbst in Frage gestellt haben.

Wenn nun aber Hans Joachim Meyer eine direkte Linie zieht von der dogmatischen Kritik am Zweiten Vaticanum durch die Priesterbruderschaft Pius X. zur Leugnung der Nazigreuel, dann ist das eine plump gestrickte Strategie, mit welcher der Präsident des ZdK lediglich die nachkonziliaren Missstände, denen der deutsche Episkopat und das ZdK seit langem willfährig Vorschub leisten, gegen jede Kritik immunisieren will.

Es wird interessant sein, wie lange es der Öffentlichkeit nun gelingen wird, die Faschismus-Keule gegen Papst Benedikt zu schwingen.

Wundern kann dies niemanden. Im Gegenteil: Mich persönlich hat es ohnehin befremdet, wie lange der Mainstream der deutschen Katholiken seine sorgfältig gehüteten Aversionen gegen den „kalten Glaubenswächter“ in Person des Josef Ratzinger unterdrücken konnte. Nun lässt man seinen Gefühlen wieder freien Lauf. Dabei schreckt man nicht einmal vor der unglaublichen Unterstellung zurück, der Papst wolle mit der Aufhebung der Exkommunikation von vier traditionalistischen Bischöfen den Antisemitismus innerhalb der Kirche salonfähig machen.

Niemand wird gezwungen, die Piusbruderschaft um den verstorbenen Erzbischof Lefebvre zu lieben oder ihr beizutreten. Nachdenkliche Beobachter haben sich aber schon lange gefragt, wie es sein kann, dass man in Rom für Anglikaner, Orthodoxe und andere Schismatiker den roten Teppich ausrollt, während man den „Piusbrüdern“ die Kirchen zusperrt. Papst Benedikt hat diesen Widerspruch, der die ökumenische Glaubwürdigkeit der Kirche massiv untergräbt, nun beendet. Ironie der Geschichte: Jetzt wird er ausgerechnet von denen angegriffen, die in Sachen Religionsverbrüderung und Ökumenismus normalerweise überhaupt keine Schmerzgrenzen kennen. Auch das gehört zu den Absonderlichkeiten der „Konzilskirche“.

Der Papst kann einem wirklich leid tun. Da müht er sich um Versöhnung mit den Traditionalisten und dann taucht dieser Bischof Williamson mit seinen völlig inakzeptablen Äußerungen auf und alles ist dahin. Hat man in Rom nicht rechtzeitig bemerkt, dass unter den vier Bischöfen einer ist, dessen Äußerungen Papst und Kirche schwer schaden können? In einer Partei hätte ein solches Kommunikationsdesaster handfeste Konsequenzen. In der Kirche wird man wohl nie erfahren, wer das zu verantworten hat.