• aktualisiert:

    Zur Diskussion über Reformen in der katholischen Kirche: Eucharistisch leben: Worauf sich Kirche besinnen sollte: Erneuert aus der Krise hervorgehen: An und mit der Kirche leiden

    Die Leserzuschrift „Franziskanische Basisgemeinde“ zur Kirchenkrise (DT vom 15. Juni) reizt zum Widerspruch. Die Briefschreiberin sieht die Problematik des Priestermangels etwas zu oberflächlich:

    Die Leserzuschrift „Franziskanische Basisgemeinde“ zur Kirchenkrise (DT vom 15. Juni) reizt zum Widerspruch. Die Briefschreiberin sieht die Problematik des Priestermangels etwas zu oberflächlich:

    Wir haben ja nicht nur Priestermangel, sondern auch bedrückenden Diakonenmangel, obwohl doch für Diakone die Option von Weihesakrament sowie Ehesakrament gegeben ist. Der Diakon kann zwar den Priester nicht ersetzen, aber im Rahmen seiner Weihe ihm viel Arbeit abnehmen. Doch: Der verheiratete Diakon steht in einem Dilemma: Er muss seine Zeit teilen zwischen Beruf und Familie.

    Hauptursache jedoch für den Mangel an geweihten Amtsträgern ist die Glaubensmüdigkeit in unserer Wohlstandsgesellschaft. War es Zufall oder die Vorsehung Gottes? In derselben Nummer stand als Gegenargument das mutmachende Interview mit Weihbischof Rainer Maria Woelki: Grundthema: „Eucharistisch leben“. – Hat die Leserbriefschreiberin die Akzente nicht doch falsch gesetzt?

    Bezugnehmend auf den Leserbrief: „Maßstäbe müssen überdacht werden“ (DT vom 15. Juni) von Monika Hörmann von der Franziskanischen Basisgemeinde, möchte ich als junger Katholik antworten:

    Der Leserbrief von Frau Hörmann beruht auf großen Missverständnissen. Die Lesart zeigt ein Denken, welches sich am Ungehorsam der Priester vor Ort orientiert und weniger an der Kirche selbst und zeigt auf, dass der Ungehorsam nicht mehr als solcher erkannt wird. Wenn ich die unwahrhaftige Vorgehensweise mancher Priester im Bezug auf wiederverheiratet Geschiedene oder konfessionsverschiedene Ehepaare als Maßstab der Kirche sehe, so muss ich der Leserbriefschreiberin zustimmen. Das ist die Crux, in der sich die Kirche in Deutschland befindet. Die Gläubigen hinterfragen nichts mehr und sehen somit entweder nur noch Verbote und lieblose Gesellen oder eben unwahrhaftige Priestergestalten.

    Zustimmen kann ich aber der Schreiberin in Bezug auf Beziehungen hetero- und homosexueller Art. Die Kirchenleitungen wissen von den betreffenden Priestern und schauen hier großzügig weg. Die Kirchenleitung weiß auch, dass ein nicht geringer Teil des Klerus homosexuell veranlagt ist. Hier sehe ich die Unaufrichtigkeit der Kirche, die alle Homosexuellen zur Enthaltsamkeit aufruft, jedoch im eigenen Klerus großzügig darüber hinwegsieht.

    Das alles heißt nicht, dass die Kirche sich von ihren Anfängen verabschieden müsste. Im Gegenteil! Die Kirche reformiert sich am besten darin, wenn sie sich wieder auf das besinnt, was Kirche ausmacht. Ein ungezügelter Modernismus würde die Kirche in die Bedeutungslosigkeit führen (siehe protestantische Kirchen!).

    Glauben heißt, es erfahren haben und es noch erwarten. Was uns in allen Lebenslagen trägt und Hoffnung gibt, ist der Glaube: „Wir sind nicht wie die, die keine Hoffnung haben“, heißt es im Brief des Heiligen Paulus an die Thessalonicher. Lebenshilfe empfangen wir auch durch die Bibel, die für alle Generationen geschrieben wurde und somit auch für die gegenwärtige Zeit aktuell ist.

    In der Kirche, dem mystischen Leib Jesu Christi, haben wir eine irdische Heimat, egal, in welchem Land wir uns auch befinden mögen. Eine Glaubensgemeinschaft über Grenzen hinweg. Sie vermittelt uns die Richtlinien für unser Leben, sie ist wie ein Kompass in einer orientierungslosen Welt. Das Reich Gottes in dieser Welt wird durch die universale Kirche repräsentiert. An die Kirche glauben bedeutet, dass Gott in ihr gegenwärtig ist durch die Sakramente, dass Er dort mehr als irgendwo wirkt. Die Kirche ist die Quelle des religiösen Lebens. Der Glaube aber ist die Realität des Lebens! In Krisenzeiten, gleich welcher Art, kommt der Glaube besonders zum Tragen. Die Kirche wird weiterbestehen bis zum Ende der Zeiten, wie es uns verheißen ist, denn „die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“. Aus jeder Krise im Laufe der Geschichte ist die Kirche immer wieder erneuert und gestärkt hervorgegangen und so geschieht es auch jetzt!

    In dem Leserbrief von Monika Hörmann und ihrer franziskanischen Basisgemeinde habe ich gelesen: „Gleichzeitig leiden wir an der Kirche, an ihren Schwächen, insbesondere an Unwahrhaftigkeit und mangelnder Aufrichtigkeit“ (DT vom 15. Juni).

    Der katholische Christ soll als ein wahres mystisches Glied des Leibes Jesu Christi mit der Kirche unter ihrem Haupt, dem Papst, der der Stellvertreter Jesu Christi auf Erden ist, vereint sein, damit er auch wegen der Kirche und mit der Kirche leiden kann. Dies bezeugt uns auch der heilige Apostel Paulus mit den Worten: „Euch wurde die Gnade zuteil, für Christus dazusein, also nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch seinetwegen zu leiden“ (Phil 1,29).

    Dieser Berufung aber kann der katholische Christ nur entsprechen, wenn er mit dem Papst vereint ist und unter diesem mit der Kirche. Denn jedes wahre Glied des Leibes ist immer unter seinem Haupt. Wenn aber ein Christ in der heiligen katholischen Kirche sich dem Haupt nicht unterordnen will, ist er ein Scheinheiliger oder ein Heuchler.

    Edgar Friedrich, Ständ. Diakon und Vater einer großen Familie, 87767 Niederrieden

    Marcus Lehmann, 81737 München

    Helma Apel, 4410-390 Arcozelo, Portugal