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    Zur Diskussion um den priesterlichen Zölibat: Nur in Verbindung mit Christus möglich

    Ludwig M. Obereisenbuchner hat sicher recht, wenn er zur Diskussion um den Pflichtzölibat meint, dass die diesseitige Orientierung die entscheidende Rolle spielt (Leserbrief, DT, 3. Dezember). Jesus Christus, den Begründer des Priestertums, kann man sich nicht verheiratet vorstellen, sicher auch kaum den hl. Pfarrer von Ars. Darüber hinaus gibt es praktisch jeden Tag im Jahr eine oder mehrere heilige und selige Priesterpersönlichkeiten, die glaubwürdig die freiwillige Ehelosigkeit gelebt haben. Warum wird so wenig an sie erinnert?

    Ludwig M. Obereisenbuchner hat sicher recht, wenn er zur Diskussion um den Pflichtzölibat meint, dass die diesseitige Orientierung die entscheidende Rolle spielt (Leserbrief, DT, 3. Dezember). Jesus Christus, den Begründer des Priestertums, kann man sich nicht verheiratet vorstellen, sicher auch kaum den hl. Pfarrer von Ars. Darüber hinaus gibt es praktisch jeden Tag im Jahr eine oder mehrere heilige und selige Priesterpersönlichkeiten, die glaubwürdig die freiwillige Ehelosigkeit gelebt haben. Warum wird so wenig an sie erinnert?

    Zu diesen Priesterpersönlichkeiten zählen auch die heiligen Päpste und Bischöfe. Nehmen wir nur als kleines Beispiel die ersten Dezembertage. Am 1. Dezember ist der hl. Eligius verzeichnet, der nach dem Tode des Königs Dagoberts, dessen Ratgeber er als Goldschmied war, schließlich Priester und Bischof wurde. Es folgt der hl. Lucius, ebenfalls Bischof und Glaubensbote, dann der große Missionar, der hl. Franz Xaver, am 4.12. der vor allem im deutschen Sprachraum sehr wohl bekannte Gesellenvater, der sel. Adolf Kolping, am 5.12 der sel. Philipp Rinaldi, der aus einem Ort stammte, wo nach intensivem Gebet der Gläubigen hunderte geistliche Berufungen hervorgingen, nämlich aus Lu Monferrato in der Diözese Alessandria. Selbst alle von einem Monat zu erwähnen, würde den Umfang eines normalen Leserbriefes übersteigen.

    Die berühmt gewordenen Worte von Präsident Obama: „Ja, wir können es“ müssten freilich für die Einhaltung des Zölibats um eine kurze Bemerkung ergänzt werden. Es müsste heißen: „Ja, mit Gottes Hilfe können wir es!“ Das Wort aus dem 127. Psalm: „Wenn der Herr das Haus nicht baut, mühen sich die Bauleute vergeblich. Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht, wacht der Wächter umsonst“ wird immer seine Gültigkeit behalten. Der Herr wird dann mitzubauen bereit sein, wenn dies im Geiste Jesu Christi erfolgt. Seine bleibende Gegenwart hat er der Kirche zugesagt. Er hat aber auch anklingen lassen, dass das Reich Gottes einem Volk weggenommen werden kann, wenn es keine entsprechenden Früchte mehr abliefert. Kleinasien und Nordafrika, einst blühende christliche Gebiete, können als warnende Beispiele gelten.

    Die Bereitung fruchtbaren Bodens muss in einer christlichen Erziehung erfolgen. Der Besuch des Gottesdienstes an Sonn- und Feiertagen war bei uns daheim eine Selbstverständlichkeit. Nachmittags ruderten wir wieder meistens zur Andacht über den See nach St. Wolfgang. Selbstverständlich wurde auch das Gebet zuhause, meist am Abend, gepflegt. Durch Fernseher, Computerspiele und Internet-Surfen wurde sowohl der Sonntagsgottesdienst wie auch das Familiengebet zuhause weitgehend verdrängt. Wo aber das Ausstreuen des göttlichen Samens nicht erfolgt, können auch keine entsprechenden Früchte wachsen.

    Herr Obereisenbuchner macht die zutreffende Bemerkung, dass die Abschaffung des Pflichtzölibates vielleicht vorerst eine Lücke füllen würde, aber neue Probleme die Folge wären. Mir hat einmal ein alter evangelischer Pfarrer gesagt, dass er die katholischen Priester oft um den Zölibat beneidet habe und ein junger hat mir gestanden, dass sich seine Frau oft beschwert, dass er so wenig Zeit für sie habe. Die vielen Pastorenehen und selbst Bischofsehen in der evangelischen Kirche, die zerbrechen, bestätigen dies sehr deutlich.

    P. Leopold Strobl, A-5112 Lamprechtshausen