„Schmerzensgeld für einen Mörder“: Gäfgen erhält 3 000 Euro Entschädigung: Der Rechtsstaat droht und foltert nicht

Zunächst nutze ich die Gelegenheit, mich herzlich für Ihre hervorragende Zeitung zu bedanken mit Informationen, Meldungen und Argumente jenseits dessen, was die Medien äußern, die meinen, Mehrheiten bedienen zu müssen.

Nun zu dem Kommentar von Stefan Meetschen (DT vom 6. August: „Schmerzensgeld für einen Mörder“): Noch bevor ich die Ausgabe im Briefkasten vorfand, überlegte ich mir zu dem Urteil, das dem Kindsmörder Gäfgen 3 000 Euro wegen der Folterandrohung zusprach, folgendes: Es drängt sich mit viel Macht die Ansicht in unseren Köpfen hervor, dass es nicht sein könne, dass ein solcher Verbrecher ein Schmerzensgeld bekommt. Doch gibt es gute Gründe dafür, auch wenn diese weit im Hintergrund stehen angesichts der Mordtat: Der Rechtsstaat foltert nicht und droht auch nicht damit. Dieses Argument gerät nahezu in Vergessenheit angesichts dieses Sonderfalls. Das Urteil in Sachen Gäfgen ist wohltuend, denn wer hätte sonst einen Anspruch auf entsprechendes Schmerzensgeld: nur noch Täter, die einer geringeren Straftat beschuldigt werden, oder nur wenn ein falscher Zweck damit verfolgt wird? Es ist also richtig: keine Folterandrohung gegen wen auch immer; anderenfalls hat der Bedrohte einen Schmerzensgeldanspruch. Die Dreistigkeit, einen solchen Anspruch zu erheben, ist ein anderes Thema.

Die Kluft zwischen Recht und Rechtsempfinden ist auszuhalten, ebenso wie wir Katholiken bei allem Verständnis solche Spannungen mit Forderungen aus unterschiedlichen Lebenssituationen aushalten müssen mit Blick auf die weiteren Folgen der Entscheidungen.

Mit dieser Haltung sollten wir auch den Gesprächsprozesses der römisch-katholischen Kirche in Deutschland begleiten. Es braucht diese Gespräche, auch wenn sie schwierig und anstrengend sind – gerade für lehramtstreue Katholiken. Nur so können die in Ihrer Zeitung immer wieder vorgebrachten Argumente auch andersdenkenden Katholiken nähergebracht werden.

Bei Abschottung bleiben wir mit unseren Überzeugungen wirkungslos. Mit freundlichen Grüßen aus Erfurt, wo wir uns auf den Papst freuen.