Was man nie vergessen sollte, aber meist vergessen wird : Die Tankanzeige als Denkanstoß

Am Wochenende war mal wieder Ewige Anbetung in unserer kleinen Pfarrkirche. Wie immer dasselbe Publikum: Die reinste Ü 70 Party (Junggebliebene über 70, meist weiblich). Hätte man einen Euro Eintritt verlangt, hätte man 15 Euro eingenommen. Nachdem der Rosenkranz gebetet wurde und auch eine Bittandacht, sollte eine Andacht zum Dank folgen. Über die Hälfte der Anwesenden verschwand daraufhin aus der Kirche. Ohne die Frömmigkeit solcher Leute anzweifeln zu wollen, ist es doch mal wieder angebracht, darüber nachzudenken, wie wichtig das Danken ist und wie selten wir das in der Realität tun.

Sei es der Taxifahrer Daniel aus dem Film „Taxi 3“, der dem Polizisten Emilian mit Mühe ein „Danke“ abringt, als er diesem das Leben rettet, die Schwiegertochter der Schwiegermutter, der zuvorkommende Türaufhalter dem gehetzten Geschäftsmann oder der Torwart dem Abwehrspieler, dessen verschuldeten Elfmeter er hielt: Dankbarkeit ist zu einer vergessenen Tugend geworden.

Doch wenn Menschen untereinander vergessen zu danken, wie soll man erwarten, dass sie sich ab und an ihrem Schöpfer dankbar zeigen, dem sie viel mehr zu verdanken haben? Nicht umsonst gibt es ein Kirchenlied, welches mit der Strophe beginnt: „Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan.“

Wollen wir es den Menschen doch nicht verdenken: Danken kommt von denken, und an so etwas denkt doch keiner! Es gibt viel Wichtigeres, die Eurokrise hält den Ottonormaltagesschaubetrachter in Atem, der Machtwechsel in Libyen, die Niederlage der Bayern... Letztlich ist es nur die Spritanzeige, die sagt: „Vergiss nicht zu tanken (danken).“

Aber wenn wir doch nur einmal unser Leben betrachten, die Natur, unsere Freunde, unser Umfeld, finden wir da nicht genügend Grund, mal „Danke“ zu sagen? Oder nehmen wir aus lauter Habgier und Unzufriedenheit die Dinge schon längst für selbstverständlich hin?

Kein Wunder, dass der dritte Vers im Psalm 10 klagt: „Sie geben auch noch damit an, dass sie so unersättlich sind. Nichts zählt bei ihnen, nur der Gewinn. Sie danken dir nicht, Gott, sie lästern nur!“

Vielleicht können Sie heute schon damit beginnen. Wenn Sie und ich heute schon besonders dankbar sind für die kleinen Freuden des Alltags, für all die Gaben, die Gott uns geschenkt hat, dann werden früher oder später andere nachziehen. Denn Dankbarkeit steckt an. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.