Immer weniger Kinder: Die demografische Katastrophe rollt auf uns zu : Strukturelle Ungerechtigkeit

Zum Beitrag „Deutsche ohne Lust auf Kinder “ (DT vom 20. Dezember): Die Dramatik dieser Entwicklung hat große Auswirkungen auf die zukünftige Ausgestaltung unseres Sozialstaates. Es ist schon erstaunlich, dass jetzt erst, nachdem Deutschland schon seit 40 Jahren zu den Ländern mit der niedrigsten Geburtenrate gehört, das „Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung“ erstmals die „Gefühlslage“ der Deutschen in ihre Überlegungen aufnahm. Die Lösung bedarf intensiverer Diskussion und neuen kreativen Vorschlägen um der Vielschichtigkeit dieser Zukunftsaufgabe gerecht zu werden.

Reflexartig wird die Lösung dieses Problems in dem einseitigem Ausbau der Kita-Plätze für alle Kinder gesehen. Ein Blick nach Ostdeutschland müsste unsere Politiker nachdenklich werden lassen. In der ehemaligen DDR wurde ein umfassendes ganztägiges Betreuungssystem für Kinder aufgebaut, das nach der Wende in seiner Struktur weitgehend erhalten blieb. Auf Grund dieser Versorgungslage bleiben die Frauen deutlich seltener als in Westdeutschland kinderlos, trotzdem sind die durchschnittlichen Kinderzahlen ähnlich niedrig wie in Westdeutschland. Der Grund dafür ist, dass ostdeutsche Frauen nur selten oder mehr Kinder haben. Solche Mehrkinderfamilien spielen aber für das statistische Geburtenniveau eine Schlüsselrolle, wie der internationale Vergleich mit geburtenstärkeren Ländern zeigt.

In diesen Staaten, die deutlich mehr Kinder haben als wir, zeigt sich deutlich, dass das „traditionelle Familienbild“ und die „Mehrkinderfamilie“ zusammengehören. Politiker, die selbst von kinderreichen Müttern Vollerwerbstätigkeit fordern, ohne Anrechnung von Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung, befinden sich in einer ideologischen Sackgasse, die nicht zum erstrebten Ziel führt. Diese strukturelle Ungerechtigkeit ist bisher leider kein Thema.