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    Sexualität und Altenpflege: Das kann leicht im Missbrauch enden

    Sexualität und Altenpflege Zu „Eine normale Dienstleistung“ (DT vom 6.12.): Gerade kam ich vom Besuch eines katholischen Alten- und Pflegeheimes. Der Pflegenotstand ist brisant und hautnah zu erleben.

    Sexualität und Altenpflege

    Zu „Eine normale Dienstleistung“ (DT vom 6.12.): Gerade kam ich vom Besuch eines katholischen Alten- und Pflegeheimes. Der Pflegenotstand ist brisant und hautnah zu erleben. Kaum einer der gehetzten und somit total überforderten Pflegekräfte kann den Senioren entsprechend begegnen. Diese sind langsam und unfähig für viel Alltägliches. Doch das Personal arbeitet nach straffem Zeitplan. Es ist unbeschreiblich, wie viele alleinstehende Menschen einsam und ohne Ansprache ihren Tagesablauf verbringen müssen.

    Daher meine erste Frage: Zitat: „Alter macht die Menschen nicht zum Neutrum.“ Ja, ist denn der Mensch über seine gelebte oder ungelebte Sexualität zu definieren? Das ist doch grotesk und würdelos. Nicht an Sexualassistenz, sondern vielmehr mangelt es alten Menschen in Heimen an Zuwendung, Zuhören, Zärtlichkeit, Wärme und Nähe. Dazu fehlt schlicht die Zeit, nicht der Wille oder das Vermögen der Pflegenden.

    Außerdem könnte die im Artikel dargelegte Sexualassistenz sehr leicht die Würde des alten Menschen beschädigen, eventuell sogar im Missbrauch enden. Wer achtet darauf? Alte Menschen wehren sich bekanntlich sehr selten! Dass mit Caritasunterstützung Sexualassistenz in Seniorenheimen eingeführt werden soll, kann ich nur mit dem Satz beantworten: Wie weit sind wir gekommen beziehungsweise heruntergekommen. Wir sind weit entfernt, urmenschlichen Bedürfnissen gerade im Alter nachzukommen: insbesondere das Zuhören bei Lebensfragen, wie Verlust, Sterben und Tod. Sollten wir nicht besser dafür unser Engagement und unsere verfügbaren Gelder verwenden? Das wäre ein wirklich sinnvoll-positives Unterfangen.

    Dr. med. Christa Eckert,

    97082 Würzburg