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    Zur Diskussion über die Wandlungsworte: „für viele“ oder „für alle“?: Überall Verständnisfallen: Übersetzen, nicht theologisch deuten: Verkündigung wäre wichtiger: Wer nicht in den Himmel will

    Welche Übersetzung dem, was Jesus gemeint hat, am nächsten kommt, wird nie endgültig zu entscheiden sein. Die Angst vor Missverständnissen kann aber kein Maßstab sein. Denn keine Formulierung ist dagegen gefeit. Das extreme Gegenstück zu der Meinung, die Hölle sei leer, ist doch Prädestinationsglaube oder gar Pharisäismus. Verständnisfallen sind überall. Die Kirchengeschichte zeigt es deutlich. Jesus, das Wort Gottes, sagt, dass wir ohne Ausnahme geliebt sind. Ob wir diese Liebe auch annehmen, das heißt darauf antworten und verantwortlich leben, steht auf einem andern Blatt. Er respektiert unsere Entscheidung. In der Apostelgeschichte geht Petrus ein Licht auf (Apg 10,34f): „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“

    Welche Übersetzung dem, was Jesus gemeint hat, am nächsten kommt, wird nie endgültig zu entscheiden sein. Die Angst vor Missverständnissen kann aber kein Maßstab sein. Denn keine Formulierung ist dagegen gefeit. Das extreme Gegenstück zu der Meinung, die Hölle sei leer, ist doch Prädestinationsglaube oder gar Pharisäismus. Verständnisfallen sind überall. Die Kirchengeschichte zeigt es deutlich. Jesus, das Wort Gottes, sagt, dass wir ohne Ausnahme geliebt sind. Ob wir diese Liebe auch annehmen, das heißt darauf antworten und verantwortlich leben, steht auf einem andern Blatt. Er respektiert unsere Entscheidung. In der Apostelgeschichte geht Petrus ein Licht auf (Apg 10,34f): „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.“

    Zum Leserbrief „Schluss mit dem Theologengezänk“ (DT vom 14. Mai): In einem Schreiben der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung vom 17. Oktober 2006 hat der Heilige Stuhl die Deutsche Bischofskonferenz angewiesen, innerhalb von ein bis zwei Jahren bei der deutschen Übersetzung der Messformulare auf die wörtliche Wiedergabe von „pro multis“ mit „für viele“ statt „für alle“ in den Wandlungsworten „umzustellen“ und die Gläubigen darauf vorzubereiten. Die gesetzte Frist ist inzwischen abgelaufen, ohne dass irgendetwas geschehen ist. Angeblich wollen die deutschen Bischöfe erst die anstehende Neuausgabe der muttersprachlichen Übersetzung des römischen Messbuches abwarten. Außerdem müssten die Gläubigen erst auf die Änderung hinreichend vorbereitet werden. Offensichtlich besteht jedoch für die einschlägige Katechese ein großer Handlungsbedarf. In der Tat wendet sich die Eucharistie, welche den Neuen Bund vergegenwärtigt, den Jesus beim „Letzten Abendmahl“ stiftet, als Einladung zum Heil zwar an alle Menschen, verwirklicht sich jedoch als Bundesgeschehen nur in denen, die im Glauben das Opfer Christi annehmen. Die Hingabe Jesu, sein Opfer für alle Menschen als Fundament des Neuen Bundes, schließt die persönliche Annahme von Seiten des Menschen ein. Die Annahme geschieht jedoch nicht automatisch, sondern erfordert die Bereitschaft des freien Willens im Glauben. Die Übersetzung „für viele“ stellt gerade diesen Gesichtspunkt ins Licht. „Ohne den Hinweis auf unsere freie Wahl werden wir in einen geistlichen und theologischen Determinismus geraten. Eine solche Lage würde der Ehrfurcht vor der Würde der menschlichen Natur nicht gerecht.“ (Erzbischof Ranjith) Gerade heute ist ein übertriebener Heilsoptimismus verbreitet, wonach alle Menschen „automatisch“ in den Himmel kommen, ohne dass ein Bemühen um Umkehr nötig wäre. Auch aus diesem Grund ist eine Erinnerung an den Ernst der christlichen Berufung mehr als angebracht. Im Übrigen ist der Ausdruck „für viele“ auch für die Einbeziehung jedes Menschen offen, betont jedoch darüber hinaus, dass die Erlösung nicht mechanisch geschieht: Die Gläubigen sind eingeladen, für ihren Glauben Zeugnis zu geben, damit sie unter die „vielen“ gezählt werden. Bis zur jüngsten Vergangenheit hat man, wie der Dogmatiker Manfred Hauke schreibt, niemals gewagt, die heiligen Worte der Wandlung „hyper pollon“ (griech.) beziehungsweise „pro multis“ (lat.) mit „für alle“ zu übersetzen. Die Aufgabe der Übersetzung jedoch ist von der theologischen Deutung streng zu unterscheiden: Das lateinische „pro multis“ der römischen Liturgie ist philologisch eindeutig mit „für viele“ zu übersetzen und nicht mit „für alle“. Während die Übersetzung „für viele“ korrekt dem biblischen Wortlaut entspricht, ist die Formel „für alle“ dagegen eine theologische Deutung der Wandlungsworte, die in der Theologiegeschichte auch nur eine Minderheit vertreten hat: Sie verändert das überlieferte Wort Jesu nicht nur, sondern ersetzt es gleichsam durch eine Theologie, welche an die Stelle des Herrenwortes tritt – im Grunde eine Ungeheuerlichkeit!

    Ich möchte Leserbriefschreiber Dr. Jestaedt unbedingt Recht geben: „Schluss mit dem Theologengezänk“ (DT vom 14. Mai). Für mich sind beide Formulierungen wie zwei Seiten einer Medaille. Wir sollten uns darauf konzentrieren, die Glaubenswirklichkeit, die damit ausgesagt ist, unseren Mitmenschen zu verkünden. Das ist wichtiger als Wortglauberei.

    Herr Dr. Jestaedt tut die Debatte um die Übersetzung der Einsetzungsworte „für viele“ ab als „Theologengezänk“. Er beruft sich hierfür auf die gesicherte Intention Jesu. Dieser hat zwar allen Menschen das Heil angeboten, aber nicht aufgezwungen. Wer sich diesem liebevollen Angebot verweigert, das heißt nicht in den Himmel kommen will, der öffnet sich selbst den Weg zur Verdammnis. Der heutige Papst hat in der von Herrn Jestaedt erwähnten Eucharistie-Predigt von 1978 nichts Gegenteiliges gesagt. Soweit die Evangelisten die Einsetzungsworte wiedergeben, heißt es bei ihnen übereinstimmend nur „für viele“. Die im vergangenen Jahr ergangene Weisung des Papstes, wieder zur korrekten Übersetzung zurückzukehren, ist von den deutschen Bischöfen bisher nicht befolgt worden.

    P. Franz Solan Nüßlein OFMCap, 49751 Sögel

    Norbert Clasen, 85072 Eichstätt

    Maria Werner, Bad Wörishofen

    Dr. Werner Esser, 50996 Köln-Rodenkirchen