Mein junger Glaube im Alltag: Mut zur Demut: Mit Christus Brücken bauen: Handy oder Rosenkranz?

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„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

So viel Sünde in der Apostelgeschichte sichtbar wird – denken wir nur an den Christenverfolger Saulus – so viel Gnade Gottes schimmert durch den beinahe zweitausend Jahre alten Text auch in unsere Zeit. Wir hören von einer Gemeinde, die „ein Herz und eine Seele“ ist (Apg 4,32), die sich zum Gebet versammelt, in Bescheidenheit die Güter teilt und die Zeugnis von Jesus ablegt (vgl. Apg 4,33). Auch in unserer Zeit gibt es diese Beispiele eines gelungenen Lebens in Gott. Wir kennen sie, die bescheidenen, liebevollen und zeugenhaften Christen, seien es nun einfache Menschen wie Mutter Theresa oder Päpste wie Johannes XXIII. und Johannes Paul II.

Doch manchmal scheint die Sünde der Kirche so groß zu sein, dass sie all das Gute überschattet. Wie oft begegnet uns in der Kirche selbst Machtgier? Wie oft ist der Hochmut das, was uns auszeichnet, und nicht die Güte? Es gibt Momente, in denen ich mich frage, ob es sich überhaupt noch lohnt, für diese unsere Kirche einzutreten. Lohnt es sich noch, Zeugnis zu geben, wenn es so viel Zeugnis wider Christus gibt? Oder verändern zu wollen, wo Sturheit und Selbstverliebtheit die Pfarreien – Priester wie Laien – regieren? Ja, es gibt Momente, in denen man nur noch verzweifeln möchte an der Kirche, bei der man so oft ins Zweifeln kommt, ob es überhaupt noch die Kirche Gottes ist, ob sie überhaupt noch Zeugnis für einen armen Zimmermann ablegen will. Der Gründonnerstag ist noch nicht allzu lange her, an dem sich der Priester selbst auf den Boden kniete, um Füße zu waschen. So hat auch Jesus gehandelt; in ihm sehen wir das Wort des Jesaja erfüllt: „Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden“ (Jes 53,3). Er, die Herrlichkeit der Welt, beugte sich, er wurde zu einem scheinbar unbedeutenden, am Kreuz zwischen Verbrechern sterbenden Menschen. Doch eines sollte uns Ostern lehren: Nur durch diesen Akt der Liebe Gottes kann Erlösung stattfinden.

Nur durch die Liebe Gottes, die das Leben im wahrsten Sinne des Wortes durchkreuzt, kann das Leben selbst zur Geltung kommen. Nur wer sich erniedrigt, ist wirklich groß. Wann haben wir zuletzt einem Menschen die Liebe erwiesen, die im Abendmahlssaal Jesu greifbar wurde? Wann haben wir zuletzt uns selbst vergessen, um an den Anderen zu denken? Das ist die Aufgabe der Kirche: Arm zu sein mit den Armen, Hoffnung zu sein für diejenigen, die keine Hoffnung mehr haben. Nur so können wir dem Herrn der Welt auch nur im geringsten gerecht werden. Und nur so – einen anderen Weg gibt es nicht – können auch wir ein Herz und eine Seele sein. Durch Demut. Sicher nicht mit Hochmut.

Der Autor, 19, studiert Katholische Theologie in Regensburg

Nur noch wenige Tage trennen uns vom Beginn des Katholikentags in Regensburg. Unter dem Motto „Mit Christus Brücken bauen“ haben das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und das Bistum Regensburg zu diesem Ereignis in die Domstadt am nördlichsten Punkt der Donau eingeladen. Die Aufbauarbeiten sind in vollem Gang und die Vorfreude auf dieses Treffen so vieler tausend Christen wächst.

Die Brücke war seit jeher ein Symbol der Verbindung und der gegenseitigen Begegnung von Menschen. Die von 1135–1146 erbaute Steinerne Brücke in Regensburg, ein weltberühmtes Wahrzeichen der Stadt, war lange Zeit der einzige Donauübergang zwischen Ulm und Wien. Auch verband sie die damalige Freie Reichsstadt mit dem Herzog- und späteren Kurfürstentum Bayern. Regensburg war somit schon in der Geschichte ein Ort, an dem Menschen verschiedenster Herkunft einander begegnen konnten. So ist es schön, dass die Stadt dies um das Hochfest Christi Himmelfahrt herum wieder sein wird.

Beim Regensburger Katholikentag liegt ein Fokus vor allem auf der Begegnung mit den Gläubigen aus dem benachbarten Tschechien. Mit dem Zuruf „Stavet mosty s Kristem“ (so die tschechische Übersetzung des Leitworts) sind auch die Christen Tschechiens zur Teilnahme am Katholikentag eingeladen worden. Ein ermutigendes Zeichen für die Tatsache: Auch wenn wir verschiedene Herkunft haben und verschiedene Sprachen sprechen, baut Christus Brücken zwischen den Völkern – Brücken des Dialogs, des immer besseren gegenseitigen Kennenlernens und der christlichen Geschwisterlichkeit über die Grenzen der Länder und die Grenzen in unseren Köpfen hinweg. Doch sollen auch die Verbindungen zwischen den katholischen und evangelischen Christen sowie ebenso zu den Angehörigen anderer Religionen weiter gepflegt und intensiviert werden. Viele Veranstaltungen werden ihren Beitrag dazu leisten und vielleicht kleine Brückenschläge ermöglichen.

Ich selbst hoffe, dass der Katholikentag in Regensburg für alle Teilnehmer ein bestärkendes Erlebnis sein wird – ein Ereignis, das es möglich macht, unseren Glauben neu und tiefer zu entdecken und uns auch die eine oder andere neue Perspektive darauf erschließt. Wenn dies gelingt, wird man nach dem Abschluss dieser Tage umso überzeugter die Worte singen können, die den Refrain des eigens komponierten Katholikentags-Lieds bilden: „Mit Christus Brücken bau'n, uns ihm ganz anvertrau'n: Er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit! Mit ihm geh'n wir voran, bricht sich der Himmel Bahn. Mit Christus Brücken bau'n!“

Der Autor, 26, studiert Katholische Theologie in Regensburg

Vor einiger Zeit habe ich mir fest vorgenommen, täglich den Rosenkranz zu beten. Für einen jungen Menschen im Zeitalter der Schnelllebigkeit und der ständigen Erreichbarkeit gestaltet sich dies gar nicht so einfach. Stets lockt das Handy in der Jackentasche: Was hat sich wieder in der Welt getan? Wer hat versucht, mich zu erreichen? Wer hat mir eine Nachricht oder eine E-Mail geschrieben? Ein ständiger Kampf zwischen innerer Ruhe und oberflächlicher Zerstreuung, zwischen dem Wesentlichen und der verlockenden Neuigkeit des Alltages. Eine heilsame Vorkehrung kann es da sein, das Handy für einige Zeit auszuschalten oder zumindest auf lautlos zu stellen, eine Kirche oder Kapelle aufzusuchen oder zumindest für die Zeit des Gebetes ein wenig an die frische Luft zu gehen.

Das Beten des Rosenkranzes ist für viele junge Menschen etwas völlig Ungewohntes und Unbegreifliches, folgt doch stets ein und dasselbe Gebet auf das nächste. Langweilig, eintönig, ermüdend und gehaltlos – das sind meist die ersten Assoziationen. Doch der Rosenkranz lädt uns dazu ein, im Alltag für einen Moment innezuhalten, um das Gespräch und die Gemeinschaft mit Gott und der Gottesmutter Maria zu suchen. An diesem Tag wird uns das leichter fallen, an jenem etwas schwerer. Wir müssen uns eben die Zeit nehmen und uns jeden Tag wieder aufs Neue dazu entscheiden oder sogar dazu durchringen, Männer und Frauen des Gebetes zu werden und aus dem Geist der Innerlichkeit zu leben. Zu Beginn wird unser Kampf darin bestehen, den Rosenkranz treu und möglichst in einem Stück zu beten – nach einiger Gewöhnung und Routine vermutlich darin, ihn nicht einfach gefühlskalt herunterzuplappern und bei jedem Ave Maria bereits an das Ende des jeweiligen Geheimnisses zu denken.

Der Rosenkranz lässt sich in ganz verschiedenen „Haltungen“ beten. Der eine wird die Zeit nutzen, um zur Ruhe zu kommen und die Gemeinschaft mit Gott zu genießen. Ein anderer wird beim Beten der Geheimnisse besonders das Leben Jesu und Mariens betrachten und ihre konkrete heilsgeschichtliche Dimension bedenken. Wieder ein anderer wird mit dem Rosenkranz ein besonderes Anliegen verbinden, etwa die Bekehrung des eigenen Sohnes, die Genesung der Mutter oder den Schutz des ungeborenen Lebens. Besonders heilsam ist der Rosenkranz, wenn diese drei Dimensionen zusammenkommen. Dann öffnet er nicht nur unser Herz, sondern auch das Herz aller, für die wir unser Gebet aufopfern – und letztlich das Herz der ganzen Welt. Insofern ist der Rosenkranz zugleich das apostolische Werkzeug, das immer vor unseren persönlichen Bemühungen im Umgang mit anderen Menschen stehen muss, denn aus uns selbst heraus können wir nichts.

Ein lieber Freund hat dieses Geheimnis einmal wunderbar in Worte gefasst: „Beten ist die radikalste Form, sich einzumischen.“ Vermutlich werden wir erst im Himmel erkennen, wie viele Herzen unser Gebet geöffnet hat und wie viel wir durch unser Gebet hätten bewirken können.

Der Autor, 21, studiert Rechtswissenschaften in Köln