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    Zum Beitrag „„Klassenkampf statt Bildungsstreik“: Nichts gemerkt von Unterwanderung

    Zu dem Artikel „Klassenkampf statt Bildungsstreik“ (DT vom 20. Juni): Dieser Artikel ist einseitig, unsachlich und überzogen. Bereits der Untertitel ist eine glatte Unwahrheit: „Linke Gruppierungen haben in dieser Woche Schüler und Studenten auf die Straße geschickt“. Dasselbe gilt vom ersten Satz des Artikels: „Der Bildungsstreik... war eher ein Aufruf zur Gewalt.“ Im Verlauf des Artikels ist dann von „Krawallen“ die Rede und dass man wie bei der 68er-Revolte den „Umsturz“ wolle.

    Zu dem Artikel „Klassenkampf statt Bildungsstreik“ (DT vom 20. Juni): Dieser Artikel ist einseitig, unsachlich und überzogen. Bereits der Untertitel ist eine glatte Unwahrheit: „Linke Gruppierungen haben in dieser Woche Schüler und Studenten auf die Straße geschickt“. Dasselbe gilt vom ersten Satz des Artikels: „Der Bildungsstreik... war eher ein Aufruf zur Gewalt.“ Im Verlauf des Artikels ist dann von „Krawallen“ die Rede und dass man wie bei der 68er-Revolte den „Umsturz“ wolle.

    Ich habe auf Einladung der Studenten selbst mitgewirkt beim letzten zentralen Vorbereitungstreffen für die Bildungsstreikwoche Ende Februar in Erfurt, wo etwa fünfzig bis sechzig Vertreter und Vertreterinnen aus allen großen Universitäten Deutschlands anwesend waren und mit vorbildlicher Gesprächskultur Ziele und Aktionen besprochen haben. Von einer Lenkung oder Unterwanderung durch linke Gruppierungen habe ich dabei nichts bemerkt. Die Studenten waren geradezu ängstlich darauf bedacht, die demokratische Ordnung zu wahren.

    Dass einzelne linksorientierte Studenten beteiligt waren, wird man hoffentlich niemandem vorwerfen wollen. Am Mittwoch hatte ich zwar meine eigene Abschiedsvorlesung, ich ließ es mir aber nicht nehmen, wenigstens zwei Stunden lang auf dem Demonstrationszug mitzumarschieren. Es waren nach meiner eigenen Schätzung hier in Mainz etwa 3 000 Demonstranten, friedliche, harmlose Jugendliche. Die Parolen auf den Transparenten waren moderat.

    Ich bin zwar der Meinung, dass man nicht gleichzeitig gegen Verschulung und für die Massenuniversität sein kann, aber nur wer die Situation an den Schulen und Universitäten nicht kennt, kann den Betroffenen einen Vorwurf machen, dass sie auf die Straße gehen. Ich hoffe, dass die Professoren demnächst dasselbe tun.

    Am meisten habe ich mich gewundert, dass Herr Riebel keinerlei Verständnis für die symbolischen Aktionen „Banküberfall“ aufbringen konnte. Hat man noch nie etwas von prophetischen Zeichenhandlungen gehört? Hat nicht ein gewisser Jesus aus Nazareth so eine im Tempel von Jerusalem vollzogen, wobei es sogar etwas „Krawall“ gab? Und hat nicht selbiger Jesus etwas ziemlich Kritisches über den Mammon gesagt? Und ist es so ganz daneben, wenn einem dieses Herrenwort in diesem Zusammenhang einfällt?

    Ist es nicht wirklich skandalös, dass man zur Rettung von Banken Unsummen Geld hat, zur Rettung des Geistes und der Bildung aber fast nichts? Vielleicht sollte man auch darauf hinweisen, dass unter dem Etikett „Bologna-Prozess“ eine Institution zu Grabe getragen wird, die zu den größten Kulturleistungen des christlichen Europa gehört. Man redet in der Kirche so gerne von den Zeichen der Zeit. Aber dieses wird geflissentlich übersehen.

    Professor Dr. Marius Reiser,

    55262 Heidesheim