Zum „Tagespost“-Interview mit Unionsfraktionschef Volker Kauder: CDU ist nicht christlicher als die Christen insgesamt

Zunächst besten Dank, dass Sie dieses ausführliche Interview mit dem Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU Volker Kauder gebracht haben. Auch wenn ich mir persönlich insbesondere in Fragen des Lebensschutzes und der Familienförderung eine eindeutigere Haltung der CDU/CSU gewünscht hätte, so muss ich doch Herrn Kauder zustimmen, wenn er fragt, „ob die CDU dafür verantwortlich sei, dass sich immer weniger Menschen zu den Kirchen bekennen“. Und er trifft auch den Nagel auf den Kopf, wenn er weiter ausführt: „Wenn die Kirchen immer weniger Menschen binden können, nimmt die Zahl der Christen ab.“ Das habe dann auch Auswirkungen auf den Anteil der Christen in der Union. Kurzum, auch die Mitglieder der Parteien sind ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Wenn der Anteil der praktizierenden Katholiken und Protestanten immer kleiner wird, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn auch in einer Partei, die immerhin noch den Mut hat, das „C“ im Namen zu tragen, der Anteil der aktiven Christen kleiner wird.

Hinzu kommt, dass selbst in der katholischen Kirche in vielen auch ethischen Fragen leider kein Konsens mehr besteht. Von den unterschiedlichen Auffassungen zwischen der katholischen und evangelischen Kirche ganz zu schweigen. Allein die Tatsache, dass seinerzeit noch nicht mal die Deutsche Bischofskonferenz einmütig die Europäische Bürgerinitiative „Einer von uns“ unterstützt hat, zeigt doch, wie unterschiedlich schon innerhalb unserer Kirche viele Fragen gesehen werden. Von daher finde ich es auch mehr als unfair, von der Union zu verlangen, dass sie die „reine Lehre“ vertritt. Viel wichtiger wäre es, wenn sich mehr überzeugte Christen in der Partei einbringen würden, statt sie nur von außen zu kritisieren. Wie heißt es doch so schön: Wenn Du die Welt – hier die Partei – verändern willst, dann fange bei dem Menschen an, den du morgens im Spiegel siehst.