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    Religionskritik: Wenn der Mensch an die Stelle Gottes tritt: Relativistische Schwammigkeit

    Zum Artikel „Handeln aus Dankbarkeit vor Gott“ (DT vom 28. Januar): Herbert Schnädelbach hat mit der Einschätzung recht, dass der Religionskritiker Ludwig Feuerbach mit seiner Religionskritik „Gott abräumte und den Menschen an seine Stelle setzte“. Feuerbach schrieb, „dass der einzige Gott des Menschen der Mensch selbst ist“, „Homo homini deus – das ist der Wendepunkt der Geschichte zum wahren Humanismus.“ Sein Schüler Karl Marx ergänzte: „Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das ,höchste Wesen‘ für den Menschen“ sei. Damit knüpft Marx begrifflich an den „Kult des Höchsten Wesens“ der französischen Jakobiner-Revolution an, dem 40 000 Menschen auf dem Altar der Guillotine geopfert wurden.

    Zum Artikel „Handeln aus Dankbarkeit vor Gott“ (DT vom 28. Januar): Herbert Schnädelbach hat mit der Einschätzung recht, dass der Religionskritiker Ludwig Feuerbach mit seiner Religionskritik „Gott abräumte und den Menschen an seine Stelle setzte“. Feuerbach schrieb, „dass der einzige Gott des Menschen der Mensch selbst ist“, „Homo homini deus – das ist der Wendepunkt der Geschichte zum wahren Humanismus.“ Sein Schüler Karl Marx ergänzte: „Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das ,höchste Wesen‘ für den Menschen“ sei. Damit knüpft Marx begrifflich an den „Kult des Höchsten Wesens“ der französischen Jakobiner-Revolution an, dem 40 000 Menschen auf dem Altar der Guillotine geopfert wurden.

    Wenn aber der Humanismus zur wahren, weil menschlichen Religion wird, dann muss der Mensch zum Maß aller Dinge werden, an ihm müssen alle ethischen, gesellschaftlichen und politischen Imperative Maß nehmen und sich legitimieren. Dieser „konfessionelle Humanismus“ (Schnädelbach) endet in einem ethischen Relativismus, da die verschiedenen Humanismus-Konfessionen – in Abhängigkeit von ihrem Menschenbild – unterschiedliche Imperative definieren: das Glück der größtmöglichen Zahl, der Klasse, der Rasse oder der Nation. Insofern diese Ziele der Menschheitsbeglückung jeweils mit zivilreligiöser Begründung als absolut gesetzt wurden, könnten aus diesem Strang die maßlosen Verbrechersysteme der Neuzeit erklärt werden.

    Auf keinen Fall kann der Humanismus-Diskurs Menschenwürde und Menschenrechte als letztgültige Werte begründen, wenn die Naturrechtsargumentation abgelehnt wird, wie der Freiburger Fundamentaltheologie Magnus Striet es tut. Sein Rezept, „in einer immer wieder herzustellenden Öffentlichkeit darum zu ringen, was lebensfördernd ist“, zeigt seine ganze relativistische Schwammigkeit, wenn man es am Beispiel des Paragraphen 218 erörtert. Mit dem Hinweis, das Gesetz von 1995 sei nach einer breiten Öffentlichkeitsdebatte als höchstmöglicher Konsens zu werten, werden seither alle Forderungen nach wirklichem Lebensschutz abgebügelt.

    Hubert Hecker, 65599 Dornburg-Frickhofen