• aktualisiert:

    Zur Diskussion um den Modernisierungskurs der Christdemokraten: Salzarme Beliebigkeitssuppe: Ermüdende Auseinandersetzung: Erst ruhig, dann „kalt“ stellen?

    Zwei Dinge sind es, die mich wütend machen; die Leichtigkeit, mit der die „C“-Parteien eigene, auch christliche Werte ganz oder durch Verwässerung aufgeben, und die Arroganz, mit der sie von christlichen Stammwählern ganz selbstverständlich erwarten, trotzdem gewählt zu werden.

    Zwei Dinge sind es, die mich wütend machen; die Leichtigkeit, mit der die „C“-Parteien eigene, auch christliche Werte ganz oder durch Verwässerung aufgeben, und die Arroganz, mit der sie von christlichen Stammwählern ganz selbstverständlich erwarten, trotzdem gewählt zu werden.

    Als bisheriger katholischer CDU-Stammwähler habe ich bei der vergangenen Wahl meine Zweitstimme einer anderen Partei gegeben. Dies sollte ausdrücklich ein „Schienbeintritt“ gegen die Führungsriege der CDU sein. Drei Hauptgründe dafür: Die Prinzipien der Marktwirtschaft wurden aufgeweicht, der Lebensschutz wurde relativiert, der Papst wurde beleidigt.

    Einige Beispiele: Ist das noch Marktwirtschaft, wenn man aus Angst vor Auseinandersetzungen an einem „die Rente darf nicht sinken Gesetz“ mitwirkt? Es geht nicht darum, dass die Renten gekürzt werden sollen, sondern es geht um die kindische Methodik der Heilsversprechung. (Macht doch mal Gesetze mit Glücksgarantie.) Wo ist das eherne CDU/CSU-Prinzip der Subsidiarität geblieben, als man angefangen hat, auf die zeitgeistigen Ohrenbläser einzugehen, die rufen „liebe Mütter, liebe Väter, der Staat ist der bessere Erzieher eurer Kinder, verlasst den Herd und die Kinder, geht lieber beide arbeiten“. Bisher habe ich gedacht, Subsidiarität könnte insbesondere für eine „C“-Partei heißen, Eltern in die Lage zu versetzen, ihre Kinder, finanziell abgesichert, gut zu erziehen.

    Dann gibt's die interessante Arbeitsteilung: Die Ministerin Frau Schavan und andere weichen den Lebensschutz auf, die Bundeskanzlerin schweigt, und die Partei wählt in Verneigung vor dem Zeitgeist Frau Schavan zur Vize-Parteivorsitzenden. Das Fass kam aber erst richtig zum Überlaufen, als die Kanzlerin dem Papst meinte sagen zu müssen, wo es langgeht.

    Bei alldem merkt man mir in Diskussionen natürlich an, dass ich kein überzeugter „C“-Wähler mehr bin. Über diesen Weg der negativen Stimmungslage werden die „C“-Parteien sicher noch einige Wähler am Rand verlieren, zumindest nur schwer welche hinzugewinnen.

    Die Öffnungsstrategen der „C“-Parteien sind außerordentlich blind für die Wirklichkeit. Aus vielen anderen Lebensbereichen ist bekannt, dass die kirchliche Wertestabilität auch bei Nichtchristen, wenn auch heimlich, anerkannt ist. Bekannt ist auch, dass sogar Minister, die für Gesamtschulen kämpften, ihre eigenen Kinder am liebsten in „erzkatholische Internate“ schickten. Ebenso gibt oder gab es sicher viele kirchenferne Wähler, die aus ähnlichen „Bauchgründen“ „C“-Parteien gewählt haben.

    Wenn die „C“-Parteien weiter entkernt werden, werden sie zu einer salzarmen Beliebigkeitssuppe und man nimmt auch den Randwählern, beziehunsgweise den möglichen Wechselwählern aus anderen Parteien, den Grund, sie zu wählen.

    Seit geraumer Zeit Leser der „Tagespost“ schätze ich den ausführlichen Überblick und die umfassende weltweite Information über die Aktivitäten und Lehrinhalte „meiner katholischen Kirche“, die mich vergewissern, immer wieder neu mein persönliches Glaubensbekenntnis fröhlich, friedlich und frei von Zweifeln zu beten. Vor allem die Wortprotokolle von Predigten unseres Heiligen Vaters sind ein echter Schatz an Erbauung. Dafür herzlichen Dank.

    Die ermüdende und dauerhafte Diskussion über das „C“ im politischen Raum ist jedoch weniger erfreulich und führt meist in eine Sackgasse, nämlich ob denn in dem „C“ der CDU/CSU etwas mehr „katholisch oder evangelisch“ im Tagesgeschäft stecken sollte oder ob die Entscheidungen der aus christlicher Überzeugung handelnden Politiker (männlich und weiblich) nur ihrem persönlichen Gewissen verantwortlich sind, wie es unser Grundgesetz verbindlich vorschreibt. Für die katholische Kirche jedenfalls steht seit dem Zweiten Vatikanum fest, dass es keine dogmatische katholische Glaubenslehre über den Staat gibt und auch nicht geben kann. Es gilt, die Inflation politischer Stellungnahmen mit „kirchenamtlichem Anstrich“ von mehr oder weniger „selbsternannten Kirchenmenschen“ einzudämmen, die selten über gutgemeinte Banalitäten – meist schon wochenlang in Medien, Funk und Fernsehen zerkaut – hinausgehen. Was oft die „normalen Christenmenschen“ gegen diese „Kirchenfunktionäre“ aufbringt, ist die häufig zur Routine gewordene Unart, im Brustton der höheren Moral politische „christliche“ Handlungsanweisungen für das Alltagsgeschäft zu erteilen. Besonders deshalb, weil schon seit geraumer Zeit den großen Kirchen die Fähigkeit abhanden gekommen ist, die „eigenen Schäflein im heimischen Stall zu halten“.

    Im Evangelium sagt uns der Herr, „mein Reich ist nicht von dieser Welt“ und ergänzt noch mit dem Gleichnis der Pharisäer (Lk 18, 9–14) „richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“. Deshalb sollte unter dem „C“ sich niemand zum Richter über die Gewissen anderer Menschen aufschwingen.

    Das Gesprächsangebot der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel an den Arbeitskreis Engagierter Katholiken (AEK) finde ich gut. Es gilt allerdings abzuwarten, was dabei herauskommt. Wenn am Ende deutlich werden sollte, dass das eine taktische Einladung war mit dem Ziel, die AEK-Leute erst ruhig und später „kalt“ zu stellen, kann ich davor nur warnen. Ich verstehe gut, dass sich die „C“-Parteien nach neuen Wählern umschauen müssen. Nur: Warum muss man deshalb die alten verprellen.

    Heribert Altpaß, 46049 Oberhausen

    Siegfried Haas, 91056 Erlangen

    Anika Maier, 33106 Paderborn