Streit um Stiftungssitz für Vertriebenen-Vorsitzende Erika Steinbach: Stühle rücken im Durcheinander: Westerwelle soll umdenken: Versöhnliche Lösung finden

Ein riesengroßes Danke für den Kommentar von Herrn Pierk zu Erika Steinbach (DT vom 21. November)! Eine solche kämpferische Zuneigung und so offene Worte ist man als Heimatvertriebener gar nicht mehr gewöhnt. Umso größer die Freude und die Zustimmung. Sie haben endlich einmal in diesem Durcheinander die Stühle gerade gerückt.

Ich habe mir erlaubt, eine Reihe von befreundeten Zeitungen und Verlagen auf den Kommentar von Herrn Pierk aufmerksam zu machen. Ich hoffe, er wird nachgedruckt und findet weite Verbreitung. Das ist leider bei der allgemeinen Desinformation dringend erforderlich.

Etwa fünfzehn Millionen Deutsche, weit überwiegend Frauen, Kinder und Alte, wurden bei und nach Kriegsende unter furchtbaren Umständen (Raub, Misshandlung, Folter, Vergewaltigung, Mord) aus ihrer Heimat vertrieben. Weit mehr als zwei Millionen kamen dabei ums Leben! Schon nach dem Ersten Weltkrieg wurden Deutsche von Polen und auch Tschechen zur Flucht gezwungen oder vertrieben (mehr als eine Million). Viele von ihnen verloren 1945 zum zweiten Mal ihr Eigentum. Ich habe einige gekannt; sie waren ausnahmslos keine Nazis.

Schon 1950 haben die Vertriebenen auf Vergeltung verzichtet. Sie haben mit ihrer Präsidentin Frau Erika Steinbach MdB für die Versöhnung mit den Polen, den Tschechen, den Slowaken gearbeitet und auf der unteren Ebene oft viel erreicht. Nicht zuletzt muss festgehalten werden, dass sie mit hohem finanziellem Aufwand zur Erhaltung oder Wiederherstellung von vielen Bauten und anderen Kulturgütern in ihren Heimatgemeinden in Schlesien, Pommern, West- und Ostpreußen, dem Sudetenland und anderswo beigetragen haben.

Deutschland hat seine Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt und bestraft. Polnische und tschechoslowakische Verbrechen sind bis heute nicht gesühnt worden. Gerade jetzt haben diese Vertreiber-Staaten bei der EU durchgesetzt, dass die Menschenrechte in der EU nicht für die damaligen deutschen Verbrechensopfer gelten dürfen (Benesch- und Bierut-Dekrete).

Der amerikanische Historiker Alfred de Zayas schreibt: „Ein bis zur Selbstverleugnung reichendes Entgegenkommen Deutschlands hat es nicht vermocht, das unaufgearbeitete Trauma von Vertreibung, Enteignung und Grenzverschiebung als beherrschendes Thema der deutsch-polnischen Beziehungen zu überwinden... Ohne eine wahrhaftige und völkerrechtlich saubere Aufarbeitung der Vertreibung gibt es nur Verdrängung, aber keine Versöhnung, die diesen Namen verdient.“

Guido Westerwelle ist durch seinen Amtseid als Außenminister verpflichtet, die Interessen des deutschen Volkes zu vertreten und nicht Anwalt für polnische radikale Nationalisten zu sein. Polen soll sich nicht länger in innerdeutsche Angelegenheiten einmischen.

Zum „Streit um Erika Steinbach“ (DT vom 19. November): Viele polnische Freunde, die durchaus das Unrecht der Vertreibung anerkennen und den Sinn einer Erinnerung daran, haben mit der Personalie Erika Steinbach deshalb Probleme, weil diese ja nicht selbst eine eigentlich Vertriebene ist, sondern mit der deutschen Nazi-Besatzung in das heutige Polen kam und dass dabei damals dort wohnhafte Polen „vertrieben“ worden seien. Dieser Zusammenhang sollte vielleicht von den Betroffenen noch näher erläutert werden, um zu einer ruhigen und versöhnlichen Lösung zu finden.