• aktualisiert:

    Leserdebatte über den richtigen Weg aus der Kirchenkrise und der Priestermangel: Neue Gemeindestruktur bietet neue Chancen

    Wunnibald Forster klagt in seinem Leserbrief (DT vom 3. Januar), als „kritisch Denkender“ innerhalb der Kirche in die Ecke der „Zeitgeistopfer“ gestellt zu werden. Zugleich hält er an seiner Signalsetzung fest: am „christlichen Protest“ gegen Rom, der ihm gar als Zeichen des Glaubens gilt. Zwei Sätze zuvor noch beklagte er sich, dass man mit solchen Meinungen „als Epigone Luthers“ gilt.

    Wunnibald Forster klagt in seinem Leserbrief (DT vom 3. Januar), als „kritisch Denkender“ innerhalb der Kirche in die Ecke der „Zeitgeistopfer“ gestellt zu werden. Zugleich hält er an seiner Signalsetzung fest: am „christlichen Protest“ gegen Rom, der ihm gar als Zeichen des Glaubens gilt. Zwei Sätze zuvor noch beklagte er sich, dass man mit solchen Meinungen „als Epigone Luthers“ gilt.

    Ähnlich seine Aussagen zur Situation der Priester, die angesichts der Überlastung vielleicht „besser Beamter oder Buchhalter gelernt“ hätten. Er fordert – mit den bekannten Implikationen der Memorandisten – mehr Priester, kommt aber nicht auf die Idee, dass Verwaltungsaufgaben in den größeren pastoralen Räumen tatsächlich gelernten Buchhaltern (= Laien) übertragen werden können, damit die Priester (und ausgebildete, ehrenamtliche Laienkatecheten!) freier sind für die seelsorgerischen Herausforderungen. Wozu Priesterinnen, wenn Buchhalter/innen gebraucht werden?

    Ärgerlich aber wird es, wenn Forster den sogenannten Superfrommen (das sind wohl die, die noch zu Kirche und Papst stehen) „zynische Menschenverachtung“ vorwirft, als ob ausgerechnet sie die Überlastung von Priestern zu verantworten hätten. Wo Gemeinden so klein werden, dass sie keinen eigenen Pfarrer mehr tragen können, werden nun einmal andere Organisationsformen erforderlich. Mitten in diesem Prozess befinden wir uns; dass er nicht nur Nachteile, sondern auch neue Chancen für Glauben und Kirche beinhaltet, wird meines Erachtens immer deutlicher. „Mehr Mut!“, möchte man Pfarrer Forster zurufen.

    Auf seine Vorwürfe aber kann man nicht eingehen, ohne selbst zum Erbsenzähler zu werden. Sie münden in den Begriffen „Diskussionsverbot“ und „Diskussionsverweigerung“, schließlich redet er auch noch vom „Geistesterror, der in unterentwickelten Religionen (!) sogar zum Terrorismus entartet“.

    Nein, bitte nicht auf diesem Niveau und mit diesen Unterstellungen und Jeremiaden in diesen Fragen argumentieren. Unsere Zukunft ist vielleicht nicht einfach, aber keineswegs düster; sie verlangt allerdings von Priestern wie Laien mehr Glauben und Liebe zur Kirche.

    Michael Schmitt, 60320 Frankfurt