Zur Diskussion um den Zölibat: Helfen, lebenslange Treue zu leben

Die Zölibatsdebatte schlägt hohe Wellen. Die Stimmen, die Priester in ihrer Lebensform bestärken, sind nicht so zahlreich wie diejenigen, die die Beibehaltung des Zölibats in Frage stellen. Dabei wird nicht selten der Eindruck erweckt, als ob die Aufhebung des Zölibatsgesetzes die Lösung des „Problems Priestermangels“ darstelle. Man könnte als Gegenfrage stellen, wie es denn mit der Partnerschaftskompetenz und Ehefähigkeit in unserer Gesellschaft bestellt sei. Die Scheidungszahlen machen nachdenklich. In einer Zeit massenhafter Destabilisierung von Zweierbeziehungen erscheint nicht wenigen die Heirat von künftigen Priestern als Problemlösung für den mangelnden Priesternachwuchs.

Wäre es nicht angemessener, wahrzunehmen: Sowohl die Ehe als auch der Zölibat (sowie das Leben nach den Ordensgelübden) sind Grundformen des christlichen Lebens. Für beide Lebensformen gibt es gute Gründe. Aber die guten Gründe allein reichen nicht aus. Es muss gefragt werden: Was hilft, Ehe und Zölibat zu leben? Wie kann ein Leben in diesen christlichen Lebensformen gelingen?

In beiden Fällen handelt es sich um das Versprechen einer lebenslangen Treue im Dienst an einer Gemeinschaft. Aber die Realisierung dieses Versprechens ist zahlreichen Anfechtungen ausgesetzt. Dementsprechend sind Hilfen gefragt, die der Lebbarkeit von Ehe und Zölibat dienlich sind. Dies gilt besonders in Krisen, die zu jedem Leben gehören.

Dass die katholische Kirche an beiden Lebensformen festhält, ist nicht nur in der Tradition begründet, sondern kann durch gute Argumente plausibilisiert werden. Ehe entspricht der Wirklichkeit des Menschen und ihr „Schicksal“ hat weitreichende Auswirkungen für die Familie und darüber hinaus für die gesamte Gesellschaft (Benedikt XVI. hat die Friedensfähigkeit einer Gesellschaft nach innen und außen gekoppelt gesehen an die Friedensfähigkeit in der Ehe). Der Zölibat bedeutet die Bereitschaft zu einem ganzheitlichen Selbsteinsatz für den Glauben und die Kirche, es geht um den Dienst für Menschen in ihren Fragen nach dem letzten Woher und Wohin menschlicher Existenz.

Beide Lebensformen sind an psychologische und spirituelle Voraussetzungen geknüpft, die gezielt gefördert werden können. Wenn die aktuelle Diskussion statt in Vereinfachungen abzugleiten wirklich Hintergründe in den Blick nimmt und die Hilfen diskutiert, die beiden Lebensformen dienlich sind, könnte sowohl Eheleuten als auch Priestern der Rücken gestärkt werden.