• aktualisiert:

    Zur Diskussion über das Kölner Beschneidungs-Urteil: Jüdisches Leben in Deutschland fördern

    Vielen Dank für den profilierten Beitrag „So wird Religionsfreiheit beschnitten“ von Ingo Langner (DT vom 28. Juli): Gerade in Berlin erleben wir in den letzten Jahren ein neues Erwachen jüdischen Lebens und seiner Kultur. Dazu gehören Synagogen, das Jüdische Museum in Kreuzberg und jüngst die Eröffnung der ersten Rabbiner- Ausbildungsstätte in Potsdam. Viele in unserem Land begrüßen diesen Aufbruch; aber wie ernst ist das gemeint?

    Vielen Dank für den profilierten Beitrag „So wird Religionsfreiheit beschnitten“ von Ingo Langner (DT vom 28. Juli): Gerade in Berlin erleben wir in den letzten Jahren ein neues Erwachen jüdischen Lebens und seiner Kultur. Dazu gehören Synagogen, das Jüdische Museum in Kreuzberg und jüngst die Eröffnung der ersten Rabbiner- Ausbildungsstätte in Potsdam. Viele in unserem Land begrüßen diesen Aufbruch; aber wie ernst ist das gemeint?

    Der jüngste Angriff des Kölner Landgerichts auf die Beschneidung ist ein harter Schlag ins Gesicht der jüdischen Kultur und Identität. Wie viele Verdächtigungen hat das Judentum in seiner langen Geschichte ertragen müssen – und gerade in Deutschland? Verdächtigungen, die zu KZ und Vernichtung einer ganzen Kultur in unserem Land führten. Und was mögen unsere jüdischen Mitmenschen angesichts dieser Attacke auf diese 3 000 Jahre alte identitätsstiftende Tradition heute bei uns denken und fühlen?

    Hier entwickelt sich im Lager des Liberalismus und aggressiven Atheismus ein bedenkliches antisemitisches Gebräu. Wehret diesen Anfängen. Passende Argumente werden herbeigeholt: Das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und die Freiheit des Kindes. Klingt gut. Und was ist die Schulpflicht? Dieser Eingriff in die Freiheit des Kindes ist viel massiver als die kleine Beschneidung der männlichen Vorhaut.

    Doch der Schlag geht viel tiefer gegen die Religion an sich, die diese Klientel nicht ertragen will. Das ist Diktatur des Relativismus, die alles tolerieren will, nur nicht die Religion. Diese Ignoranz und rationalistische Kälte schmerzen mich.

    Konsequenterweise wäre der nächste Schritt die Abschaffung der Kindertaufe. Auch hier werden die Kinder nicht gefragt, sondern die Eltern entscheiden vorweg. Das Kölner Urteil ist ein trauriges Beispiel, wie ein überdrehter Liberalismus zur Ideologie wird. Als Christ erkläre ich meine Solidarität mit den jüdischen Mitmenschen und ihrer bereichernden Kultur in unserem Land. Ich möchte sie fördern und nicht behindern.

    Bernhard Gewers, Pfarrer, 13597 Berlin-Spandau