John Henry Newman und seine Verehrung der Gottesmutter: „Ich war immer unter ihrem Schutz“

Leserbrief zu Paul Bernhard Wodrazka C.O., „Schlichte Frömmigkeit gepaart mit tiefem Glauben. Der Marienverehrer John Henry Newman liebte den Rosenkranz und sprach in vielen Bilder über die Mutter des Herrn“ (DT vom 11. September). Mit großer Dankbarkeit und tiefer Bewegung las ich den wertvollen Beitrag aus der Feder des Oratorianers Paul Wodrazka. Als ich im Juli 2008 Littlemore besuchte, durfte ich beim gemeinsamen Rosenkranzgebet mit den Schwestern von der geistlichen Familie „Das Werk“ Newmans persönlichen Rosenkranz in meinen Händen halten.

Wenn Pater Wodrazka schreibt, dass Newman „schon als junger Anglikaner die Mutter des Erlösers verehrte“, dann ist diese Auffassung leider falsch. Richtig ist vielmehr: Als der junge Pfarrvikar John Henry Newman am 19. Februar 1826 in der Kirche St. Clement's (Oxford) über den Glauben Mariens („The Faith of Mary“) predigte, da beendete er seine Ansprache so: „Wir sollten nicht annehmen, dass sie (Maria) sich in einer derartigen Weise von uns unterscheidet, dass sie besser ist. Wir sind in der Tat bevorzugt. Ihr wurde nicht wie uns (obwohl der Geist in ihr wohnte) der Geist verheißen und auch besiegelt. Sie wurde nicht auf den Glauben an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist getauft. Falls wir sie nicht übertreffen, dann geschieht dies allein durch unsere eigene Schuld, allein aufgrund der Trägheit und Fleischeslust unserer Herzen.“ (freie Übertragung ins Deutsche)

Es ist offenkundig, wie weit der anglikanische Pfarrvikar Newman seinerzeit davon entfernt war, Maria als Jungfrau und Gottesmutter zu verehren. Im Jahre 1826 war Newman einerseits von einer evangelikalen Gläubigkeit geprägt, auf der anderen Seite war er stark von den empiristischen Ideen des Oxforder Philosophen Richard Whately (1787–1863) beeinflusst.

Entscheidend ist zu guter Letzt freilich, dass Newman im Jahre 1848, drei Jahre nach seiner Aufnahme in die Kirche, in die „eine wahre Herde des Erlösers“ (Newman), im Rückblick auf seine anglikanischen Jahre an seinen Freund Henry Wilberforce schrieb: „Ich war immer unter ihrem Schutz und Schirm. (...) Unsere Liebe Frau hat auf mich gewartet.“