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    Zur Diskussion um die Äußerungen des ZdK und den Zölibat in der katholischen Kirche: Für Priester beten: Knackpunkt Enthaltsamkeit: Verdunstung und Niederschlag

    Immer wieder, wenn auch in unregelmäßigen Abständen, lässt sich das ZdK vernehmen, dass der Zölibat gelockert oder abgeschafft werden solle (DT vom 1. September). Wissen diese Leute nicht, dass jeder Priester ein zweiter Christus ist und darum leben soll wie er? Haben diese Leute schon etwas von Berufung gehört? In diesem Wort steckt die Silbe „Ruf“. Männer, die Priester werden, haben einen Ruf vom Herrn gehört, der sie bis ins Herz getroffen hat. Darum wollen und können sie nicht anders, als diesem Ruf zu folgen.

    Immer wieder, wenn auch in unregelmäßigen Abständen, lässt sich das ZdK vernehmen, dass der Zölibat gelockert oder abgeschafft werden solle (DT vom 1. September). Wissen diese Leute nicht, dass jeder Priester ein zweiter Christus ist und darum leben soll wie er? Haben diese Leute schon etwas von Berufung gehört? In diesem Wort steckt die Silbe „Ruf“. Männer, die Priester werden, haben einen Ruf vom Herrn gehört, der sie bis ins Herz getroffen hat. Darum wollen und können sie nicht anders, als diesem Ruf zu folgen.

    Ich habe drei junge Männer auf ihrem Weg zum Priesteramt begleiten dürfen, einer davon war mein Schüler. Es war für mich unfasslich schön, dieses Wunder – denn das ist eine Berufung – zu erleben. Das Schönste war dann meine Teilnahme an der Priesterweihe. Eltern, Verwandte und Freunde waren gekommen und freuten sich mit den Priesteramtskandidaten auf ihre große Stunde, wo sie durch die Hand des Bischofs zu Priestern geweiht wurden. Dass wir so wenig Priesterberufungen haben, liegt daran, dass zu wenig um sie gebetet wird. Darum möchte ich alle „Tagespost“-Leser bitten, für und um Priester zu beten. Herrn Kardinal Woelki sei ein herzliches Dankeschön gesagt für seinen Einsatz um den priesterlichen Zölibat.

    Einige Bibelstellen werden verständlicherweise immer wieder als Argument gegen den Pflichtzölibat herangezogen (auch im Leserbrief von Beate Balling, DT vom 3. September). Jüngere detaillierte Studien über den Zölibat führen allerdings schriftliche Zeugnisse an, die es nahelegen, die vielzitierten Worte „ein Bischof dürfe nur einmal verheiratet sein“ (vgl. 1 Tim 3,2) und dasjenige aus dem Titusbrief, Bischöfe und Priester müssen „einer Frau Mann sein“ (Tit 1,6) nicht als Vielfrauenverbot auszulegen. Es scheint sich hier vielmehr um eine Vorschrift im Zulassungskatalog für Geweihte zu handeln. Demgemäß würde die Wendung „Einer Frau Mann sein“ auf einen Umstand verweisen, der als Beweis gefordert war, dass der Geweihte fähig ist, enthaltsam zu leben (siehe Stefan Heid, Zölibat in der frühen Kirche, Verlag Ferdinand Schöningh). Tatsächlich waren im ersten Jahrtausend der Kirche viele Bischöfe und Priester verheiratet, mussten aber vom Zeitpunkt der Weihe an enthaltsam leben.

    Eine weitere wichtige Unterscheidung zeigt McGovern in FKTh 14 (1998): Kirchenhistoriker, die die heute gängige öffentliche Meinung zum Zölibat geprägt haben, versäumten es, zwischen ius und lex zu unterscheiden. Die Rechtsordnung der Urkirche war zunächst nur in einigen Grundzügen schriftlich fixiert. Aber auch die mündlich überlieferten Rechtsnormen, galten als verpflichtend. Der Begriff ius umfasste das Gesamt aller bindenden Rechtsnormen, der Begriff lex bezeichnet nur die geschriebenen Rechtsnormen. Seit der Synode von Elvira (ca 305) scheint die Regelung des Zölibats zum ersten Mal schriftlich auf.

    Als ich las, die Aufhebung des Zölibats löse die Glaubenskrise nicht, konnte ich nur beipflichten. Was mir auffiel, war die Bemerkung über eine „Verdunstung des Glaubens“. Verdunstung ist ein physikalischer Begriff und bezeichnet den Übergang eines flüssigen Stoffes in einen gasförmigen Zustand, ohne dabei bis zum Siedepunkt erhitzt zu werden. Es ist ein niedrigenergetischer Prozess, der beispielsweise täglich unsere Erdatmosphäre mit Wasser anreichert und einen klimatischen Kreislauf auslöst, den wir alle kennen und als Lebensgrundlage benötigen. Vermutlich meinte der Generalvikar eher ein „Absterben“ des Glaubens. Denn als Gegenmaßnahme möchte er den Glauben wieder lebendiger machen. Bleiben wir beim Bild der Verdunstung, könnte man sagen: Hierzulande „verdunstet“ Glaube und woanders fällt er als „Niederschlag“ herab, etwa in Afrika. Was haben diese Menschen, dass sich Gott ihnen zuwendet? Der Geist weht, wo er will.

    Henny Pütt, 33098 Paderborn