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    Zur Diskussion über die Glaubwürdigkeit der Kirche: Ob gelegen oder ungelegen

    In Erinnerung an die Leserzuschrift von Herrn Pfarrer Engelbert Hofer (DT vom 23. Januar), in der er siebenmal mit einem „Könnte es sein, dass“ den Schwund kirchlicher Glaubwürdigkeit beklagt und darum bittet, sich zum Nachdenken anregen zu lassen, müsste man zunächst einmal sagen, dass die Idealgestalt von Priestertum und Kirche nur angenähert, aber nie erreicht werden kann, letztlich wegen der Gebrochenheit allen menschlichen Existierens.

    In Erinnerung an die Leserzuschrift von Herrn Pfarrer Engelbert Hofer (DT vom 23. Januar), in der er siebenmal mit einem „Könnte es sein, dass“ den Schwund kirchlicher Glaubwürdigkeit beklagt und darum bittet, sich zum Nachdenken anregen zu lassen, müsste man zunächst einmal sagen, dass die Idealgestalt von Priestertum und Kirche nur angenähert, aber nie erreicht werden kann, letztlich wegen der Gebrochenheit allen menschlichen Existierens.

    Hingewiesen sei jedoch auf John Henry Kardinal Newman, dessen Seligsprechung ansteht. Auch er beklagte bereits Schwunderscheinungen, etwa in seiner Predigt vom 1. Mai 1842 – da gehörte er noch der Anglikanischen Hochkirche an –, in der er nach gebührender Würdigung der großen Aufbrüche der Romanik ausführte: „Mit Bedauern stelle ich fest, dass der Geist der Buße nicht Schritt gehalten hat mit dem Geist der Freude“ und „unser Zeitalter hat bei all seiner ihm eigenen Güte diesen ernsten Mangel an sich, dass es eine ausschließlich freudige Religion liebt. Es ist entschlossen, die Religion zu etwas Hellem, Sonnigen und Freudigen zu machen, gleich welche Form sie dabei annimmt.“

    In unseren Tagen hat sie auf dieser Basis die Form der Verwirrung, mitunter fast die der allmählichen Selbstauflösung angenommen. In diesem Zusammenhang würde auch der Redebeitrag von Philippe Kardinal Barbarin, Erzbischof von Lyon, vom 7. Oktober 2008 bei der XII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode gesteigerte Aufmerksamkeit verdienen. Er führte nämlich aus, dass das Fehlen bestimmter Texte in der liturgischen Leseordnung auf unbegründete Ängste zurückgehe, die aufgedeckt werden müssten. Bestimmte Auslassungen ließen „unsere Katechese fade werden“. Natürlich werden Texte, die auch den vollen Ernst der Religion ansprechen, mitunter als sehr unangenehm empfunden. Hier aber wären Verkünder der guten Botschaft wie deren Empfänger wieder konfrontiert mit einem: „Könnte es sein, dass“ Abschnitt 14 der Konstitution über die Kirche aufgeschlagen werden müsste, um den Satz zu repetieren, der da lautet: „Nicht gerettet wird aber, wer, obwohl der Kirche eingegliedert, in der Liebe nicht verharrt und im Schoß der Kirche zwar dem Leibe, aber nicht dem Herzen nach verbleibt“. Sollte es sich so verhalten, dann müsste das auch bekannt gemacht werden, weil ja letzten Endes Allerlösungssprüche nicht greifen. Auch müssten dann Verantwortungsträger sprechen gemäß dem paulinischen „rede, sei es gelegen oder nicht gelegen“, weil ja Rechenschaftspflicht an Beauftragung gekoppelt ist.

    Pfr. i.R. Wolfram Fehrle, 70378 Stuttgart