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    Zur Diskussion über die katholische Sonntagspflicht – Liturgische Missstände und Orientierungshilfe durch die Päpste : Zettelwirtschaft am Altar ersetzt Messbuch

    Man ist einfach sprachlos. Jetzt reiht sich auch noch Notker Wolf in die Reihe der „Aufbruch-Reformatoren“ ein. Kaum hatte man sich daran gewöhnt, dass man von Küng, Drewermann, Uta Ranke-Heinemann, Lammert und Geisler weniger hört, tritt der Abt-Primas auf den Plan. Als Katholik muss man heutzutage auf vieles gefasst sein.

    Man ist einfach sprachlos. Jetzt reiht sich auch noch Notker Wolf in die Reihe der „Aufbruch-Reformatoren“ ein. Kaum hatte man sich daran gewöhnt, dass man von Küng, Drewermann, Uta Ranke-Heinemann, Lammert und Geisler weniger hört, tritt der Abt-Primas auf den Plan. Als Katholik muss man heutzutage auf vieles gefasst sein.

    In einigen Sonntagsmessen, in denen offenbar die Beschlüsse von Liturgieausschüssen umgesetzt werden, fühlt man sich der „Zukunft“ zugewandt. So könnten künftige ökumenische Gottesdienste abgehalten werden. Es gibt Gottesdienste, in denen der Priester kein Messbuch nutzt, sondern mit Zetteln arbeitet. Statt einer Predigt muss man mit der Exegese der Pastoralreferentin beziehungsweise des Pastoralreferenten zufrieden sein. Weshalb halten diese relativ gut bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirche eigentlich keine regelmäßigen Maiandachten, Rosenkranzandachten oder Kreuzwegandachten ab? Erfreulicherweise gibt es sporadisch einige moderne Events mit religiösem Charakter. Sie ähneln aber teilweise sehr stark Veranstaltungen, wie sie auch von der Waldjugend abgehalten werden könnten.

    Seit der Veränderung der Liturgie der Heiligen Messe, so muss man leider feststellen, existiert die über Jahrhunderte gewachsene Tradition des Kirchenliedes nicht mehr. In guter Absicht hat man in das „Gotteslob“, speziell für die junge Generation, viele moderne Lieder, zum Beispiel von Rohr, eingebracht, aber die Jugend kommt immer weniger zu den Gottesdiensten. Die älteren Kirchenbesucher nehmen das moderne Liedgut sehr zögernd an. Es ist deshalb bedauerlich, wenn sich die Kirchenbesucher bemühen mitzusingen, sich der Gesang aber oft in ein hilfloses Bemühen älterer Stimmen beziehungsweise sich zu „Rohrkrepierern“ entwickelt. In guter Erinnerung bleibt das feierliche lateinische Hochamt am Sonntag, das religiöse Highlight der Woche. Weshalb gewachsenes Liedgut, wie die Deutsche Messe von Haydn und die Schubertmesse nicht mehr gesungen werden, ist überhaupt nicht zu verstehen. Kürzlich meinte ein Bekannter, der einige Male im Jahr zur Messe geht, die Schubert-Messe sei zu „schmalzig“.

    Die früher in der ganzen Welt verbreitete Kirchensprache Latein, die einzige globale Sprache über Jahrhunderte, wurde in Zeiten fortschreitender Globalisierung ausgerechnet von der katholischen Kirche zurückgenommen. Der Gregorianische Choral, die Gesänge wie Tantum ergo, Allerheiligen-Litanei et cetera, sind fast gänzlich verschwunden. Ein Hauptargument der frühen Reformer in den 1960er Jahren war, die Gläubigen, insbesondere die Jugend, würden die Inhalte nicht verstehen. Das stimmt natürlich nachweislich nicht. Wenn man etwas nicht lernt, kann man es auch nicht verstehen. Unsere Enkel beginnen teilweise im Alter von drei Jahren Englisch zu lernen, viele können mit sechs Jahren mit dem Computer und Handy umgehen. Kinder nehmen informierende Angebote schnell auf und sind förderungswürdig, ebenso wie es auch bei uns als Kinder der Fall war. Noch vor fünfzig Jahren konnte man an jeder Heiligen Messe, die irgendwo auf der Welt gefeiert wurde, aktiv teilnehmen. Wegen der vielen landsmannschaftlichen Mischliturgien und der Landessprache ist das in unserer Zeit nicht nicht mehr einfach.

    Die zweifellos sehr ehrenwerte Initiative „Ökumene jetzt“ sollte gut durchdacht werden. Die ersten Stufen wären nach unserer Ansicht eine theologische Koordination der weltweit über 300 protestantischen Glaubensgemeinschaften. Eine einheitliche Interpretation von Äußerungen der deutschen Diözesan-Bischöfe über katholische Themen wäre für den Katholiken sehr hilfreich, denn nicht alle Katholiken sind ausgebildete Theologen. In der Bundesrepublik ist das offensichtlich ein Problem. Trotz Bischofskonferenzen scheint die Kommunikation untereinander nicht zu klappen. Die Medienarbeit der katholischen Kirche in der Bundesrepublik wird nicht koordiniert. Die Toleranz mit allen möglichen Weltanschauungen und Geisteshaltungen wirkt manchmal schon etwas übertrieben, fast hilflos.

    In dem bürgerlichen Alltag ist die Kirche nicht mehr allzu oft präsent. Ordensleute und Priester haben weitgehend ihre Ordens- und Priesterkleidung abgelegt. Das mag zweifellos bequemer sein, eine Notwendigkeit oder Ratschläge dafür, glauben wir, gab es dazu nicht. Es ist nicht davon auszugehen, dass man sich schämt oder es am Bekennen fehlt, schade ist es trotzdem.

    Wer in der engeren und weiteren Familie Erstkommunikanten hat, muss sich auch darüber wundern, über welchen Kenntnisstand die Kinder verfügen. Die Wenigsten kennen die zehn Gebote, die sieben Sakramente, die Kirchengebote und die Grundgebete wie das Glaubensbekenntnis, Vaterunser, Ave Maria, Tischgebete, Rosenkranz und so weiter. Man fragt sich, wie effektiv waren eigentlich die Vorbereitungskurse wirklich. Gibt es keine verbindlichen Vorgaben über die Vermittlung eines minimalen Grundwissens für Kommunionkinder?

    Jetzt kommt Notker Wolf mit seiner Interpretation zur Sonntagspflicht – schwer zu fassen. Verstößt er mit seiner Auffassung nicht gegen die Regel des Heiligen Benedikt: Dem Gottesdienst ist nichts vorzuziehen? Man darf gespannt sein, was es demnächst noch an demokratischen Aufbruch-Gedanken in unserer einen, heiligen katholischen Kirche geben wird. Zum Glück haben wir in unserem Leben immer gute, fromme und trotzdem moderne Päpste erlebt, die uns klare Orientierungshilfen gaben und geben.

    Hans u. Christa Grimm,

    65779 Kelkheim i. Taunus