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    Mein junger Glaube im Alltag: Unvergessliches Erlebnis: Leinen los – Kirche heute: Franziskus betrachten

    „Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

    „Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

    6 Uhr morgens. Frühsport, Waschen, Morgengebet, Frühstück. 13 000 junge Menschen. Im Wald. Ich mittendrin. Welch großes Geschenk, beim Eurojam 2014 dabei gewesen zu sein! Für alle Nicht-Pfadfinder: Das Eurojam ist ein großes internationales Pfadfinderlager des katholischen Pfadfinderbundes FSE (Fédération du Scoutisme Européen), das alle zehn Jahre stattfindet. In diesem Jahr trafen sich Pfadfinder aus 19 verschiedenen Ländern, darunter 500 aus Deutschland, in der Normandie, um voneinander zu lernen und ein Europa in Frieden und Brüderlichkeit zu festigen.

    Die schönste Erfahrung für mich war, so viele junge Menschen zu treffen, die alle die gleichen Ideale, die gleiche Freude für unseren katholischen Glauben haben. Jeden Tag gab es in den Gruppen eine hl. Messe, jeden Tag wurde der Rosenkranz gebetet, es gab eine Wallfahrt ins nahegelegene Lisieux zur hl. Theresia. Die Freude, die jeder Einzelne ausstrahlt, der Friede mit sich selbst, all das führt zu einer großartigen Atmosphäre. All das zeigt, wie schön es ist, katholisch sein zu dürfen! Das geistliche Programm lockerte den Lageralltag auf. Die alltäglichen Aufgaben bewältigten wir in kleinen Gruppen von fünf Personen. In den Sippen/Gilden sollen die jungen Menschen möglichst selbstständig die Herausforderungen des Alltags lösen und viel voneinander lernen. Erwachsene Pfadfinder stehen den Jugendlichen mit Rat und Tat beiseite. Jeden Tag trafen sich Gruppen verschiedener Länder miteinander. Bei diesen Treffen ging es darum, miteinander zu spielen, Techniken zu lernen, einfach fröhlich beisammen zu sein. Hier zeigte sich mir wieder deutlich, wie wichtig es ist, über seinen „Tellerrand“ hinauszusehen und wie viel man von Menschen anderer Länder lernen kann. Ich bin froh und dankbar, Teil dieser großartigen Bewegung zu sein! Man erlebt auf Lagern in verschiedenen Ländern viele Abenteuer, lebt in aller Einfachheit in der Natur und erfährt so intensiv die Größe und Schönheit Gottes. Das Eurojam war eines dieser Ereignisse, die man nicht mehr vergisst und jeder, der dabei war, hat gespürt: Hier geschieht Großes!

    Der Autor, 19, studiert Maschinenbau in Mosbach

    Sie ist fast 2000 Jahre alt und auf Felsen erbaut. Als Mutter sorgt sie für Kranke und Schwache. Wie eine Rose Dornen hat, so ist auch sie von Schwachheit geprägt und hat düstere Kapitel. Und dennoch ist sie Zuflucht und Anker in der Not: die Kirche.

    Als Schiff in unsicheren Gewässern oder als längst aufgegebenes Wrack angesehen, manövriert sie in eine ungewisse Zukunft. An Bord ist nach Missbrauchsskandalen und dem Rummel um den Limburger Bischofssitz das Platzangebot gestiegen – auch wenn die meisten Passagiere wohl ohnehin schon ihre Koffer gepackt hatten. Am Steuer steht ein Argentinier, der die Segel der Nächstenliebe gesetzt hat. Aber in den Ausguck mag derzeit trotzdem niemand steigen. Zu groß ist die Angst vor möglichen Kurswechseln. Die meisten Passagiere haben es sich im Bauch des Schiffes bequem gemacht. Sie begnügen sich mit dem, was sie im Inneren des Schiffes vorfinden. Ab und an spukt ein Klabautermann umher, mal in Gestalt von Kriegen, mal in Gestalt von Flüchtlingswellen. Aber an Kobolde glaubt ohnehin niemand mehr, es interessiert nicht einmal die Besatzung. Apropos Besatzung: Deren Zahl ist ebenfalls stark zurückgegangen, obwohl die Heuer ganz gut ist. Das Deck müsste dringend einmal geschrubbt werden. Viele Altlasten liegen herum und warten darauf, aufgearbeitet zu werden. Den Matrosen ist es unangenehm, aber sie vermeiden es, darüber zu sprechen und drücken sich um unangenehme Arbeiten. Das Schiff wäre ohnehin schon gesunken, wenn es da nicht eine kleine Gruppe von engagierten Passagieren gäbe, die zwar von den anderen Mitreisenden belächelt werden, aber jeden Tag aufs Neue das Schiff anstreichen, es auf Vordermann bringen und ihm so den nötigen Glanz verleihen. Über die Planke ist schon lange niemand mehr gegangen. Ungemütliche Besatzungsmitglieder werden angewiesen, im Rumpf des Schiffes zu bleiben und zu schweigen. Und auch die Waffenkammer an Bord ist verschlossen. Nur einige wenige rasseln gelegentlich mit den Säbeln.

    Zwar wird das Schiff von der restlichen Welt kaum noch beachtet, wenn es einen Hafen anläuft, aber wenn die Wellen manches Mal hoch schlagen, klammern sich die Menschen an den Planken fest. Und so kämpft sich das Schiff Kirche durch die Stürme der Zeit und trotzt allen Untiefen. Denn noch ist das Steuer nicht gebrochen und auch der Wind weht kräftig und beständig in die Segel. Volle Fahrt voraus, auf der Suche nach der Quelle des ewigen Lebens!

    Der Autor, 24, promoviert im Fach Jura in Würzburg

    Der Heilige Franziskus ist sicherlich einer der Heiligen, die im Augenblick am meisten in den Blickpunkt gerückt werden. Das liegt daran, dass er der Namenspatron von Papst Franziskus ist, aber auch, dass viele Züge, die den Heiligen ausmachen, im Trend und im Bewusstsein unserer heutigen Zeit liegen. Viele sehen in ihm einen ersten Vorläufer der ökologischen Bewegung, einer, der versuchte, im Einklang mit der Schöpfung zu leben und die Natur als großes Werk Gottes zu sehen. Andere sehen in Franziskus von Assisi einen der großen Kritiker, der den Reichtum und die Dekadenz einer immer einflussreicher gewordenen Kirche anprangert und ihr ein alternatives Lebensmodell gegenüberstellt: Das der Armut.

    Trotzdem sehe ich eine große Gefahr, Franziskus zu einseitig zu sehen. Besonders in Assisi selbst wird das deutlich. Natürlich weiß ich nicht, was der große Heilige heute zu seiner Geburtsstadt sagen würde, in der die franziskanische Bewegung ihren Anfang nahm und auch heute noch dort ihren Mittelpunkt hat. Von der Armut des Franziskus ist dort nicht mehr viel zu sehen. Sicherlich, Franz wird arm dargestellt, und trotzdem steht heute über seinem Grab eine der wundervollsten Kirchen des Christentums. In allen Ecken und Enden der Stadt lässt sich mit Franz Geld verdienen, mit kleinen Andenken, Franziskus-Bildern oder Figuren. Gleichzeitig wird Franz auch als die Person gezeigt, die den Sonnengesang verfasste, für den Sonne, Mond, Erde, Welt und sogar der Tod Brüder und Schwestern waren. Und das alles zu Recht.

    Und dennoch, glaube ich, muss sich die Kirche von heute intensiver mit diesem Heiligen auseinandersetzen, auf einer vertieften Ebene. Sie muss in Franz nicht nur den Mann sehen, der eine arme Kirche wollte, sondern gerade auch den, der in vollkommener Armut lebte, ja, der seinen Brüdern sogar verbot, ein Geldstück auch nur in die Hand zu nehmen. Sie muss in Franz auch den Mann sehen, der schon in jungen Jahren krank war und früh starb, sicherlich auch als Folge seiner Askese, weil er selbst seinen Körper nicht schonte. Natürlich können wir Franziskus verkürzt sehen: Ein bescheidener Mann, der die Natur liebte. Aber ich glaube, dass das diesem großen und heiligen Mann nicht gerecht wird. Gerade Assisi selbst zeigt: Es ist leicht, Franz einfach zu sehen, aber es ist schwer, auch seine Brüche und Extreme in den Blick zu nehmen und zu respektieren. Dann – und nur dann – kann auch die revolutionäre Seite dieses Mannes im wahren Licht erscheinen, die der Kirche seit nun beinahe 1 000 Jahren zeigt: Die Lebensform des Evangeliums ist eben auch die Armut, die vollkommene Armut, nicht nur eine relative Bescheidenheit. Es entspricht dem Evangelium, die ganze Schöpfung als Werk Gottes zu begreifen, selbst den Bruder Tod. Eigentlich eine unerhörte und erschütternde Botschaft. Das zu begreifen ist sicherlich alles andere als einfach. Aber wichtig.

    Der Autor, 19, studiert Katholische Theologie in Regensburg

    Von Josef Brand