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    Streitereien und Spaltungen innerhalb der katholischen Kirche und unter den Konfessionen: Als Grundhaltung braucht es Demut

    Eindeutig lauten die biblischen Mahnungen zur Einheit im Glauben, doch die Geschichte der Christenheit ist geprägt von unzähligen Spaltungen. Bei der Frage, was denn immer wieder falsch gelaufen sei, sollten wir uns in erster Linie einmal darüber klar werden, was der Verwirklichung der Einheit diametral entgegensteht. Welches sind jene menschlichen Faktoren, die ein solches Ziel von vornherein verfehlen? Was hindert die Ökumene letztendlich an einem guten Gelingen?

    Eindeutig lauten die biblischen Mahnungen zur Einheit im Glauben, doch die Geschichte der Christenheit ist geprägt von unzähligen Spaltungen. Bei der Frage, was denn immer wieder falsch gelaufen sei, sollten wir uns in erster Linie einmal darüber klar werden, was der Verwirklichung der Einheit diametral entgegensteht. Welches sind jene menschlichen Faktoren, die ein solches Ziel von vornherein verfehlen? Was hindert die Ökumene letztendlich an einem guten Gelingen?

    Auf der Suche nach den maßgebenden Werten und nach entscheidenden Wahrheiten ließen sich immer wieder religiöse Schwärmer, aber auch ernsthafte Theologen von bestimmten religiösen und moralischen Aspekten besonders beeindrucken und setzten dabei Prioritäten, durch die sie zu der maßgebenden Meinung Roms zwangsläufig in Gegensatz gerieten. Ein besonders klassisches Beispiel hierfür lieferten beispielsweise im Mittelalter die Katharer, die die Welt als völlig teuflisch definierten und sich in wesentlichen Bereichen in ausgeprägten Gegensatz zum römischen Lehramt setzten. Rasch kam es zu einem blutigen und nicht enden wollenden Machtkampf. Christen sollten sich indes bewusst sein, dass es bei einer religiösen Auseinandersetzung unter keinen Umständen zu einem Machtkampf kommen darf. Das Durchsetzen einer auf weltliche oder kirchliche Macht gestützten Lehre steht in striktem Gegensatz zum christlichen Liebesgebot.

    Dies müsste eigentlich als Eckpfeiler der christlichen Heilslehre gelten. Doch genau dieses grundlegende Erfordernis wurde in der Geschichte des Christentums immer wieder aufs Gröbste missachtet, dies auch katholischerseits, wie namentlich bei der Inquisition. Strebten aber nicht auch Reformatoren wie Luther, Zwingli oder Calvin bei der Ausbreitung ihrer neuen Ideen nach Macht. Leider war dies doch sehr der Fall, suchten doch ihre mächtigen Anhänger das Volk mit Gewalt ihrem neuen Glauben zu unterwerfen.

    Bei meinen Überlegungen möchte ich noch einen Schritt weitergehen: Ist denn nicht bei der gegensätzlichen Beurteilung des Zweiten Vatikanischen Konzils bei vielen Katholiken eine falsche Grundeinstellung im Spiel? Ungeachtet aller theologischen Meinungsverschiedenheiten sollte man doch endlich einsehen, dass für einen Katholiken die Einheit mit dem römischen Lehramt eine Verpflichtung darstellt, der gegenüber die eigene Meinung auf jeden Fall in den Hintergrund treten müsste. Polemische Formulierungen wie zum Beispiel das Zweite Vatikanum stelle eine Katastrophe dar, verstoßen doch sehr gegen die erwähnte Grundforderung.

    Man distanziere sich endlich von Polemik und Haarspalterei. Gefragt ist ein ehrlicher Dialog, bei dem versucht wird, da und dort einander näherzukommen. Dazu braucht es eine von Demut geprägte Grundhaltung. Nur mit dieser Einstellung und frei von jeglichem Fanatismus können wir allenfalls zur Einheit der Christenheit gelangen.

    Traugott Voegeli-Tschirky, Konsul i.R.

    5325 Leibstadt AG