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    Nach dem Freispruch: Der Fall Christian Wulff, die Medien und das neue Buch des Ex-Bundespräsidenten : Ein wichtiges Zeitdokument

    Einigermaßen erstaunt war ich schon, dass sich auch „Die Tagespost“ in den Kreis der Kritiker eingereiht hat, die Christian Wullff selbst nach dessen Freispruch durch das Landgericht Hannover und die Rücknahme der zunächst gegen das Urteil eingelegten Revision glaubten, noch kritisieren zu müssen, wo doch der Ex-Präsident von allen Anklagepunkten freigesprochen und damit rechtlich und gesellschaftlich voll rehabilitiert wurde. Sein sehr lesenswertes Buch „Ganz oben. Ganz unten“ ist zum rechten Zeitpunkt erschienen und dürfte sich als wichtiges Zeitdokument erweisen. Es stellt gewiss keine Medienhetze dar, wie gelegentlich geäußert wurde. Es ist ein notwendiges Buch, um die Rolle bestimmter Medien und auch der Staatsanwaltschaft Hannover zu beleuchten, die dem Bundes-präsidenten quasi den Krieg erklärten. Es sollte in diesem Zusammenhang auch nicht unerwähnt bleiben, dass sich Wulffs Vorgänger Horst Köhler die Unverschämtheiten von bestimmten Medien nicht länger gefallen lassen wollte und deshalb vom Amt des Bundespräsidenten zurücktrat.

    Einigermaßen erstaunt war ich schon, dass sich auch „Die Tagespost“ in den Kreis der Kritiker eingereiht hat, die Christian Wullff selbst nach dessen Freispruch durch das Landgericht Hannover und die Rücknahme der zunächst gegen das Urteil eingelegten Revision glaubten, noch kritisieren zu müssen, wo doch der Ex-Präsident von allen Anklagepunkten freigesprochen und damit rechtlich und gesellschaftlich voll rehabilitiert wurde. Sein sehr lesenswertes Buch „Ganz oben. Ganz unten“ ist zum rechten Zeitpunkt erschienen und dürfte sich als wichtiges Zeitdokument erweisen. Es stellt gewiss keine Medienhetze dar, wie gelegentlich geäußert wurde. Es ist ein notwendiges Buch, um die Rolle bestimmter Medien und auch der Staatsanwaltschaft Hannover zu beleuchten, die dem Bundes-präsidenten quasi den Krieg erklärten. Es sollte in diesem Zusammenhang auch nicht unerwähnt bleiben, dass sich Wulffs Vorgänger Horst Köhler die Unverschämtheiten von bestimmten Medien nicht länger gefallen lassen wollte und deshalb vom Amt des Bundespräsidenten zurücktrat.

    Danach machte der SPD-Vorsitzende Siegmar Gabriel geschickt Stimmung gegen den von CDU/CSU und FDP nominierten Kandidaten Wulff, indem er erklärte: „Joachim Gauck bringt ein Leben mit in seine Kandidatur und der Kandidat der Koalition bringt eine politische Laufbahn mit“, um damit Wulff zu schaden und möglichst viele Wähler aus dem bürgerlichen Lager abspenstig zu machen, was dann aber nicht gelang. Mit 625 Stimmen erhielt Wulff die absolute Mehrheit, wenn auch erst im dritten Wahlgang. Schon damals schossen die Blätter des Springer-Verlags sowie der „Spiegel“ gegen Wulff. Die Situation verschärfte sich noch erheblich nach dessen Amtsantritt und seiner Aussage von der „bunten Republik“ und der späteren Feststellung, der Islam sei ein Teil Deutschlands. Nun schaltete auch die bürgerliche FAZ, die schon von Anfang Joachim Gauck favorisierte, auf Angriff. Dabei taten sich sogar zwei Herausgeber des „klugen“ Blatts mit unfairen Angriffen hervor. Angeführt wurde das Ganze von den Springer-Blättern, an der Spitze die „Bild“-Zeitung. Als Wulff, der anfangs die Nähe zu „Bild“ suchte, den Irrweg erkannte und sich mehr zurückhielt, wurde er bereits ungebührlich unter Druck gesetzt, wie man seinem Buch entnehmen kann. Die Kampagne ging weiter, als „Bild“ glaubte, Carsten Maschmeyer habe dem Ehepaar Wulff einen zinsgünstigen Hauskredit vermittelt.

    Der Höhepunkt war erreicht, als Wulff auf die Mailbox des „Bild“-Chefs Diekmann sprach und angeblich die Veröffentlichung eines entsprechenden Artikels verhindern wollte. Damals soll Wulff „Bild“ angeblich mit „Krieg“ gedroht haben, was als schwerer Angriff auf die Pressefreiheit gedeutet wurde. Nur Wulff hat diese „Kriegserklärung“ für den Fall der Veröffentlichung des Artikels nicht erklärt. Denn dem im Buch abgedruckten vollen Wortlaut des Telefongesprächs ist dies keineswegs zu entnehmen. Dennoch gibt Wulff selbst zu, damit einen schweren Fehler gemacht zu haben. Nun eskalierte der Fall so sehr, dass praktisch täglich neue „Fakten“ ans Tageslicht kamen – bis hin zur Behauptung, Wulffs Ehefrau Bettina habe im Rotlicht-Milieu gearbeitet. Als dann die Hannoveraner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Wulff eröffnete und die Aufhebung von dessen Immunität beantragte, blieb ihm kein anderer Weg als der Rücktritt vom höchsten Staatsamt.

    Wer glaubte, damit kehrte Ruhe ein, sah sich getäuscht. Es schlossen sich 14-monatige staatsanwaltliche Ermittlungen und ein mehrmonatiger Prozess an, die für Wulff zum Martyrium wurden, der nun mit einem Freispruch „erster Klasse“ endete.

    Eigentlich hätte man nach dem Buch „Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war“ des Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff über die Machenschaften von „Bild“ gewarnt sein müssen. Interessanterweise spielten die „Süddeutsche“ und die taz dieses Spiel nicht mit. Deutschlands „Chefaufklärer“ Hans Leyendecker („Süddeutschen Zeitung“) verweigerte daher die Annahme des Henri-Nannen-Preises, um so gegen die gleichzeitige Auszeichnung der „Bild“-Zeitung für deren angebliche Rechercheleistung im Fall Wulff zu protestieren.

    Als einer von wenigen Politikern aus der ersten Reihe hatte Peer Steinbrück, dem als SPD-Kanzlerkandidat von bestimmten Medien ebenfalls übel mitgespielt wurde, den Mut, die Behandlung des Falls Wulff in zahlreichen Medien – die Fernsehsender nicht ausgenommen – in einem Interview mit der Zeit als das zu bezeichnen, was es war, nämlich: Eine Entwürdigung von Christian Wulff und ein Skandal eines „gewalttätigen Journalismus“.

    Heinrich Harth, 63579 Freigericht