Zum Interview mit Erzbischof Zollitsch über das Familienwahlrecht: Bedenken, die man entkräften kann

Das Familienwahlrecht ist seit langem ein ernstes Anliegen von um die Situation der Familie als solcher besorgten Persönlichkeiten, soweit ich unterrichtet bin auch im Vatikan und im Europäischen Parlaments wie auch in der „Tagespost“. Die geäußerten Bedenken von Erzbischof Zollitsch (DT vom 26. April) dürften da wie eine Bremse wirken.

Auch vermag ich seinem Gedankengang nicht zu folgen. Das Anliegen des Familienwahlrechts besteht doch nicht darin, den minderjährigen Kindern eine parlamentarische Stimme zu geben. Dem könnte leicht genügt werden, indem man ihnen das Stimmrecht verleiht. Das Anliegen des Familienwahlrechts sind die Rechte der Familie als der Lebenszelle aller menschlichen Gemeinschaften, nicht zuletzt des Staates selbst.

Dass die Familie in nicht nur einer Hinsicht unterprivilegiert ist, stellt nicht nur angesichts ihrer Bedeutung einen unerhörten Skandal dar, sondern bedarf um der Zukunft, ja der Existenz unseres Volkes willen dringend der Änderung. Da die Familie in der Politik offensichtlich keine Lobby besitzt, die einsichtig und selbstlos genug ist, für diese Aufgabe kämpfen zu wollen und sich für sie einzusetzen, muss es eben die Familie selber tun. Das Familienwahlrecht scheint da der einzige Hebel zu sein, der für die Familie eine Hoffnung darstellt. Ich kann, wie bereits angedeutet, in der Sorge um das Demokratieverständnis kein ernsthaftes und nicht zu lösendes Problem erkennen, da es nicht um die Meinung der Kinder, sondern um die Existenz der Familie geht. Teilt man jedem Elternteil für jedes Kind eine halbe Stimme zu, so sind auch die anderen von Erzbischof Zollitsch geäußerten Bedenken hinfällig.

Von den Familien hängt doch die physische Fortexistenz sowohl des Volkes als auch der Kirche ab und damit beispielsweise auch die Zahl der Priester und Ordensberufe und die Weiterüberlieferung der gesamten geistigen und geistlichen Schätze des deutschen Volkes. Demgegenüber erscheinen mir die geäußerten Bedenken bedeutungslos und dürften vernachlässigt werden.