• aktualisiert:

    Urteil des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe zur Erbschaftsregelung bei eingetragenen Lebenspartnerschaften: Ist denn Homosexualität wirklich Veranlagung?

    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht über das Bundesgerichtshof (BGH)-Urteil zur Erbschaftsregelung bei eingetragenen Lebenspartnerschaften „Jetzt geht es um Adoption“ (DT vom 21. August) – wie im Übrigen auch für die scharfsinnige juristische Analyse des Urteils des Straßburger Gerichtshofs für Menschenrechte zum Thema „Recht auf Homo-,Ehe‘“ mit Titel „Richter als Gesetzgeber“ (DT vom 10. Juli). Bei all diesen Überlegungen, so begründet und notwendig sie auch sein mögen, drängt sich mir doch immer wieder die Frage auf, ob nicht letztendlich all die endlosen Debatten über Diskriminierung und „Rechte“ bestenfalls müßig sind, solange die zu Grunde liegende Kernfrage nicht abschließend geklärt ist: Was ist denn nun eigentlich Homosexualität? Es wird so getan, als sei die Frage längst geklärt: Der „Zustand“ der Homosexualität sei ein wie auch immer entstehendes, wo auch immer verankertes, aber eben unveränderliches Wesensmerkmal einer Person, ihre „Veranlagung“ eben. Solange diese (politisch korrekte) Prämisse nicht mehr hinterfragt wird, gibt es kaum noch Argumente, warum Homosexuelle nicht dieselben Rechte genießen sollten wie Heterosexuelle.

    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht über das Bundesgerichtshof (BGH)-Urteil zur Erbschaftsregelung bei eingetragenen Lebenspartnerschaften „Jetzt geht es um Adoption“ (DT vom 21. August) – wie im Übrigen auch für die scharfsinnige juristische Analyse des Urteils des Straßburger Gerichtshofs für Menschenrechte zum Thema „Recht auf Homo-,Ehe‘“ mit Titel „Richter als Gesetzgeber“ (DT vom 10. Juli). Bei all diesen Überlegungen, so begründet und notwendig sie auch sein mögen, drängt sich mir doch immer wieder die Frage auf, ob nicht letztendlich all die endlosen Debatten über Diskriminierung und „Rechte“ bestenfalls müßig sind, solange die zu Grunde liegende Kernfrage nicht abschließend geklärt ist: Was ist denn nun eigentlich Homosexualität? Es wird so getan, als sei die Frage längst geklärt: Der „Zustand“ der Homosexualität sei ein wie auch immer entstehendes, wo auch immer verankertes, aber eben unveränderliches Wesensmerkmal einer Person, ihre „Veranlagung“ eben. Solange diese (politisch korrekte) Prämisse nicht mehr hinterfragt wird, gibt es kaum noch Argumente, warum Homosexuelle nicht dieselben Rechte genießen sollten wie Heterosexuelle.

    Genau hier liegt aber der Hase im Pfeffer, denn – und damit bewegt man sich zunehmend in einem schlüpfrigen, ja diskriminierenden und damit schon so gut wie strafrelevanten Bereich – ist diese Prämisse alles andere als glasklar und unstrittig. Es gibt eine Vielzahl an Forschungsergebnissen aus den vergangenen Jahrzehnten, die nahelegen, dass sich das Dogma „angeboren und unveränderlich“ nicht halten lässt – dagegen sprechen sexualwissenschaftliche, psychologische, biologische und anthropologische Fakten und nicht zuletzt die persönlichen Zeugnisse Betroffener, die den Weg der Veränderung gegangen sind.

    Es ist unbegreiflich, warum diese Dinge nicht nachhaltiger geklärt werden, bevor auf höchster internationaler Ebene weitreichende Forderungen von bis jetzt noch nicht abzuschätzender Tragweite immer vehementer geltend gemacht werden. Mir fallen nur zwei Erklärungen ein: Entweder es interessiert wirklich niemanden, oder es wird alles darangesetzt, das Interesse in eine andere Richtung zu lenken. Ersteres wäre Fahrlässigkeit, letzteres bestenfalls Egoismus, beides führt in die falsche Richtung. Wenn es um das Thema „Homosexualität“ geht, höre ich in der Öffentlichkeit und Politik sowie in den „Leitmedien“ immer nur „technokratische“ und ideologische Argumente (Rechte, Diskriminierung, Wiedergutmachung, „moralischer Imperativ“, so Obama), aber es geht niemals um die „conditio“ selbst. Merkwürdig, wo unsere Gesellschaft ansonsten doch dazu neigt, wirklich alles bis ins letzte Atom und noch darüber hinaus zu sezieren. Doch in diesem Bereich geht es niemals um Fakten zum Phänomen „Homosexualität“ selbst, denn das könnte ja Erklärungsbedarf nach sich ziehen. Es geht immer nur um Konsequenzen und Rechte, die nun daraus abgeleitet werden müssten. Praktischerweise haben natürlich auch die Autoren der radikalen Jogjakarta-Prinzipien gefordert, die Staaten der Welt müssten Menschen mit abweichender sexueller Orientierung vor jedweden medizinischen oder psychologischen Behandlungen beziehungsweise entsprechenden Forschungsvorhaben „schützen“ (Prinzip 18). Das unterminiert nicht nur die so viel beschworene Selbstbestimmung, die sonst für alles Mögliche herhalten muss, sondern will auch sämtliche Vorhaben unter Strafe gestellt sehen, die den tonangebenden Aktivisten nicht passen. (Wer wirft doch sonst immer der Kirche vor, sie unterdrücke in „mittelalterlicher“ Manier Wissenschaft und Forschung?) Wer aber eine Behauptung nicht mit Fakten untermauern kann, erklärt sie halt zu einem nicht hinterfragbaren Dogma, stellt abweichende Meinungen (selbst wenn sie sich stichhaltig belegen lassen) unter Strafe und hält sich so den Rücken frei, um vor dem Hintergrund einer scheinbar geklärten Fragestellung von der Gesellschaft und vom Staat Rechte einzufordern. Das muss gar nicht mal bei jedem Einzelnen in böser Absicht geschehen, doch irgendwann ist diese Vorgehensweise so eingefahren, dass sich keiner mehr etwas dabei denkt. Letztendlich gilt allerdings, dass die Fakten sich nicht so einfach vom Tisch wischen lassen. Die Mechanismen wirken weiter, ob man das nun wahrhaben will oder nicht. Früher oder später wird das, was wider besseres Wissen und unter Ausblendung unliebsamer Fakten durchgepeitscht wurde, Konsequenzen haben. Das geht gar nicht anders. Allerdings ist das nur ein schwacher Trost, da heute keiner weiß (oder wissen will) oder auch nur abschätzen kann, wie viel Leid und Unrecht bei der aktuellen Fahrtrichtung noch vom Zaune gebrochen werden wird.

    Ingo Potthast, 26160 Bad Zwischenahn