Zum Interview mit Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff: Vorbildfunktion verspielt

Bei der Ausgabe vom 21. Mai fiel mir sofort das Foto des Ministerpräsidenten Wulff auf der Titelseite der „Tagespost“ auf (Interview: „Wir brauchen die Seismographenfunktion der Kirche“). Von ihm war ja in der letzten Zeit oft die Rede im Hinblick auf seine Scheidung und Wiederverheiratung. Wie ist es möglich, dass ein solcher Mann, der sich katholisch nennt, trotz seines Ehebruchs durch ein Interview so hervorgehoben wird?

Als katholischer Christ hätte er gerade als Ministerpräsident Vorbildfunktion, die er aber durch seine Eskapaden verspielt hat. Noch vor einigen Jahren stellte er sich und seine Familie im „Bonifatiusboten“ als gläubige katholische Christen dar. Katholisch sein heißt aber auch, nach den Geboten Gottes leben. Das ist bei ihm aber nicht der Fall. Betreffs seiner Wünsche und Erwartungen im Hinblick auf den Katholikentag, wie Amtsverständnis, Zölibat, Frauenordination, weiß man, woher der Wind weht.

Als katholischer Zeitung, die ich seit vielen Jahren beziehe und schätze, stände es der „Tagespost“ gut an, Interviews solcher Leute nicht zu bringen, denn sie sind, nicht nur für mich, eine Enttäuschung, ja ein Ärgernis.